So, 19. November 2017

Studie aus NÖ

14.07.2011 16:59

Wälder speichern deutlich mehr CO2 als angenommen

Der Wald ist ein deutlich größerer CO2-Speicher als bisher angenommen. Weltweit schlucken die Wälder rund 2,4 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr, das entspricht 8,8 Milliarden Tonnen CO2. Zwischen 1990 und 2007 war das in Summe rund ein Drittel des Kohlenstoffs, der in dieser Zeit durch die Verwendung fossiler Brennstoffe freigesetzt wurde, wie eine in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science" veröffentlichte Studie zeigt.

"Die Wälder sind damit praktisch für die gesamte terrestrische Kohlenstoff-Speicherung verantwortlich", erklärte einer der Autoren, Anatoly Shvidenko, vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (NÖ).

Andere Landschaften und Landnutzungsformen wie landwirtschaftliche Flächen, Grasland oder Tundra spielen auf globaler Ebene keine Rolle als CO2-Speicher beziehungsweise seien bestenfalls CO2-neutral, indem sie ebenso viel Kohlenstoff aufnehmen wie sie abgeben.

Wälder als globale "CO2-Staubsauger"
Die bedeutende Rolle der Wälder als globale "Staubsauger" des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 war schon lange klar, die neuen Daten würden aber deren überragende Bedeutung als terrestrische CO2-Senke belegen, heißt es seitens des IIASA. Die bisherigen Schätzungen stammten aus 1994 und waren deutlich ungenauer als die aktuellen Berechnungen, die neueste Daten und Methoden berücksichtigten, sagte Shvidenko. Derzeit sind in weltweit knapp vier Milliarden Hektar Wald mehr als 860 MilliardenTonnen Kohlenstoff gespeichert, der Großteil davon im Boden und in der lebenden Biomasse.

Die - vom Menschen noch unbeeinflussten - tropischen Regenwälder zeichnen für die Aufnahme von mehr als einer Milliarde Tonnen Kohlenstoff pro Jahr verantwortlich. Der boreale Nadelwald in den nördlichen Zonen, primär in Kanada und Russland, schluckt 500 Millionen Tonnen pro Jahr, während die Wälder in den gemäßigten Zonen jährlich rund 780 MillionenTonnen Kohlenstoff speichern.

Gravierender Schaden durch Abholzung
Die Studie zeigte auch die gravierenden Effekte der Entwaldung: Durch Abholzung würden jährlich 2,9 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt. Höher als erwartet ist dagegen der positive Effekt von Wiederaufforstungen, speziell bei den tropischen Regenwäldern.

"All das illustriert deutlich wie notwendig es ist, die Abholzung der Regenwälder zu reduzieren und damit die Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre zu limitieren", wird der Hauptautor der Studie, Yude Pan, vom US Forest Service in der IIASA-Aussendung zitiert.

CO2 auch im Permafrostboden
Doch auch in den Wäldern des Nordens lauern Gefahren. Viele dieser Wälder würden nicht nachhaltig bewirtschaftet und Schätzungen gehen davon aus, dass in den hohen nördlichen Breiten alleine 500 bis 900 Milliarden Tonnen Kohlenstoff im Permafrostboden gespeichert sind, so Shvidenko. Das Auftauen dieser Böden oder mehr Waldbrände durch die Klimaerwärmung könnten große Mengen an Kohlenstoff in dieser Region freisetzen.

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