So, 17. Dezember 2017

"Krone" in Bozen

20.07.2017 16:50

"Die Unterkünfte platzen schon aus allen Nähten"

Wie lange hält Italien dem Druck noch stand? Allein heuer kamen mehr als 85.000 neue Flüchtlinge über die gefährliche Mittelmeerroute im Stiefelstaat an, zudem werden wegen der Dublin-Regelung Migranten aus Deutschland zurückgeschickt. Vor allem in Südtirol könnte sich die Asylkrise zuspitzen, fürchten einige. Ein Lokalaugenschein der "Krone" in Bozen ...

Bis zu 200.000 Flüchtlinge sind aktuell in Aufnahmezentren in Italien einquartiert. Mehr als 85.000 Migranten vor allem aus Ghana, Nigeria oder Somalia strandeten allein heuer an den Küsten. Tausende warten noch auf eine Überfahrt.

Flüchtlinge zusammengekauert unter Bäumen
"Die Unterkünfte in der Stadt platzen mittlerweile aus allen Nähten", wird auch Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi von Südtiroler Medien zitiert. Beim "Krone"-Lokalaugenschein merkt man davon relativ wenig. Zwischen Urlaubern, die durch die Lauben schlendern oder ihren Cappuccino genießen, entdeckt man dann aber doch die Flüchtlinge: eng zusammengekauert unter Bäumen. "Wir sind illegal eingereist. Wir möchten gerne hierbleiben, aber viele Notunterkünfte sind voll", sagt ein junger Mann aus Somalia.

In einem ehemaligen Supermarkt sollen knapp 400 Männer untergebracht sein. "Immer wieder werden Schutzsuchende abgewiesen", verrät ein Sicherheitsmitarbeiter. Die Flüchtlinge nächtigen dann auf der Straße oder unter Brücken.

Caritas: "Haben sicher noch Spielraum"
Südtirols Caritas-Direktor Franz Kripp sieht die Lage weniger dramatisch: "In Südtirol gibt es etwas mehr als 2000 Flüchtlinge. Wenn man bedenkt, dass in Nordtirol bis zu 7000 Asylwerber leben, haben wir sicher noch Spielraum." Aussagen über ein mögliches Asylchaos am Brenner empfindet Kripp, wie viele Südtiroler, als "Wahlkampfgeplänkel".

Kurz traf italienischen Amtskollegen in Wien
Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) pochte unterdessen in Wien bei einem Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Angelino Alfano darauf, illegal in Italien via Mittelmeer eingetroffene Migranten nicht mehr von den Inseln auf das Festland zu lassen. Er habe Alfano gesagt, "dass wir uns erwarten, dass der Fährenverkehr für illegale Migranten zwischen den italienischen Inseln wie Lampedusa und dem italienischen Festland eingestellt wird".

"Wenn Menschen nach der Rettung von den Inseln möglichst schnell auf das Festland gebracht werden und dann weiterziehen in Richtung Norden, wird nicht nur die Überforderung in Mitteleuropa immer größer, sondern das führt dazu, dass sich immer mehr auf den Weg machen, die Schlepper immer mehr verdienen und immer mehr (Flüchtlinge und Migranten, Anm.) ertrinken", so der Außenminister am Donnerstag.

Kurz betonte zudem, dass nach wie vor Vorbereitungsmaßnahmen vonseiten des Innen- und des Vereidigungsministeriums im Gange seien, um gegebenenfalls die Brenner-Grenze zu schließen. Derzeit funktioniere die Kooperation mit den italienischen Behörden, aber "wenn sich Italien entschließt, immer mehr Menschen nach Norden weiterzuwinken, dann werden wir unsere Grenzen schützen". Lob gab es von Kurz für den von Italien geplanten Verhaltenskodex für NGOs, die Flüchtlinge und Migranten aus dem Mittelmeer retten.

Samuel Thurner aus Bozen, Kronen Zeitung/krone.at

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