Das freie Wort

„Die Österreicher horten Bargeld“

Ja die Österreicher sind in Finanzangelegenheiten gegenüber ihren Spitzenpolitikern, ihrer Regierung, der gesamten Europäischen Union und der Europäischen Zentralbank noch misstrauischer geworden. Jedenfalls stieg der Bargeldbestand in heimischen Haushalten laut Österreichischer Nationalbank im Vorjahr um 2,5 Milliarden Euro an. Die Bürger horten in ihren Haushalten bereits insgesamt 12 Milliarden Euro gleichsam „unter dem Kopfpolster“. Dieses Misstrauen ist begründet durch viele Erfahrungen, die sie seit der Wahlwerbung für den Beitritt zur EU und seit dem Beitritt zur EU gemacht haben. Wir erinnern uns an die Zeit, als die meisten Politiker die Beibehaltung des anonymen Sparbuchs versprachen (obwohl im EU-Vertrag anderes stand). Das war aber nur die halbe Wahrheit. Aber sie behielten recht – bis zu dem Tag, da das anonyme Sparbuch abgeschafft wurde. Ab dieser Zeit hatten diejenigen recht, welche zukunftsorientiert die Abschaffung des anonymen Sparbuches angekündigt hatten. Das war die zweite Halbwahrheit. Jetzt erst war den Bürgern die ganze Wahrheit bewusst geworden. Das Gleiche geschah mit dem Bankgeheimnis, mit der Beibehaltung des Schillings. Stolz wurde einst verkündet, dass kein Staat für die Schulden eines anderen Staates aufkommen darf, um allzu bald mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus das Gegenteil zu praktizieren. Die lange geleugnete Bargeldabschaffung ist, obwohl nur in kleinen Schritten, bereits deutlich erkennbar. Der vorgegebene Grund (Bargeldschmuggel) der Bargeldabschaffung gilt längst nicht mehr, da heute wohl kaum nennenswerte Geldbeträge mit dem Köfferchen illegal über die Grenzen gebracht werden. Heutzutage macht man die großen illegalen Geldtransaktionen über Banken. Bankomatkarten, Kreditkarten usw. brauchen wir, denn sie sind im modernen Zahlungsverkehr unverzichtbar. Aber noch dringender brauchen die Bürger Bargeld – auch in großen Scheinen! Denn nur mit Bargeld, das „unter dem Kopfpolster verschwinden“ kann, haben die Bürger ein Mittel in der Hand, sich erfolgreich gegen drohende Negativzinsen zu wehren.

Dr. Karl Hunna, Wien

Erschienen am Sa, 29.5.2021

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