Fr, 19. Oktober 2018

Werteverständnis

29.09.2017 18:33

2Kandidaten-Check: Konservativ oder revolutionär?

Konservativ oder revolutionär? Heute in unserem Persönlichkeits-Check: Für welche Werte stehen unsere Kandidaten? Wer schützt die Traditionen, wer will Veränderung? Teil sechs unseres großen "Wer kann Kanzler"-Checks.

Flüchtlingszuwanderung, gleichgeschlechtliche Ehe oder digitalisierte Berufswelt: Unsere Gesellschaft ist im Umbruch. Was ist für die Österreicher wichtig? Für welche Werte soll der ideale Kanzler stehen - für Tradition oder mehr für Veränderung? Das fragte das Meinungsforschungs-Institut IMAS im Auftrag der "Krone". Mit diesem Ergebnis: 46 Prozent der Österreicher wünschen sich einen Bundeskanzler, der den gesellschaftlichen Wandel fördert. 40 Prozent wollen hingegen die Traditionen gewahrt wissen.

Wir garantieren Objektivität!
Im Zuge unserer Serie "Wer kann Kanzler" prüften Psychologen die Spitzenkandidaten auch auf diese Qualitäten. Gemeinsam mit der renommierten Beraterfirma HILL baten wir die Politiker zum wissenschaftlich fundierten objektiven Persönlichkeits-Check. Die anonymisierten Daten wurden von Wirtschaftspsychologe Othmar Hill ausgewertet. Notar Georg Schreiber beglaubigt die anonyme und damit objektive Beurteilung. Und Politologe Peter Filzmaier interpretiert das Ergebnis aus politischer Perspektive.

Top-Beraterfirma

Die Experten nahmen letztlich fünf der großen Sechs unter die Lupe. Zu Christian Kern (SPÖ) gibt es leider keine Auswertung, nachdem er den Test völlig überraschend abgebrochen hat, "weil das ein lächerlicher Gag" sei. Schade, Herr Bundeskanzler, dass Sie den "Krone"-Lesern nicht zeigen wollen, wie Sie ticken.

Die Ergebnisse der Spitzenkandidaten
Bei unserem Persönlichkeits-Check präsentieren sich Ulrike Lunacek (Grüne) und Peter Pilz (Liste Pilz) am offensten für Veränderungen. Die detaillierten Ergebnisse zu den Kandidaten sehen Sie im Folgenden.

Matthias Strolz: Gemäßigt modern

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Der Kandidat lehnt strikt konservatives Denken ab und bekennt sich zum moderaten Wandel.
  • Analyse Hill: Matthias Strolz kümmert sich nicht um Status und Luxus. Tendenziell setzt er auf neue gesellschaftliche Werte. Allerdings gibt es kein eindeutiges Bekenntnis von ihm, den Wandel tiefgreifend zu unterstützen.
  • Analyse Filzmaier: Matthias Strolz ist Chef einer Oppositionspartei, die viele Sachen komplett ändern will. Also sieht es seltsam aus, wenn er laut Test so wenig für den Wandel steht. Die mögliche Erklärung: Viele NEOS kommen aus der konservativen ÖVP, die ihnen zu traditionell war. Daher wollen sie Veränderung, welche im Zweifelsfall aber doch gemäßigt sein soll.

Sebastian Kurz: Kein Thema!

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Der Kandidat identifiziert sich nicht besonders mit gesellschaftlicher Erneuerung und auch nicht mit konservativen Werten.
  • Analyse Hill: Sebastian Kurz misst diesen Themen wenig Bedeutung zu. In Zeiten permanenter Veränderung kann er dadurch die Ausrichtung seiner Politik leider anpassen.
  • Analyse Filzmaier: "Nicht Fisch und nicht Fleisch!", so könnte man das Resultat für Kurz zusammenfassen, der genau in der Mitte zwischen konservativ und modern liegt. Vielleicht ist das sogar gewollt und politische Überlebensgarantie, weil er ja der ÖVP als sehr alte Partei vorsteht und zugleich im Wahlkampf als Speerspitze einer neuen Bewegung gelten will.

Heinz-Christian Strache: Große Bandbreite

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Der Kandidat neigt dazu, beide Werte-Pole für gleich wichtig zu erachten.
  • Analyse Hill: Heinz-Christian Strache schätzt einen modernen Lebensstil, ohne seine konservative Wertebasis zu verlassen. Er kann dadurch eine große Bandbreite an Wertvorstellungen abdecken.
  • Analyse Filzmaier: Die FPÖ ist gegen "die da oben" und verkrustete Strukturen. Für blaue Kernschichten gefiel sich Strache da früher in der Rolle des radikalen Umstürzlers. Nun ist er breiter aufgestellt und will keine Wechselwähler verschrecken. Also wurde er ein bisschen zum Chamäleon, das klassische Werte und Veränderungswillen geschickt verknüpft.

Ulrike Lunacek: Auf in die Neuzeit!

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Die Kandidatin ist sehr motiviert, in die neue Zeit zu gehen,  ohne aber die Traditionen strikt abzulehnen.
  • Analyse Hill: Ulrike Lunacek möchte Veränderung, Vielfalt und Selbstbestimmung. Sie legt weniger Wert auf Status und Materielles.
  • Analyse Filzmaier: Die Grünen sind als soziale Bewegung gegen die etablierte Politik entstanden. Deshalb muss Lunacek geradezu die Bereitschaft verkörpern, das Land zu modernisieren. Dazu passt auch ihr Testergebnis. Was sicher stimmt: Lunacek kommt aus der Entwicklungshilfe, ihr sind materielle Dinge wie Geld nicht wichtig.

Peter Pilz: Fortschrittlich

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Der Kandidat steht eindeutig für Modernität und Zeitenwende. Materielles und Bewährtes ist ihm nicht wichtig.
  • Analyse Hill: Peter Pilz scheut sich nicht, Dinge in Frage zu stellen. Sein  Drang zu Veränderung kann Konflikte mit Traditionalisten hervorrufen, die auf ihre Werte beharren.
  • Analyse Filzmaier: Jedes andere Ergebnis als dass er für Veränderung steht, wäre für Pilz naturgemäß schlimm. Wenn er will, dass alles so bleibt wie bisher, dann bräuchte es keine neue Partei im Nationalrat, und er müsste nicht kandidieren. Die Schlüsselfrage ist, ob man ihm die Neugestaltung zutraut oder man ihn bloß als Sprachrohr für Protestrufe sieht.

Demnächst im "Krone"-Check: Wer setzt sich für die nationalen Interessen ein, wer fördert den großen Zusammenhalt?

Alexandra Halouska und Patrick Warger, Kronen Zeitung/kal

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