Mo, 18. Dezember 2017

F1-GP in Sotschi

10.10.2014 12:42

Die "Formel Horror" wird nun zur "Formel Putin"

Der "Horror-Crash" von Jules Bianchi, der weiter auf der Intensivstation liegt, hält die Formel 1 noch im eisigen Würgegriff - und jetzt wird die Königsklasse zur "Formel Putin". Denn seit Freitag ist man an der Schwarzmeerküste in Sotschi zu Gast. Die Olympia-Region gleicht teilweise einer "Geisterstadt" mit Hollywood-Kulissen. Wie ein Vergnügungspark des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der die Formel 1 als nächste "Zirkus-Attraktion" geholt hat. Lewis Hamilton fuhr im freien Training Tagesbestzeit, doch alle dachten an Jules Bianchi.

Im Blickpunkt stand nach dem Horror-Crash vom letzten GP im freien Freitag-Training in Sotschi Marussia, der Rennstall des verunglückten Jules Bianchi. Aus Respekt vor dem Fahrer, der nach wie vor in kritischem, aber stabile, Zustand auf der Intensivstation liegt und dessen Geschwister am Freitag ebenfalls ins Spital nach Yokkaichi (Japan) zu den Eltern gestoßen waren, ließ man dessen fertig vorbereitetes Auto in der Garage. Es ging kein Ersatzfahrer auf die Rennstrecke. Alle waren in Gedanken bei Jules und dessen Familie am Krankenbett im Spital.

"Jules kämpft, wie er immer gekämpft hat"
Und viele rätselten, ob es ein schlechtes Zeichen sei, wenn sich die Familie und auch der beste Freund von Bianchi nun komplett am Krankenbett versammeln. Der Zustand des schwer verunglückten Formel-1-Piloten ist laut Angaben seines Vaters weiter kritisch. "Es gibt keine nennenswerte Veränderungen. Jeder weiß, dass er in einer kritischen Phase ist. Jules kämpft, wie er immer gekämpft hat, wie auf der Strecke. Er ist stark", sagte Philippe Bianchi.

Tagesbestzeit für Hamilton
Zum Sportlichen: Lewis Hamilton hat zum Auftakt des ersten Grand Prix der Formel-1-Geschichte in Russland Tagesbestzeit erzielt. Der WM-Spitzenreiter aus Großbritannien durchraste mit seinem Mercedes die 5,853 Kilometer lange Strecke im Olympiapark von Sotschi am Freitag als einziger unter 1:40 Minuten. Hamilton benötigte im zweiten freien Training nur 1:39,630 Minuten. Sein zehn Punkte zurückliegender WM-Verfolger und Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg, der in der ersten Session am Vormittag auf Platz eins gefahren war, war mit 0,912 Sekunden Rückstand Viertschnellster.

Mit einem Sieg eines der beiden Titelrivalen stünde Mercedes vorzeitig und zum ersten Mal als Konstrukteursweltmeister fest. Zwischen das Silberpfeil-Duo schoben sich am Freitag McLaren-Pilot Kevin Magnussen und Fernando Alonso im Ferrari. Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel kam bei der Rennpremiere im Red Bull nicht über Platz neun hinaus.

Wie ein Putin-Vergnügungspark
Apropos Rennpremiere: Wieder einmal ist die Formel 1 auf einem fragwürdigen GP-Kurs zu Gast. Putin hatte mit Sotschi ja schon die Olympischen Spiele geködert, nun die Formel 1. Die Szenerie in der ehemaligen Olympia-Region ist teilweise gespenstisch. Die wie Pilze aus dem Boden geschossenen Hotels stehen großteils leer, wirken wie eine Film-Kulisse eines Hollywood-Streifens. Leere Gondeln fahren pausenlos in der Alpin-Destination Krasnaja Polyana den Berg rauf und runter. Geschäfte haben längst geschlossen. Aber zumindest für ein Wochenende bringt die Formel 1 jetzt in die Stadt Sotschi wieder Schwung. 55.000 Fans und knapp 30.000 Polizisten inklusive Scharfschützen werden beim Grand-Prix erwartet. Willkommen in der "Formel Putin"...

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