Mo, 20. November 2017

Happy End für Affen

21.12.2009 15:18

HIV-Schimpansen dürfen nun doch in Gänserndorf bleiben

Happy End für die Baxter-Laboraffen: Seit dem Konkurs des Safariparks Gänserndorf im Jahr 2004 wurde für die Versuchstiere nach einem neuen "Altersruhesitz" gesucht. Nun gibt es endlich eine Lösung für die 44 übriggebliebenen Schimpansen und Kleinaffen: Für die Tiere werden in Gänserndorf neue Gehege gebaut, ihre Versorgung übernimmt das Salzburger Gut Aiderbichl. Das wurde am Montag bekannt gegeben.

Bereits seit 1996 wird über die Zukunft der Tiere immer wieder diskutiert: Damals erwarb Baxter die Immuno AG und damit auch deren Affen, die für die Erforschung von HIV- und Hepatitis-Behandlungen herangezogen worden waren. Der Pharmakonzern stellte die Tests sofort ein und suchte nach einem Versorgungsplatz für die Labortiere. Gefunden wurde dieser zunächst im Safaripark Gänserndorf, der 2002 die rund 130 verbliebenen Tiere übernahm. Mit dem Konkurs des Zoos musste die Suche nach einer Lösung erneut begonnen werden.

Der nun abgeschlossene Vertrag zwischen dem Gut Aiderbichl, dem Gesundheitsministerium, dem Land Niederösterreich sowie Baxter sieht acht bis zehn neue Anlagen mit Freigehege im bestehenden Areal des Safariparks Gänserndorf vor. Gebaut wird auf dem 5,5 Hektar großen Grundstück, auf dem die Tiere bereits jetzt leben. Im Juli 2010 sollen laut Aiderbichl-Betreiber Michael Aufhauser die ersten der 40 noch lebenden Schimpansen sowie drei Rhesusaffen und ein Schweinsaffe umziehen. Bis Ende 2011 ist der Abschluss der Sanierungen geplant. Alle jetzigen Betreuer der Tiere werden in Gänserndorf für das Gut Aiderbichl weiterarbeiten, so Aufhauser. Ihre Verträge seien zu den jetzigen Konditionen übernommen worden.

"Schimpansen sind keine Tiere"
"Schimpansen sind keine Tiere, sie sind zu 98,7 Prozent wie wir Menschen", betonte Aufhauser. "Beim Blick in die Augen einer Schimpansin ist mir bewusst geworden, was wir mit der Welt gemacht haben", meinte er zu der Entscheidung, die Affen zu übernehmen, die nach seinem ersten Besuch in Gänserndorf gefallen sei. Sein Ziel ist es, ein Primaten-Refugium zu schaffen, um auch bei anderen Härtefällen zu helfen. Geplant seien ein Fonds und Maßnahmen, um auf das Problem der vom Aussterben bedrohten Schimpansen aufmerksam zu machen. Weiters werde das Jane Goodall Institut fachliche Unterstützung leisten.

Der Pharmakonzern Baxter "wird sich auch in Zukunft verpflichtet fühlen und finanzielle Unterstützung leisten", so Unternehmensvorstand Markus Reinhard. Die Zukunft der Affen sei eine ethische und moralische Verpflichtung, in die man bisher 9,2 Millionen Euro investiert habe. Nach dem Konkurs des Zoos flossen laut Reinhard bis zu 50.000 Euro pro Monat an den Masseverwalter für die Versorgung der Tiere. Künftig will der Pharmakonzern einen Großteil der 800.000 Euro, die für die jährliche Versorgung der Schimpansen notwendig sind, zur Verfügung stellen. Auch das Land Niederösterreich beteiligt sich an den Kosten. Die Hälfte dieser Summe wird allein für das Personal benötigt.

Affen wurde Verhütungs-Chip eingepflanzt
Die jüngsten drei Schimpansen sind erst zwei bis drei Jahre alt und wurden in Gänserndorf geboren. Um die Fortpflanzung der teilweise kranken Tiere künftig zu verhindern, wurde den Affen laut Aufhauser ein Verhütungs-Chip eingepflanzt. Sieben bis acht der noch lebenden Tiere sind durch die Laborverwendung mit HIV infiziert. Sie tragen das Virus in sich, von ihnen gehe aber keine Ansteckungsgefahr aus, betonte Aufhauser, der die Bedrohung eher in der Körperkraft der Tiere sieht - sie sind fünfmal so stark wie ein Mensch. "Ein Schimpanse darf dort nie auskommen. Das ist genauso gefährlich wie wenn ein Tiger ausbricht."

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