Mi, 13. Dezember 2017

Welle der Empörung

18.12.2013 20:04

Schock-Video von Flüchtlingen auf Lampedusa

Keine drei Monate nach der Flüchtlingstragödie vor Lampedusa mit Hunderten Toten hat nun erneut eine Meldung von der italienischen Mittelmeerinsel eine Welle der Empörung in Europa ausgelöst: Im TV ausgestrahltes Videomaterial zeigt, wie sich Migranten in einem Aufnahmezentrum reihenweise im Freien nackt an einer Wand aufstellen müssen - um dann in der winterlichen Kälte aus hygienischen Gründen mit einem Mittel gegen Krätze abgespritzt zu werden. Die Bürgermeisterin der Insel sprach von "KZ-ähnlichen" Zuständen.

"Man behandelt uns wie Tiere", kommentierte ein syrischer Jugendlicher, der vor wenigen Tagen mit seinem Handy die Szene aufgenommen hatte, die Behandlung der Flüchtlinge gegenüber dem italienischen TV-Sender RAI. Jeden dritten Tag seien die Flüchtlinge - sowohl Männer als auch Frauen - gezwungen, sich nackt desinfizieren zu lassen, so der Vorwurf.

"Das sind Bilder, die an Konzentrationslager erinnern, und die in uns allen Wut und Scham auslösen sollten. Vor allem wenn man bedenkt, dass erst zweieinhalb Monate seit der Flüchtlingstragödie vor Lampedusa mit über 360 Toten vergangen sind", brachte die Bürgermeisterin der Insel, Giusi Nicolini, ihr Entsetzen ob der auf den Videoaufnahmen gezeigten Behandlung der Menschen zum Ausdruck.

Verantwortliche wehren sich: "Das ist kein Lager"
"Das ist kein Lager, wir halten uns an Gesundheitsvorschriften", wehrte sich unterdessen der Verantwortliche des Aufnahmezentrums, Cono Galipo, im "Corriere della Sera". Eine Desinfizierung drinnen berge Risiken für alle. Das Personal arbeite Tag und Nacht, und man werde ihm nicht gerecht, wenn man es wegen der Video-Bilder an den Pranger stelle. Die permanente Überfüllung des Zentrums sei unhaltbar, das Personal könne trotz aller Bemühungen nur unzulänglich helfen, will auch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR die Schuld nicht alleine bei den Verantwortlichen vor Ort erkennen.

"Ihre 'Schuld' besteht darin, sich die Krätze zugezogen zu haben", schoss sich am Mittwoch hingegen auch die rechtsliberale Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" auf die Verantwortlichen des Zentrums ein. Diese respektlose Behandlung der Flüchtlinge sei erniedrigend wie in einem der berüchtigten "Lager". Von einer Schande sprach die italienische Bischofskonferenz.

EU-Kommissarin: "Erschreckend und inakzeptabel"
Auch Brüssel reagierte am Mittwoch entsetzt auf die Aufnahmen und verurteilte die Zustände in dem Flüchtlingslager. "Die Bilder, die wir aus dem Internierungslager gesehen haben, sind erschreckend und inakzeptabel", teilte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström mit. "Wir werden nicht zögern, (gegen das Land) ein Vertragsverletzungsverfahren zu beginnen, um sicherzustellen, dass EU-Standards und Verpflichtungen voll respektiert werden", stellte sie Rom die Rute ins Fenster.

Italiens Regierungschef Enrico Letta, der diese "schlimmen Bilder" von Lampedusa ebenfalls anprangerte, versicherte, umgehend klären zu lassen, wer für das Vorgehen verantwortlich ist. Fehlverhalten werde bestraft, kündigte sein Innenminister Angelino Alfano an. Rom und Brüssel schieben sich schon seit Längerem gegenseitig den Schwarzen Peter zu, was die Schuld an der Flüchtlingsmisere an den Grenzen des südlichen EU-Landes betrifft.

Insel wird immer wieder von Flüchtlingswellen überrollt
Missstände in dem zumeist überfüllten Aufnahmelager auf der kleinen Insel zwischen Tunesien und Italien hatten bereits mehrfach für negative Schlagzeilen gesorgt. Massive Flüchtlingswellen aus Afrika und dem Nahen Osten sorgen immer wieder für Chaos auf der Insel, oftmals sind 1.000 oder mehr Migranten in dem Zentrum untergebracht, das eigentlich nur als Übergangsunterkunft für 250 Menschen Platz bietet.

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