Mi, 22. November 2017

„Animal Hoarding“

19.01.2012 15:10

„Krone Tierecke“ befreit zahlreiche verwahrloste Tiere

Sie sind meist weiblich, älter, alleinstehend und betrachten sich selbst als Tierschützer: "Animal Hoarder", zu Deutsch Tierhorter, die lebende Tiere krankhaft sammeln und in weiterer Folge vollkommen verwahrlosen lassen. Animal Hoarding ist eine psychische Störung, unter der die betroffenen Tiere wohl am allermeisten zu leiden haben. Maggie Entenfellner wurde nun im Burgenland bei einem ganz besonders schweren Fall zu Hilfe gerufen – dort wurden in den vergangenen Monaten nach und nach knapp 40 verwahrloste Hunde aus katastrophaler Haltung befreit. Jetzt konnten auch noch mehrere Papageien aus dem Haus gerettet werden.

Als "Krone"-Tierlady Maggie Entenfellner gemeinsam mit Tierärztin Gabriela Wagner, Amtstierarzt Peter Karall und Nadja Ziegler von der ARGE Papageienschutz bei dem Grundstück einer Animal Hoarderin im Burgenland (Name der Redaktion bekannt) eintrifft, schlägt ihnen ein grauenhafter Gestank entgegen. Hier hält eine offenbar psychisch kranke Frau 14 Hunde und 13 Vögel unter katastrophalen Umständen. Sie ist eine sogenannte Tierhorterin und somit unfähig, die Missstände zu erkennen und zu beseitigen.

Fast 40 Hunde hat man in der Vergangenheit bereits aus dem Haus befreit. Sie alle waren unterernährt und "irrsinnig verdreckt", wie Tierärztin Gabriela Wagner erzählt. Auch Nadja Ziegler, Tierschutzombudsmann-Vertreterin und Gründerin der ARGE Papageienschutz, ist schockiert über den Zustand der Hunde: "Die Tiere wurden in ihrem eigenen Kot gehalten. Irgendwann haben sie sich sogar durch die Türe gefressen, also kann man sich vorstellen, was die da drinnen erlebt haben." Die Halterin zeigt sich weiterhin uneinsichtig, obwohl ihr in der Vergangenheit immer wieder Tiere weggenommen worden sind. Danach wechselte sie jedes Mal ihren Wohnsitz, nun hat sie angekündigt, nach Ungarn ziehen zu wollen.

Neben Hunden auch Papageien gehortet
Ihre krankhafte Sammelleidenschaft konzentriert sich jedoch nicht nur auf Hunde, sondern auch auf Papageien. Auch diese mussten bei ihr unsagbares Leid ertragen. Nadja Ziegler berichtet von insgesamt 13 Vögeln, die unter verheerenden Bedingungen ihr Dasein fristeten. "Sie sind auf zehn bis 20 Zentimetern Kot, vermischt mit Futterresten, gesessen", so die geschockte Tierschützerin. "Die Käfige waren viel zu klein. Beim Fangen habe ich gemerkt, dass sie sehr mager sind. Einige der Vögel haben auch Verletzungen." Die Tiere wurden zur Behandlung umgehend in die Veterinärmedizinische Universitätsklinik gebracht.

Amtstierarzt: "Keine Gefahr im Verzug" für Hunde
Das Unglaubliche: Trotz allem darf die Animal Hoarderin 14 Hunde behalten! Der zuständige Amtstierarzt Peter Karall sieht keine rechtlichen Möglichkeiten, die Tiere mitzunehmen: "Sie sind alle gut genährt. Es sind natürlich die hygienischen Verhältnisse nicht die besten, aber ein Grund für eine Abnahme besteht insofern nicht, weil keine Gefahr im Verzug ist für die Gesundheit der Hunde." Maggie Entenfellner wollte sich damit nicht abfinden und kontaktierte Martin Huber von der Bezirkshauptmannschaft Neusiedl am See. Nach Durchsicht der schockierenden Bilder vom Hof sagte er zu, dass auch die restlichen Vierbeiner befreit werden sollen. Zudem muss die Tierhorterin regelmäßigen Kontrollen zustimmen.

Kärnten: Pensionistin mit Tierhaltung komplett überfordert
Auch in anderen Bundesländern werden immer wieder Fälle von Animal Hoarding aufgedeckt, so auch kürzlich in Kärnten, wo zahlreiche Tiere aus dem Haus einer Tierhorterin befreit wurden. Die schrecklichen Zustände scheinen niemandem aufgefallen zu sein, bis die 77-Jährige ins Krankenhaus musste und ihre erschütternden Lebensumstände bekannt wurden. Die Räume waren komplett verdreckt. Hunde lebten in ihrem eigenen Kot und Urin, eine Hündin gebar dort ihre Welpen. Zwei Vierbeiner waren unter Obststeigen eingesperrt und im Keller hauste eine alte Ziege, die nur noch eingeschläfert werden konnte. Die Tierrettung Villach hat die Hunde befreit und aufgenommen.

Traurige Tatsache: Niemand kann die Betroffenen zu einer Therapie zwingen, die Leidtragenden sind die Tiere. Maggie Entenfellner appelliert an die Mithilfe jedes Tierfreundes: "Nur wenn man aufmerksam ist und beobachtet, wie andere mit ihren Tieren umgehen, kann man einschreiten. Schlechte Haltung muss gemeldet werden!"

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