Mo, 20. November 2017

Mächtiger Beifall

02.10.2010 13:27

Mit „Lobgesang“ in die neue Saison: Tonkünstler top!

Mit der Uraufführung eines symphonischen Werks von Gerald Resch und Felix Mendelssohn-Bartholdys "Lobgesang"-Symphonie hat das in Topform aufspielende Tonkünstler-Orchester Niederösterreich am Freitagabend im Wiener Musikverein die Konzertsaison 2010/11 aufgenommen. Die Musiker um Chefdirigent Andres Orozco-Estrada und ein erlesenes Solistentrio - Christiane Oelze, Simona Saturova und Ian Bostridge - wurden mit viel Beifall bedacht.

"Ein Stück, bei dem man immer ein bisschen auf der Stuhlkante sitzt und sich fragt: Wie geht's weiter?" - So charakterisiert der 35-jährige, aus Oberösterreich stammende, Komponist Gerald Resch durchaus zutreffend seine "Cantus firmus"-Symphonie, entstanden als Auftragswerk des Festspielhauses St. Pölten.

Schon der Titel wie auch die Namen der drei ineinander verwobenen Sätze - Corale e Passacaglia, Quasi una Sonata, Arie e Finale - nehmen Bezug auf klassische und kontrapunktische Tradition, was auch im musikalischen Gestus nachvollziehbar wird. Die Tonsprache weitab neoklassizistischer Praxis oder plumper Zitierfreudigkeit wirkt allerdings völlig eigenständig, assoziative Anklänge tauchen nur wie durch Nebelschleier auf.

Resch leistet sich den Luxus eines Chors, der zu Beginn gerade einmal 40 Sekunden lang zum Einsatz kommt - und dann erst wieder zum sphärischen Verklingen am Schluss. Der Text aus den Psalmen verweist bereits auf den beabsichtigten Kontext mit Mendelssohns "Lobgesang", die dichte Faktur hingegen auf die verschränkte Anwendung historischer Gestaltungsprinzipien wie Variation und Sonatensatzform, was sich beim ersten Hören nicht unmittelbar erschließen mag. Durch dramaturgische Abwechslung und instrumentations-technische Finessen kommt das Werk jedoch auch ohne formale Entschlüsselung effektvoll an.

Mit beträchtlichem Animo werfen sich Orozco-Estrada und die Tonkünstler nach der Pause in die opulente "Lobgesang"-Symphonie. Der von Johannes Hiemetsberger in gewohnter Qualität einstudierte Chorus sine nomine trägt seinen Teil zur prallen Klangfülle bei, die Damen Oelze und Saturova sowie der noble Bostridge setzen solistische Glanzlichter.

von Ewald Baringer/APA

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