So, 17. Dezember 2017

Gefängnispsychiater:

15.12.2016 14:47

Justizbeamter tötete Ex-Botschafter Aliyev

Neue und überaus schwerwiegende Vorwürfe rund um den Tod des kasachischen Ex-Botschafters Rakhat Aliyev in der Wiener Justizanstalt Josefstadt hat nun ein ehemaliger Gefängnispsychologe erhoben. Er verdächtigt einen Justizwachebeamten, für den Tod Aliyevs verantwortlich zu sein. Seitens der Justiz bezweifelt man das allerdings massiv, der Vorsitzende der Justizwachegewerkschaft spricht von "ungeheuerlichen Vorwürfen".

Wie der frühere Gefängnispsychiater Stefan Zechner im Ö1-"Frühjournal" erklärte, habe sich Aliyev vor seinem Tod zwar bedroht gefühlt, Anzeichen für eine seelische Erkrankung oder gar Selbstmordabsichten habe er bei dem ehemaligen Botschafter aber nicht beobachtet. "Ich habe damals bei der Polizei zu Protokoll gegeben, dass Selbstmord aus psychiatrisch-fachlicher Sicht auszuschließen ist", so Zechner.

"Hat ihn vor dem Ableben nicht mehr untersucht"
Im Justizministerium reagiert man erstaunt über die Aussage des Psychiaters. "In den zwei Wochen vor dem Ableben hat er Aliyev nicht mehr untersucht", so Sektionschef Christian Pilnacek im "Frühjournal". "Er hat ihn nur noch am Gang gesehen und ihn als fröhlich empfunden. Ich weiß nicht, ob das eine Diagnose ist."

Zechner jedenfalls ist überzeugt, dass der ehemalige kasachische Botschafter einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel, und schlägt damit in dieselbe Kerbe wie der deutsche Gutachter Bernd Brinkmann. Dieser hatte am Montag mit der Aussage aufhorchen lassen, dass Aliyev erst nach seinem Tod aufgehängt worden sei. Zuvor hätten sich zumindest zwei Täter Zugang zu seiner Zelle verschafft, sich auf den Brustkorb Aliyevs gesetzt, ihm Mund und Nase zugehalten und ihn so gewaltsam erstickt.

"Verdachtsmoment gegen Mitarbeiter der Justiz"
Und auch einen mutmaßlich Verdächtigen präsentierte Zechner im "Frühjournal": "Ich habe ein klares Verdachtsmoment gegen einen Mitarbeiter der Justiz geäußert", so der Psychiater. Das wird seitens der Justiz deutlich zurückgewiesen. Pilnacek: "Die Einvernahmen und Untersuchungen von Videoüberwachung und der Zellentür haben ergeben, dass Justizwachebeamte als Täter auszuschließen sind."

Vorwürfe "aus der Luft gegriffen"
Am Nachmittag meldete sich auch der Vorsitzende der Justizwachegewerkschaft, Albin Simma, zu Wort und wies die Vorwürfe Zechners scharf zurück. Diese seien "aus der Luft gegriffen", zudem sei der "Selbstmord des ehemaligen kasachischen Botschafters" einer der am besten untersuchten Todesfälle Österreichs.

"Die Justizwache ist an vollständiger Aufklärung interessiert. Dass aber Justizwachebeamte, die Tag für Tag und Nacht für Nacht schweren, unbedankten Dienst leisten, haltlosen und ungerechtfertigten Denunziationen ausgesetzt werden, ist auf das Schärfste zurückzuweisen", sagte Simma.

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