Mi, 19. September 2018

30 Scheinfirmen

27.09.2017 09:49

55 Mio. Euro Schaden: Bau-Betrugsnetz aufgeflogen

Paukenschlag im Fall einer dreijährigen Ermittlung der Polizei gegen ein internationales, aus mehr als 30 Scheinfirmen bestehendes Bau-Betrugsnetz in Wien, Nieder- und Oberösterreich: Eine Tätergruppe aus dem ehemaligen Jugoslawien soll durch illegale Preisabsprachen, Steuerhinterziehung sowie Hinterziehung von Sozialabgaben einen Schaden von mehr als 55 Millionen Euro verursacht haben. Am Dienstag kam es zu insgesamt 24 zeitgleich stattfindenden Hausdurchsuchungen in den drei Bundesländern.

Nach zahlreichen Baustellenkontrollen und Observationen hatten Beamte der Finanzpolizei und des Landeskriminalamts Wien genug belastendes Material gesammelt, um am Dienstag in den frühen Morgenstunden die groß angelegte Aktion durchzuführen. Die jugoslawische Bande hatte insgesamt mehr als 750 Arbeitnehmer in dem Netzwerk beschäftigt, berichteten die Ermittler am Mittwoch. Sechs Männer wurden festgenommen und in Untersuchungshaft genommen.

Ein Sprecher des Finanzministeriums sprach von einem "organisierten Sozialbetrug im großen Stil". Die Täter gaben die Entsendungen von Arbeitern aus Billiglohnländern wie Bulgarien, Rumänien, Tschechien, Ungarn und der Slowakei vor. Diese wurden bei inländischen Scheinfirmen gemeldet. Die An- bzw. Ummeldung der Arbeiter sowie die Auftragsvergabe und Rechnungsabwicklung erfolgte über Mittelsmänner in Österreich.

Betrug per "Kickback-Zahlungen"
Die Rechnungsgelder wurden auf ausländische Konten überwiesen, dort allerdings von den Betrügern abgehoben und teils wieder in Form von Bargeld nach Österreich rückübermittelt ("Kickback-Zahlungen"). Die Arbeiter waren in den "Entsendestaaten" nicht sozialversichert bzw. legten gefälschte Dokumente vor. Die Männer im Alter von 20 bis 60 Jahren lebten zu einem großen Teil ganzjährig in Wien. Gegen sehr geringen Lohn arbeiteten sie auf diversen Baustellen und wohnten unter menschenunwürdigen Umständen in Massenquartieren oder direkt auf den Baustellen.

Schaden vermutlich noch deutlich höher
Bei der Schadenssumme von 55 Millionen Euro handelt es sich um eine vorläufige Schätzung, betonte man bei der Finanzpolizei. Der tatsächliche Schaden werde aufgrund von Schein- bzw. Deckungsrechnungen in den Buchhaltungen vermutlich wesentlich höher ausfallen. Beschlagnahmt wurden bei den Hausdurchsuchungen, an denen 160 Beamte beteiligt waren, Laptops, Handys und einige Terabyte an EDV-Datenmaterial. Darüber hinaus wurden Bargeld in Höhe von 110.000 Euro sowie ein Pkw sichergestellt.

 krone.at
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