Mo, 20. November 2017

Extreme Regenfälle

04.08.2014 12:11

Unwetter sorgen erneut für Muren und Überflutungen

Unwetter mit Murenabgängen und Überflutungen stehen in Österreich derzeit beinahe an der Tagesordnung. Nach den extremen Regenfällen vor rund einer Woche ergoss sich in der Nacht auf Montag erneut sintflutartiger Regen über weite Teile Niederöstereichs, Salzburgs, der Steiermark, Oberösterreichs sowie Tirols.

Die Unwetter in Niederösterreich haben am Sonntagabend einmal mehr für massive Schäden und eine Vielzahl von Feuerwehreinsätzen gesorgt. Insbesondere betroffen waren Gemeinden in den Bezirken Lilienfeld, Gänserndorf und Baden. "130 Feuerwehren mit etwa 850 Mitgliedern waren aufgeboten", berichtete Franz Resperger vom Landeskommando.

Abstimmung in der Infobox: Unwetter so schlimm wie noch nie?

In der Gemeinde Ramsau im Bezirk Lilienfeld wurde eine Brücke weggerissen. Die überflutete Gemeindestraße war mehrere Stunden nicht passierbar. Ein Einsatzfahrzeug der FF Ramsau wurde von einer Welle überrascht, die aufgrund des Rückstaus aus dem Ramsaubach auf die Straße geschwappt war, und samt Insassen eingeschlossen. Kameraden der Feuerwehr Wiesenfeld und Traisen mussten zur Rettung anrücken.

"Durch die ganze Ortschaft ist ein Bach geflossen"
Eine Mure, die hinter einem Haus abgegangen war, wurde mit Ableitungen und Pfostenverbauten gestoppt. Ein kleiner Bach, der binnen weniger Minuten überdimensional angestiegen war, schnitt ein Wohnobjekt von der Außenwelt ab. Außerdem wurden mehrere Keller teilweise bis zur Decke überflutet. Die Aufräumarbeiten werden laut Feuerwehr noch Tage dauern, der entstandene Schaden sei noch nicht zu beziffern.

Im Bezirk Gänserndorf wurde laut Resperger vor allem die Gemeinde Prottes von heftigen Niederschlägen heimgesucht. "Durch die ganze Ortschaft ist ein Bach geflossen, der eine Spur der Verwüstung hinterlassen hat", sagte Bezirksfeuerwehrkommandant Georg Schicker gegenüber dem ORF.

In der Gemeinde Wienerwald im Bezirk Mödling verursachte ein schweres Unwetter am Sonntagabend einen Stromausfall. Feuerwehren mussten in einigen Häusern mit Aggregaten und Lichtflutern aushelfen, um die Aufräumarbeiten zu erleichtern, berichtete das Bezirkskommando.

Bis zu 94 Liter Regen pro Quadratmeter in Salzburg
Gewitter mit heftigen Regenschauern sorgten in der Nacht auf Montag auch im Bundesland Salzburg für zahlreichen kleinräumigen Überschwemmungen, vor allem im Flachgau und im Tennengau. Insgesamt rückten 745 Feuerwehrleute zu 139 Einsätzen aus, wobei die Einsatz-Schwerpunkte in Berndorf, Seeham und Nußdorf im nördlichen Flachgau lagen, informierte ein Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos.

Die registrierten Niederschlagsmengen sind beachtlich, sagte Meteorologe Christian Ortner: In Mattsee im Flachgau wurden in der Nacht 94 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen, davon alleine 80 Liter im Zeitraum von 21 Uhr bis Mitternacht. Ähnlich war es in Teilen der Stadt Salzburg: Die Messstelle Freisaal meldete 81 Liter Niederschlag, die nur wenige Kilometer entfernte Stelle beim Flughafen hingegen nur 26 Liter. "Das zeigt ganz deutlich, dass es zwar auch großflächig viel geregnet hat, aber sehr heftige Zellen eingelagert waren."

Lokale Überflutungen in der Steiermark
Ein heftiges lokales Unwetter mit Starkregen und Hagel hielt am Sonntagabend im Gemeindegebiet von Deutschfeistritz die Feuerwehren auf Trab. Muren machten Straßen vorübergehend unpassierbar, ein Fahrstreifen der A9 Pyhrnautobahn musste wegen Überflutung gesperrt werden.

Wie die Feuerwehr mitteilte, war die Übelbacher Landesstraße L385 überschwemmt, außerdem gingen dort einige Geröll- und Schlammlawinen ab, welche die Straße für zwei Stunden blockierten. Im Feistergraben verlegte eine Gerölllawine die Gemeindestraße. Im Ortsgebiet von Deutschfeistritz standen einige Keller unter Wasser, eine Baumschule wurde bis zu einem halben Meter überflutet.

Campingplatz in Oberösterreich evakuiert
Nach heftigen Gewittern mit starken Niederschlägen innerhalb kurzer Zeit rückten die oberösterreichischen Freiwilligen Feuerwehren in der Nacht auf Montag zu über 250 Einsätzen aus. Betroffen waren vor allem der Süden und der Westen des Bundeslandes, aber auch der Zentralraum. Aufgrund des ergiebigen Regens musste ein Campingplatz in Perwang teilweise evakuiert werden.

In der Stadt Bad Ischl rückte die Feuerwehr zum Auspumpen von überfluteten Kellern und Tiefgaragen aus. Kurzfristig fiel sogar der Strom aus. Mitarbeiter des Ischler Wirtschaftshofes mussten zahlreiche Straßen und Wege sperren, weil sie überschwemmt waren. Einige wurden auch beschädigt. Ähnliche Einsätze wurden aus dem Innviertel und dem Bezirk Linz-Land gemeldet.

Murenabgänge in Tirol
Starke Regenfälle zogen am Sonntag in Tirol mehrere Hangrutsche und Vermurungen nach sich. Laut Polizei ließen in Kirchberg Regenfälle in kurzer Zeit den "Kobinger" und den "Kerzinger" Bach über die Ufer treten. Dadurch wurde eine Landesstraße auf einer Länge von rund 300 Metern mit Schlamm, Steinen und Baumstämmen vermurt. Auch die Talstation der "Ki West"-Gondelbahn war betroffen.

Weiterhin wechselhaftes Wetter mit Regenschauern
Nachdem sich das Wetter in der Nacht auf Montag beruhigt hatte, konnten Montag früh die Aufräumarbeiten beginnen. Doch auch für die kommenden Tage sind Gewitter und Regenschauer bzw. allgemein sehr wechselhaftes Wetter prognostiziert (siehe Infobox). Daher bleibt in den bereits in Mitleidenschaft gezogenen Teilen Österreichs die Lage weiterhin angespannt.

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