Do, 14. Dezember 2017

Mordversuch an Jäger

18.09.2013 12:48

Wilderer war gewalttägig - Cobra wusste Bescheid

Wer war Alois Huber, jener niederösterreichische Transportunternehmer, der am Dienstag in Annaberg und Großpriel ein beispielloses Blutbad anrichtete und schließlich in einem Bunker in seinem Bauernhof starb? Bei der Exekutive wusste man vor dem Massaker, dass jener Mann, der jahrelang wegen Wilderei gesucht worden war, schon vor zwei Jahren einen Mordversuch unternommen hatte - ohne freilich über die Identität des 55-Jährigen Bescheid zu wissen. Auch erste Untersuchungsergebnisse im Haus des Täters lassen darauf schließen, dass der Mann ein kriminelles Vorleben hatte.

In der Nacht auf Dienstag habe man jenen Mann, der in der niederösterreichisch-steirischen Grenzregion seit Jahren sein Unwesen als Wilderer trieb, endgültig dingfest machen wollen, sagte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Konrad Kogler, am Mittwoch im Ö1-"Morgenjournal". Dass der Mann gewalttätig sei, habe man gewusst. Im Oktober 2011 habe ihn ein Jäger auf frischer Tat ertappt. Der Wilderer habe damals versucht, den Jäger mit einem Messer zu töten. Das Opfer konnte sich in Sicherheit bringen und überlebte leicht verletzt.

Der Vorfall, der sich im Bezirk Melk ereignete, wird auch von der Staatsanwaltschaft St. Pölten bestätigt. Die Ermittlungen wurden damals wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung geführt, der Täter konnte nicht ausgeforscht werden. Laut einer Sprecherin rechnet man die damalige Messerattacke nun dem Amokläufer vom Dienstag zu.

"Täter war von Beginn an absolut gewaltbereit"
Aufgrund dieser Vorgeschichte war bei dem nächtlichen Einsatz, der in einem Blutbad endete, die Cobra vor Ort, erklärte Kogler. Dass der Wilderer sofort seine Waffe einsetzen würde, wodurch schließlich drei Polizisten und ein Sanitäter ums Leben kamen, sei nicht zu erwarten gewesen. "Von Beginn an ist der Täter mit absoluter Gewaltbereitschaft vorgegangen."

"Es ist ein außergewöhnlicher Fall" wie es ihn in der Zweiten Republik noch nicht gegeben habe, so Kogler weiter. Der Umstand, dass der 55-Jährige nach Abgabe der ersten Schüsse am Tatort zuwartete, sei "sehr, sehr untypisch". Mehrere Polizisten hätten sich vor Ort um ihren angeschossenen Kollegen gekümmert und ihn aus dem Gefahrenbereich hinter ein Fahrzeug gebracht. Der angeforderte Rettungswagen hätte eine zusätzliche Sicherheitsbarriere bilden sollen. Doch bereits als die Sanitäter auf den Ort des Geschehens zufuhren, habe der Täter gezielt auf den Fahrer gefeuert.

"Mehrere Situationen gleichzeitig zu bewältigen"
Durch die tödliche Schießerei in Annaberg, die anschließende Flucht des Täters, den Überfall auf die Polizeistreife und die Geiselnahme eines Polizisten hätten die Sicherheitskräfte "mehrere Situationen gleichzeitig zu bewältigen" gehabt. Vor allem über die zweite Schießerei, bei der Huber einen weiteren Polizisten tötete und dessen Kollegen als Geisel nahm, wisse man noch recht wenig, zumal das Drama für alle drei Beteiligten - die beiden Beamten und den Amokläufer - tödlich endete.

Kogler lobte den Kontakt zu den Medien, die zunächst darum gebeten wurden, sehr zurückhaltend mit Informationen umzugehen, um das Leben der Geisel nicht zu gefährden. Ziel der Maßnahme sei es gewesen, dem Täter den Wissensstand der Polizei nicht zukommen zu lassen. Der Generaldirektor kündigte ein Evaluierungsverfahren an, um "mit derart außergewöhnlichen Fällen umgehen zu lernen. Wir werden uns diesen Fall im Detail ansehen und die entsprechenden Lehren daraus ziehen".

Ermittler fanden Waffen im "dreistelligen Bereich"
Im Bauernhof des Amokläufers in Großpriel laufen unterdessen die Untersuchungen weiter. Laut Polizei wurden Gegenstände sichergestellt, "die auf vorangegangene Straftaten schließen lassen", wie zum Beispiel gestohlene Kennzeichen.

Weitaus schockierender ist allerdings die Entdeckung eines umfangreichen Waffenarsenals im Geheimbunker des 55-Jährigen. So habe man Waffen gefunden, deren Anzahl im dreistelligen Bereich liege, wie der stellvertretende Kommandant der Cobra, Oberst Walter Weninger, Mittwochmittag in einem ORF-Interview berichtete.

Gute Nachrichten gab es Mittwochmittag zum Gesundheitszustand jenes Polizisten, der am Dienstag verletzt worden war. Der Mann befinde sich auf dem Weg der Besserung, sagte Polizeisprecher Johann Baumschlager. Der Mann habe das Krankenhaus mittlerweile verlassen können, werde jedoch weiterhin psychologisch betreut.

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