06.11.2007 16:03 |

Verwahrloste Kinder

Schizophrene Mutter wird in Anstalt eingewiesen

Mit der Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ist am Dienstag ein aufsehenerregender Prozess am Landesgericht Klagenfurt zu Ende gegangen. Die Staatsanwaltschaft warf einer 53 Jahre alten Oberösterreicherin vor, ihre drei Töchter jahrelang von der Außenwelt abgeschottet zu haben. Laut Gutachter leidet die Betroffene an einer chronisch paranoiden Schizophrenie. Verteidiger Helmut Blum meldete Nichtigkeit und Berufung an.

Im Laufe des Verfahrens, dass seit Juli lief, zeigte die Frau in ihren Aussagen wenig Einsicht und hatte ganz eigene Ansichten von ihrem Gesundheitszustand. "Ich fühle mich nicht geisteskrank", meinte die Oberösterreicherin, obwohl ihr Richterin Michaela Wietrzyk vorhielt, dass mehrere Ärzte sie für paranoid schizophren halten. Nach der Scheidung von ihrem Mann - einem oberösterreichischen Richter - Ende der 90er Jahre hatte sich die Frau mit ihren drei Töchtern - heute 15, 18 und 21 Jahre - immer mehr in die Isolation zurückgezogen.

Vater verließ sich auf Psychologen
Man habe immer gehofft, die Mutter lasse sich auf Maßnahmen der Behörden ein, erklärte der Vater der drei Mädchen. "Ich habe mich auf Psychologen verlassen und dem ewigen auf und ab der Maßnahmen zugestimmt", sagte der Jurist. Eine Anordnung zur Überprüfung der Zurechnungsfähigkeit sei jedoch nie erfolgt. "Heute würde ich es anders machen", erklärte der Mann.

Die Isolation durch die Mutter habe zu einer "tragischen und folgenreichen Entwicklung" für die Mädchen geführt, meinte Staatsanwältin Carmen Riesinger. Die Älteste sei "so schwer geschädigt, dass mit einer seelischen Gesundung nicht gerechnet werden kann." Die Kinder seien der Frau völlig ausgeliefert gewesen und hätten "im selben seelischen Wahn" gelebt, wie die Mutter, meinte die Anklägerin.

Einweisung in Anstalt
"Ihre geistige Erkrankung hat Sie veranlasst, ihre Töchter aus der Schule zu nehmen, wo sie altersadäquaten Umgang gehabt hätten", erläuterte Riesinger. Gestützt auf ein Gutachten des Psychiaters Reinhard Haller forderte die Staatsanwältin die Einweisung der Betroffenen in eine Anstalt. Eine Gefährdung für Dritte sei "irgendwann in der Zukunft" durchaus gegeben, meinte die Staatsanwältin.

Von "gravierenden Versäumnissen der Behörden", sprach indessen der Verteidiger der Oberösterreicherin. "Die Versäumnisse Anderer werden nun auf dem Rücken der Betroffenen ausgetragen". Seiner Ansicht nach seien "Unterbringungsvoraussetzungen" nicht gegeben, meinte Blum und kündigte den Gang zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg an.

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