So, 23. September 2018

Tag 1 in St. Pölten

15.08.2017 21:51

Frequency: Sommerlicher Start mit heißen Rhythmen

Plüschige Einhörner, überdimensionale Katzenköpfe und wummernde Bässe: In St. Pölten hat das Frequency wieder seine Zelte aufgeschlagen. Der Auftakt zum dreitägigen Festivalreigen brachte am Dienstag bei bestem Sommerwetter nicht nur die obligatorischen Verkleidungen der Besucher, sondern auch eine bunte Mischung aus Punkrock (Billy Talent, The Offspring), Rock (The Pretty Reckless) und Electro-Beats (Moderat).

Die sympathischen Deutschen Kytes wussten mit bunten Bühnenbannern und bekömmlichen Pop schon in der Frühnachmittagshitze zu überzeugen. Der Ansturm hielt sich zwar in Grenzen, Sympathien heimsten die Münchner rund um Frontmann Michael Spieler aber reihenweise ein. Als zweiter Act gelang es dem österreichischen Rapper Dame, der eigentlich Michael Zöttl heißt und von einem DJ sowie einem weiteren MC begleitet wurde, die recht ansehnliche Meute vor der Bühne sofort zum Tanzen zu bringen. Bekannt geworden mit Songs zu Computerspielen, ist Dame mittlerweile aus der heimischen Szene kaum wegzudenken. Das hat auch sein bisher letztes Album "Straßenmusikant" belegt, das im Vorjahr die Spitze der Charts erklommen hat. Entsprechend frenetisch wurden auch Songs davon aufgenommen - da blieb keine Hand unten, sondern wurden im dicht gefüllten Wavebreaker nach Lust und Laune die Arme geschwenkt.

Ruhige Elegie
Wo unter freiem Himmel bei brütender Hitze die Beats dominierten, gab es zur selben Zeit auf der in einer Halle eingerichteten Weekender Stage ruhigere Klänge zu vernehmen: Der Brite Charlie Cunningham, dessen Debüt "Lines" Anfang des Jahres erschien, präsentierte sich hier als klassischer Singer-Songwriter, dabei eher elegische Momente bedienend denn auf große Gestik oder humoristische Ansagen setzend. Der Sänger und Gitarrist, dem ein Keyboarder sowie ein Schlagzeuger zur Seite standen, punktete vor allem mit seiner unprätentiösen Art. Egal ob Folk, Indie oder Flamenco-Einsprengsel, Cunningham fügte allerlei Einflüsse zu einem homogenen Ganzen.

Doch nicht nur Musik dominiert das bunte Treiben: Das Frequency setzt wie jedes Jahr auf eine umfangreiche Unterhaltung seiner Gäste, laden doch Hängematten zum Durchschnaufen nach erfolgter Konzertaction, gibt es von Burger über Pizza bis Heuschrecken allerlei Schmackhaftes wie Außergewöhnliches und locken etliche Stände sowie Minibühnen mit DJs oder Musikern. Langeweile ist definitiv ein Fremdwort in der niederösterreichischen Landeshauptstadt.

Senkrechtstarter
"Vorher gehören wir auf die Bühne, erst danach auf den Zeltplatz." Florian Kiesling muss schmunzeln, wenn er über seine Band Van Holzen spricht. Gerade erst Matura gemacht, schon tourt das deutsche Trio durch die Lande. Am Dienstag machte man das Frequency in St. Pölten unsicher und punktete zur frühen Stunde mit abwechslungsreichem Rock. Und auch sonst regierten am Nachmittag die Gitarren.

"Wir haben eigentlich gar keine Zeit, und das ist gut so", beschrieb Schlagzeuger Daniel Kotitschke im Gespräch mit der APA die derzeitige Situation bei Van Holzen. Vor gut zwei Jahren gegründet, dann bei einem Förderprogramm mitgemacht, letztlich einen Plattenvertrag abgestaubt. Im Frühjahr erschien das Debüt "Anomalie", wovon beim Festival ausgiebig serviert wurde. Mal melodisch und atmosphärisch, dann hart und unbarmherzig, sorgten Van Holzen vor der Weekender Stage für nickende Köpfe und tanzende Körper.

Frische Routine
In einem Alter, in dem andere vor der Bühne stehen, haben es sich Kiesling, Kotitschke und Bassist Jonas Schramm also auf der "anderen" Seite gemütlich gemacht. "Das passt gut so, kann ich mir gar nicht anders vorstellen", so der Sänger und Gitarrist. Musik machen die drei Freunde immerhin schon seit ihrer Kindheit, da ist der gemeinsame Backstage-Bereich mit Größen wie Billy Talent oder The Offspring zwar noch aufregend, aber mittlerweile Usus geworden. Und ohnehin steht über allem die Arbeit, werkelt das Trio doch bereits an Platte Nummer zwei. "Wir wollen uns einfach keine Grenzen setzen", unterstrich Kiesling die Ambitionen.

