Fr, 27. April 2018

Wirbel in Venezuela

18.01.2018 06:55

Streit um Leiche von „Staatsfeind Nummer 1“

In Venezuela ist ein Streit um die Leiche des von der Polizei getöteten „Staatsfeindes Nummer 1“ entbrannt. Die Leichenhalle, in der sich der Körper des aufständischen Hubschrauberpiloten Oscar Perez befindet, wurde von Dutzenden Soldaten abgesperrt. Der Oppositionsabgeordnete und Mediziner Winston Flores, Leiter eines Parlamentsausschusses zur Untersuchung von Perez' Tod, sprach am Mittwoch von einer außergerichtlichen Exekution des früheren Polizeibeamten.

Perez und sechs weitere Regierungsgegner waren am Dienstag bei einem Polizeieinsatz in Caracas erschossen worden. Während des Einsatzes hatte Perez per Live-Video im Internet berichtet, er und seine Gruppe wollten sich ergeben, würden jedoch von Scharfschützen beschossen. Dies weckt Zweifel an der Darstellung der Regierung, wonach die Männer getötet wurden, nachdem sie das Feuer auf Polizisten eröffnet hatten.

Perez' Witwe will Leiche identifizieren und Verbrennung verhindern
Nach Flores' Worten verweigern die Behörden nun die Herausgabe der Leiche oder eines Obduktionsberichts mit der Begründung, ein Militärgericht habe die Freigabe abgelehnt. Perez' Witwe Dana Vivas forderte die Regierung auf, ihr zu erlauben, die Leiche ihres Mannes zu identifizieren. Auch dürfe diese nicht verbrannt werden.

Vom Polizisten zum "Staatsfeind Nummer 1"
Perez wurde in Venezuela zunächst als Schauspieler und Mitglied einer Polizei-Eliteeinheit bekannt. Berühmtheit erlangte er, als er im vergangenen Juni auf dem Höhepunkt der Proteste gegen Präsident Nicolas Maduro von einem gestohlenen Polizeihubschrauber aus Granaten über dem Sitz des Obersten Gericht abwarf. Maduro sprach daraufhin von einem Umsturzversuch.

Seither lebte Perez im Untergrund und meldete sich immer wieder über Online-Netzwerke kritisch zu Wort. Er galt als meistgesuchter Mann Venezuelas. In seinem letzten Video rief er die Venezolaner auf, nicht aufzugeben und weiter gegen Maduro auf die Straße zu gehen.

Wirschaftskrise trotz reicher Ölvorkommen
Venezuela befindet sich trotz reicher Erdölvorkommen in einer tiefen Wirtschaftskrise, die zu schweren Versorgungsengpässen geführt hat. Die Opposition macht die Regierung des linksnationalistischen Präsidenten Maduro dafür verantwortlich.

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