Fr, 15. Dezember 2017

WM-Abfahrtstraining

09.02.2017 21:24

Kriechmayr holt Bestzeit - Quali-Drama um Baumann!

Die Qualifikation im österreichischen Herren-Speedteam für die WM-Abfahrt am Samstag in St. Moritz ist einmal mehr ein Rennen vor dem Rennen gewesen. Deutlicher als Vincent Kriechmayr kann man sich aber nicht qualifizieren, er verwies mit Bestzeit im von Nebelschwaden total durcheinandergebrachten Abfahrtstraining Beat Feuz (SUI) um 1,30 Sekunden auf Platz zwei. Matthias Mayer kam auf Rang drei (+1,34) und holte sich per Trainerentscheid den letzten ÖSV-Startplatz - statt dem Tiroler Romed Baumann (+1,60/Platz 5). Bitter: Baumann trat zum 6. Mal in seiner Karriere zu einer Abfahrts-Quali bei einem Großereignis an - er hatte zum 6. Mal das Nachsehen! Die Stimmen zum Training gibt's im Video oben!

"Jedes Mal muss ich zuschauen", sagte der frustrierte Baumann, der das Gefühl hatte, dass der Quali-Modus jedes Mal ihn "frisst". Auch im Super-G war er nicht berücksichtigt worden, ihm bleibt damit nur die Alpine Kombination in St. Moritz. Er müsse jetzt schauen, "wo er mit der Motivation" stehe. "Das war das große Saisonziel von mir, in der Abfahrt am Start zu stehen." Anfang der Saison sei es ihm nicht so leicht von der Hand gegangen, aber seit Wengen habe er gespürt, dass er einen guten Speed habe. "Von den Ergebnissen her war es auch nicht so schlecht. Ich weiß, dass ich vom Grundspeed dabei bin. Ich hätte es mir da runter richtig zugetraut", sagte Baumann.

Materialtechnisch "abgesichertes" Abfahrts-Quartett
Bei Weltmeisterschaften traf es ihn 2009 in Val d'Isere, 2013 in Schladming, 2015 in Beaver Creek und nun 2017 in St. Moritz - sowie bei Olympischen Spielen 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi. Sein einziger Start bei einem Großereignis war bei der WM 2011 in Garmisch, als er als bester Österreicher Vierter wurde. Nun bilden also die Vorab-Fixstarter Hannes Reichelt und Max Franz sowie die am Donnerstag im Training schnellsten Österreicher Kriechmayr und Mayer das Abfahrts-Quartett für Samstag. Womit man auch materialtechnisch "abgesichert" sein dürfte: Mayer fährt Head, Kriechmayr Fischer, Reichelt Salomon und Franz Atomic.

Kriechmayr: "Das waren 100 Prozent!"
Kriechmayr war am Mittwoch mit Platz fünf im Super-G "der Knopf aufgegangen" - er genoss die abendliche Siegerehrung und legte sich in der Quali am Donnerstag voll ins Zeug. "Das waren 100 Prozent, bei einem mehr wäre ich auf der Schnauze gelegen", sagte der 25-Jährige. "Ich freue mich, dass ich bei der WM in der Abfahrt dabei bin, das ist die Königsdisziplin, die hat in Österreich große Bedeutung. Zu den schnellsten vier zu gehören, ist eine Genugtuung. Aber ich bin nicht nur wegen der Quali oder dem Training hier, ich möchte bei den Rennen Topergebnisse zeigen." Er sei die Ideallinie gefahren - oder sogar noch besser als besichtigt.

"Anscheinend hat es gut gepasst"
"Bei einer Kurve hat es mich weiter runtergedrückt, ich bin draufgestiegen und wusste nicht, ob sich das ausgeht, dass ich drinnen bleibe. Aber anscheinend hat es gut gepasst". Beim letzten Sprung passierte ein Schönheitsfehler: "Das war fast ein bisserl zum Schämen, das ist das Einzige, was nicht gut gelaufen ist. Früher haben sie auch so eine Schranz-Hocke gemacht und waren schnell, vielleicht war das noch einmal ein Turbo ins Ziel rein. Mit Startnummer eins war Mayer gefahren, der dachte im Ziel, eine gute Fahrt gehabt zu haben.

"Ich habe gesehen, dass ich schnell Ski fahren kann"
Doch mit zwei folgte Kriechmayr und nahm ihm 1,34 ab. "Mothl hat gesagt, er hat dann Angst gehabt, dass er eine Vollschleife bekommt. Aber ich bin mehr am Zacken gefahren als Mothl, auch wenn er glaubt, er ist schon gut gefahren, er wird nochmals was draufsetzen können", glaubt Kriechmayr. Nach dem "brutal schlechten Start in die Saison" ist der Verlauf der St. Moritz-WM Balsam auf Kriechmayrs Wunden. "Ich habe wieder gesehen, dass ich schnell Ski fahren kann. Das freut mich irrsinnig, ich hätte das hier nicht geglaubt. Schauen wir mal, ob mir das fürs Rennen nochmal gelingt und die Konkurrenz nochmals so einen Schub machen kann."