Grenzenlos ist gemeinhin auch der Ansatz von Cedric Bixler und Omar Rodriguez. Das Duo ist die treibende Kraft hinter der Post-Hardcore-Band At The Drive-In, die sich im Vorjahr wieder vereint hat und erst vor wenigen Monaten mit "in-ter-a-lia" vorstellig wurde. Ziemlich genau 17 Jahre nach dem bahnbrechenden "Relationship Of Command", ist die prägende US-Gruppe wieder mit neuem Material da, wie gewohnt mit überraschenden Wendungen, eingängigen Hooks sowie unüblichen Gesangspassagen. Dass der anspruchsvolle Sound nicht jedermanns Sache ist, zeigte sich beim Frequency allerdings ziemlich bald: Die überschaubare Fanschar vor der Space Stage hatte eher die eigenen Smartphones denn die Darbietung auf der Bühne im Blick. Bixler quittierte das recht bald mit einem kraftvollen "Wake the fuck up!", es sollte aber nicht soweit kommen. Dafür machte die Band gut zehn Minuten früher Schluss.

Rock mit Stargarantie
Einfacher hatten es hingegen The Pretty Reckless, die mit Bluesrock und viel Energie für Bewegung in den dicht gedrängten Reihen sorgten. Zwar merkte man auch hier, dass von den 60ern und 70ern geprägte Sounds nicht gerade die Leibspeise der Frequency-Besucher sind, aber immerhin machte man mit reichlich Einsatz vieles wieder wett. Die ungleiche Paarung ging dementsprechend auf. Frontfrau Taylor Momsen, bekannt geworden als "Gossip Girl" in Hollywood und seit mittlerweile sechs Jahren alleinige Vollblutrockerin, wusste das Publikum mit einer energetischen Darbietung zu begeistern. Die Vergleiche mit den Runaways sind nicht von der Hand zu weisen, auch wenn der blonden Frontröhre noch die Souveränität ihrer Idole fehlt. Einquartiert waren The Pretty Reckless zuvor übrigens direkt in St. Pölten, "ein netter Platz, um die Zeit bis zu einem Gig totzuschlagen", verriet Momsen der "Krone".

Zur jährlichen Punkrock-Party luden direkt im Anschluss die kalifornischen Szenelegenden The Offspring, die ihre Zelte quasi jeden Sommer zwischen dem einen oder anderen Festival aufschlagen. Was vordergründig auffällt - Frontmann und Songwriter Dexter Holland legt nicht nur rasant an Masse zu, sondern verliert auch sukzessive an Lungenvolumen. Werden die Songs stimmlich fordernder, ist so manch ungeplanter Japser unvermeidlich, auch die Instrumentalfraktion fährt das eine oder andere Mal daneben. Stammgitarrist Noodles fällt diesen Sommer aus familiären Gründen aus und wird gleich doppelt ersetzt. Neues Material hat die Band schon seit fünf Jahren nicht aufzubieten.

Alte Besen kehren gut
"Wir sehen auch keinen zwingenden Grund schnell ein neues Album herauszubringen" verrät Bassist und Gründungsmitglied Greg K. der "Krone" auf deren Hinweis, dass Holland einen neuen Studiorundling schon für 2015 versprach. "Vielleicht wird es nächstes Jahr was, mal sehen. Aber die Fans wollen ohnehin immer die Klassiker hören und die können wir ihnen liefern." Wenn auch nicht mehr mit der Qualität und Inbrunst der frühen Tage - dass sich die mit unzähligen Videowalls erweiterte Space Stage aber trotzdem füllte, lag an einer Mischung aus melancholischer Nostalgie und fehlendem Gegenprogramm, denn die Pforten zur Green Stage öffnen sich erst heute. The Offspring schlossen ihr Set dann auch noch zehn Minuten früher als geplant ab - nach einer Wasserschlauchdusche von Holland für die Fans. Leider auch das größte Highlight an diesem Abend.

Dass das Debüt von Billy Talent immerhin schon 14 Jahre am Buckel hat, merkte man dem Vierer kaum an. Mit mittlerweile insgesamt fünf Platten hat sich die Gruppe um Sänger Benjamin Kowalewicz eine Stellung erspielt, die den Headliner-Slot bei jedem heimischen Festival rechtfertigt. Mehr als eineinhalb Stunden wurde hier getanzt, gesungen und gepogt, dass es nur so eine Freude war. Neues und Altes ging dabei Hand in Hand, ergänzte sich blendend und ließ nur wenige Wünsche offen. Bei "Red Flag" und "Fallen Leaves" gab es Tribünen recht ordentlich. "Passt auf euch auf", lautete konsequenterweise die schlussendliche Empfehlung von Kowalewicz für die weiteren Tage - nebenbei sorgte auch für verbindende Worte in politisch negativen Umbruchzeiten.

Electro bis zum Morgen
Die nächsten Tage bieten - trotz des Triumphzugs der Rockmusik - auch reichlich Elektronisches, wie nur kurz später das deutsche Trio Moderat als Late-Night-Act auf der Space Stage unter Beweis stellte. Eine vor allem optisch stimmige Darbietung, die Minimal Techno mit poppigen Ansätzen kreuzte. Die dicht gedrängte Menge der rockigen Kollegen konnte man zwar nicht anlocken, aber trotzdem wurde hier die Richtung vorgegeben für das, was noch folgen sollte. Immerhin ist das Frequency nächtens Anlaufstelle für Tanzwütige, die sich zu Beats und Melodien in den Morgen drehen. Laut genug kann ein DJ kaum sein - was Dope D.O.D., Noisa und Co. auch eindrucksvoll bewiesen. Heute geht es mit Top-Acts wie u.a. Bilderbuch, Placebo, Cypress Hill und Robin Schulz munter weiter.

APA/Griessner, Robert Fröwein

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