Das freie Wort

„Was bringt Kickl die Provokation?“

Redakteur Claus Pándi äußert den Verdacht, Herbert Kickl tue nur so, als ob er Kanzler werden wolle. In Wirklichkeit wolle er das gar nicht, so Pándi. Ein Verdacht, der gar nicht so abwegig und beim gewieften Taktiker Herbert Kickl durchaus berechtigt ist. Seine FPÖ ist in der Opposition am stärksten. Kein Parteivorsitzender versteht es besser, die Unzufriedenheit der Bürger so direkt für die eigenen Zwecke zu nutzen. Er zeigt schonungslos auf, wo er Schwachstellen, Versäumnisse und Machtmissbrauch der alten Systemparteien sieht. Mit seiner ihm eigenen aggressiven Sprache heizt er die Stimmung im Land auf und kündigt an, das zu ändern und reinen Tisch zu machen. Mit ihm als Volkskanzler werde das alles nicht mehr möglich sein, so seine Worte. Mit dieser Politik fährt er die Stimmen von unzufriedenen, enttäuschten und an einfachen Lösungen interessierten Wählern ein. Sein Erfolg beruht auf dem Umstand, dass er große Reformen und Veränderungen ankündigt, jedoch nicht sagt, mit wem er diese Vorhaben umsetzen will. Selbst ein Wahlsieg macht ihn noch nicht zum Kanzler, für seine raue, zugespitzte Politik braucht er Koalitionspartner. Für viele Vorhaben benötigt er im Parlament sogar eine Zweidrittelmehrheit. Dort kommt für Volkskanzler Herbert Kickl dann die Stunde der Wahrheit. Es wird ihm und seiner FPÖ völlig unmöglich sein, seine Vorstellungen und Veränderungen so wie angekündigt durchzusetzen. Er und seine FPÖ könnenin Regierungsverantwortung nur verlieren, und es wäre nicht zum ersten Mal, dass diese Partei an der Verantwortung scheitert. Es ist einfacher, große Ankündigungen zu machen, alles in Grund und Boden zu reden, als, in der Verantwortung stehend, mit einem Partner und nach bestehender Gesetzeslage vertretbare, gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Was Herbert Kickl bei seiner beabsichtigten Politik ebenfalls nicht wahrhaben will, ist, dass er ganz sicher nicht die absolute Mehrheit erreicht. Er ist auf andere Parteien angewiesen, er braucht Mehrheiten im Parlament, um Gesetze zu ändern, und muss in internationalen Organisationen Österreich repräsentieren. Bei aller Euphorie der Funktionäre vor dem vermeintlich großen Erfolg negieren Herbert Kickl und die FPÖ, dass rund dreißig Prozent Stimmenanteil nicht reichen, um eigenständig das Land umzubauen. Claus Pándi hegt den Verdacht, dass Herbert Kickl und seine FPÖ gar keinen Koalitionspartner finden und stattdessen in der Opposition bleiben wollen. Dort ist die FPÖ am stärksten. Aufzeigen, Zuspitzung und Stimmungsmache, das ist das Erfolgsrezept dieser Partei. In Regierungsverantwortung, wo Kompromisse erforderlich sind, ist diese Partei bisher jedes Mal kläglich gescheitert. Möglicherweise hat Redakteur Pándi ganz tief in die Seele des Herbert Kickl geblickt.