Nebel-Chaos strapaziert die Nerven der Rennläufer
Einen ordentlichen Schub hätte wohl auch eine hartnäckige Nebel-Front gebraucht, die den Trainingstag in St. Moritz ordentlich durcheinandergebracht hat. Die Geduld und Belastbarkeit vieler Rennläufer wurde so hart auf die Probe gestellt. Denn das Abfahrtstraining zog sich letztlich bis nach 16 Uhr, gerade einmal 30 der 82 Rennläufer waren im Ziel, als wegen Nebels endgültig abgesagt wurde. Kurioserweise zum zweiten Mal an diesem Tag! Um 9.45 Uhr hatte für die Rennläufer die Inspektion begonnen, das Training wurde wegen Nebels dann aber erst mit 45 Minuten Verspätung um 13.15 Uhr gestartet. Nach 24 Läufern wurde wegen erneut in die Strecke gezogenen Nebels lange unterbrochen, ehe definitiv abgesagt wurde.

ÖSV-Coach Puelacher: "So etwas habe ich noch nie erlebt"
Viele der Athleten, so auch Kombinierer Marcel Hirscher, fuhren vom Berg ab und ins Tal. Doch kurze Zeit später wurde entschieden, das Training wieder aufzunehmen - und für die Läufer ging es wieder hoch zum Start auf der Corviglia. Doch auch der zweite Versuch musste um 16 Uhr endgültig abgebrochen werden. Dabei blieb es dann auch. Es gingen insgesamt nur 30 Athleten - 24 vor und 6 nach der eineinhalbstündigen Unterbrechung - über die Piste. Schnellster war der Oberösterreicher Vincent Kriechmayr. In der abendlichen Mannschaftsführersitzung (18 Uhr) wurde das weitere Vorgehen besprochen. Die Spezialabfahrt steht am Samstag auf dem Programm.

"So etwas habe ich noch nie erlebt. Die Jury hatte es heute schwer. Dass das Wetter so schnell wechselt, war unglücklich", sagte ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher. Kurz nach der ersten Absage war der Nebel verschwunden, obwohl dies nicht so vorhergesagt war. Die Wiederaufnahme des Trainings verteidigte Puelacher. "Wenn man die Möglichkeit hat zu trainieren, muss man trainieren."

Training wird am Freitag neu gestartet/nachgeholt
Das abgesagte Training ist nun für Freitag um 9.30 Uhr neu angesetzt worden. Gefahren wird nur bis zum Rominger-Sprung, da die Damen um 10 Uhr die Abfahrt zur Alpinen Kombination bestreiten. Beide Rennstrecken enden ja in einem Zielraum. Am Sonntag besteht für die Teilnehmer an der Herren-Kombination noch die Möglichkeit auf ein Abfahrtstraining. FIS-Chefrenndirektor Markus Waldner entschuldigte sich in der Mannschaftsführersitzung für die erste, verfrühte Absage des Trainings. "Vielleicht haben wir uns ein bisschen zu früh entschieden. Ich entschuldige mich, ich schätze aber die positive Einstellung von allen hier. Als wir dann den blauen Himmel sahen, musste eine Entscheidung gefällt werden." Startberechtigt sind am Freitag alle Athleten. Also auch jene 30, die am Donnerstag trainierten, stellte Waldner klar.

Das Ergebnis:
1. Vincent Kriechmayr (AUT) 1:40,31 Min.
2. Beat Feuz (SUI)                     +1,30 Sek.
3. Matthias Mayer (AUT)             +1,34
4. Erik Guay (CAN)                     +1,41
5. Romed Baumann (AUT)          +1,60
6. Carlo Janka (SUI)                    +1,71
7. Nils Mani (SUI)                       +1,74
8. Johan Clarey (FRA)                 +1,77
9. Kjetil Jansrud (NOR)                +1,79
10. Guillermo Fayed (FRA)            +1,80
11. Hannes Reichelt (AUT)          +1,86
12. Travis Ganong (USA)             +1,87
13. Peter Fill (ITA)                     +1,88
14. Patrick Küng (SUI)                +1,91
15. Jared Goldberg (USA)            +1,95
Weiters:
20. M. Osborne-Paradis (CAN)       +2,26
23. Max Franz (AUT)                     +2,42
26. Dominik Paris (ITA)                +2,59

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