Fr, 15. Dezember 2017

"Krone"-Interview

23.12.2015 07:36

Genießt Lewis Hamilton einen Bonus, Herr Wolff?

Die Weihnachtsfeiertage verbringt Mercedes-Teamchef Toto Wolff mit seiner Familie in Wien Bevor sich der 43-jährige Investor aber dem "Stress daheim" widmet, genoss er mit einer kleinen Runde ein paar Stunden am Adventmarkt vor dem Schloss Schönbrunn Im großen Interview mit der "Krone" blickte Toto auf die so erfolgreiche Formel-1-Saison 2015 mit weiteren zwei WM-Titeln zurück, dachte schon an die Zukunft und verriet seine Wünsche für das kommende Jahr!

"Krone": 2015 war das erfolgreichste Jahr in der Mercedes-Geschichte. Zwei Formel-1-Kronen, DTM-, ADAC-, GT- und Formel-3-Titel bedeuten dem Motorsportchef?
Toto Wolff: Viel und wenig. In der Formel 1 konnten wir an die große Historie der 1950er-Jahre anschließen. Manchmal frage ich mich, ob man in 50 Jahren auch wieder von einer "goldenen Ära" sprechen wird? Jetzt, an den Feiertagen, ist Zeit zum Durchschnaufen, da können wir mit Recht behaupten, stolz auf unsere Arbeit zu sein. Weniger aber, weil die Erfolge von gestern nichts zählen, nur das Morgen wichtig ist.

"Krone": Es gab heuer so viele Höhepunkte, aber auch den einen oder anderen Tiefpunkt.
Wolff: Monaco war der emotionale Tiefpunkt. Wir haben bemerkt, dass unser System in mehreren Punkten versagt hat. Und ich war Teil dieses Systems. Aber wir haben uns an der Nase genommen, gewisse Dinge verändert, uns nicht aus der Bahn werfen lassen - wie auch nach Singapur, unserem sportlichen Tiefschlag.

"Krone": Was hat dich 2015 am meisten begeistert?
Wolff: Formel 1 auf dem Red-Bull-Ring ist für mich das Saison-Highlight.

"Krone": Independant-Motor, unterschiedliche Antriebssysteme. Es wird viel diskutiert. Wo siehst du die Zukunft?
Wolff: Der Independant-Motor ist kompletter Schwachsinn, nur ein paar ewig Gestrige diskutieren noch immer darüber. Wir fahren mit Hybrid auf der Straße und werden auch weiterhin so rennfahren. Die heutigen Motorenkonzepte sind die technologisch aufregendsten. Mit einem riesigen Anteil an Verbrennungsmotor und einem kleineren Anteil Hybrid.

"Krone": Aber etwas muss sich doch ändern. Die TV-Quoten gehen zurück, genauso die Besucherzahlen, Fans finden die jetzige Formel 1 zu teuer, zu technologisch, zu langweilig.
Wolff: Im Jänner werden wir ein Konzept präsentieren, das von der Architektur her auf dem jetzigen basiert, aber bei dem wir alle Dinge, die wir bisher falsch gemacht haben, richtigstellen. Die Formel 1 muss lauter, spannender werden, die Autos brauchen viel Leistung und einen höheren Topspeed.

"Krone": 2016 wird wieder zum Mercedes-Duell Lewis Hamilton gegen Nico Rosberg. Angst, dass das rivalisierende Verhältnis der beiden die Stimmung im Team vergiftet?
Wolff: Nein! Zuletzt gab's ein paar Vorfälle, worauf ich vorauseilend mit beiden Fahrern definiert habe, was wir 2016 haben wollen.

"Krone": Genießt Lewis einen WM-Bonus, und darf er weiterhin Party machen?
Wolff: Niemand hat einen Bonus. Die Leistung vom Vorjahr zählt nichts. Wir fangen alle bei null an. Und wenn Lewis seine Leistung nicht mehr bringen würde, wäre er der Erste, der etwas ändert.

"Krone": Dein Business ist das Investment. Wie würdest du die Wertsteigerung der Marke Mercedes-Benz seit deinem Engagement in der Formel-1 (am F1-Team hält Wolff 30 Prozent) erklären?
Wolff: Es war in jedem Fall ein solides Investment. Es geht besser, aber auch schlechter.

"Krone": Weihnachten verbringst du...
Wolff: ...mit meiner Familie, meinen Kindern in Wien. Natürlich ist es traurig, wenn man nicht so viel Zeit mit der Familie teilen kann, aber zum Glück gibt es so viele Menschen, die einen irren Aufwand betreiben, damit das Familienleben unter meinem Job nicht leidet.

"Krone": Deine drei Wünsche für das nächste Jahr lauten...
Wolff: ...Gesundheit, Zufriedenheit und dazu ein bisschen Glück.

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