Franz Peer, Linz

Erschienen am Do, 5.9.2024

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Weitere Leserbriefe
7.1.2026Datum auswählen
Düstere Aussichten für Europa
Was kommt noch, fragt man sich, wenn man die politische Berichterstattung verfolgt. Die Hauptakteure auf der Weltbühne lassen nichts Gutes erwarten. ...
Renate Lehner
Der eine nicht besser als der andere
Über die Militäraktion der USA in Venezuela, samt Festnahme von Maduro und dessen Gattin, kann man diskutieren. Auch darüber, ob die Verhaftung des ...
Franz Köfel
EU im Trump-Dilemma
Wenn man sieht, wie Trump mit Venezuela umgeht und Dänemark droht, dass es Grönland an die USA verliert, gibt es vonseiten der EU keine entsprechende ...
Johannes Mikula
Die Weitsicht von Präsident Trump
Die Politiker Europas bzw. der EU sind von der Weitsicht Trumps meilenweit entfernt. Trump weiß genau: Wenn in Venezuela gegen Maduro und seine ...
Wilhelm Lobmaier
Trump und Grönland
Wann wachen alle auf? Man muss den wahnsinnigen Trump und seine Schergen stoppen. Ihn interessiert Europa nicht, er hat außer Orbán keine Anhänger. ...
Ernst Kahr
Sanierer sehen anders aus!
Die ÖVP verweist bei jeder Gelegenheit auf ihre angebliche Kernkompetenz: verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld und konsequenten Schuldenabbau. ...
Josef Pratsch
Parteifinanzen
Klar, dass Kickls FPÖ die beste Finanzlage aufweist. Sein Programm ist eindeutig auf Stimmenmaximierung angelegt. Alles kritisieren, bei etwaigen ...
Herbert Jöbstl
Schuldenberg der ÖVP
Es hat doch immer geheißen, die SPÖ könne mit dem Geld nicht umgehen, aber wenn ich mir den Schuldenberg der ÖVP anschaue: fast 10 Mio. Euro ...
Johann Grünbauer
Chapeau, Herr Seinitz!
Hr. Seinitz bringt es auf den Punkt, wenn er von einem Staatsversagen in Deutschland spricht. Militante Linksradikale und Migranten wurden und werden ...
Helmut Speil
Spritpreis
Der durchschnittliche Preis für Sprit beträgt rund 1,60 €. Abzüglich Steuern kommt man auf +/– 1 €. Was braucht der Finanzminister da noch mit den ...
Robert Mosek
Genial
Die Serie „Drunter & Drüber“ mit genialen Schauspielern und einer makaberen, typisch österreichischen Unterhaltung. Was für eine Steigerung des ...
Marion Rauch
435.000 Arbeitslose
Zum Jahreswechsel waren fast 435.000 Menschen arbeitslos oder in Schulungen. Trotzdem wird immer wieder betont, dass nach wie vor Zuwanderung nötig ...
Alfred Oster, Paralimni
Ermittlungen
Dass gegen die Bar-Betreiber in Crans-Montana ermittelt wird, ist richtig. Aber gegen die Behörden, die das geprüft haben, sollte das auch passieren. ...
Erwin Weiser
Dreikönigstag
Endlich eine Pfarre, die sich nicht unterwirft und die ursprünglichen drei Kontinente aufzeigt. Caspar, Melchior und Balthasar! Danke an die Pfarre ...
Stefan Kuber
Europa wird nicht schlechtgeredet
Hochachtung vor Herrn Hauer. Sein Leserbrief vom 4. 1. ist einer der besten, die ich je gelesen habe. Eigentlich ist dem nichts mehr hinzuzufügen. ...
Hugo Eitler
Mit Vernunft statt Emotion
Das Jahr 2026 ist noch jung. Aber die heimische Bundesregierung muss jetzt schon aufpassen, dass sie nicht bald ziemlich alt aussieht. Dieses Jahr ...
Christian Stafflinger
Blackout in Berlin
Linksautonome Aktivisten, wie man diese Rowdys verharmlosend nennt, haben Teile Berlins mit einem Angriff auf das Stromsystem lahmgelegt. Aber ...
Mag. Günther Schreiber
Neujahrskonzert
Das von diesem „Open-minded-Dirigenten“ präsentierte Pasticcio war keine glückliche Auswahl und zeigte wenig Sensibilität. Das zum Teil sich mühsam ...
Manfred Peska
Bundesländer
Der einzige vernünftige Vorschlag, den der inzwischen bekannteste und berühmteste Staatssekretär Sepp Schellhorn von sich gegeben hat, ist die ...
Josef Blank

Voriger Tag
7.1.2026Datum auswählen
Nächster Tag
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt