23.10.2015 19:56 |

Fremdenhass

Schwert-Attentäter jagt Schweden Angst ein

Einen Tag nach der tödlichen Attacke bestätigen Kameraaufnahmen an der Schule in Trollhättan einen grausamen Verdacht: Sie zeigen, wie der Schwert-Mörder seine Opfer gezielt auswählt. "Wer helle Haut hatte, wurde nicht angegriffen", sagt Thord Haraldsson von der schwedischen Polizei am Freitag. "Wer dunkle Haut hatte, wurde angegriffen." Fremdenhass als Motiv jagt der schwedischen Bevölkerung Angst ein. Aber rassistische Angriffe sind im skandinavischen Land schon lange keine Seltenheit mehr.

Die Polizei ist überzeugt: Die Schule mit rund 400 Schülern in der Industriestadt in Westschweden wurde zum Tatort, weil sie viele Einwanderer besuchen. Als der 21-jährige Schwede sie aufsucht, trägt er nicht nur ein schwarzes Outfit und eine Maske, sondern auch einen Helm, der Zeugen an die von Nazi-Soldaten erinnert. Doch die Schüler begegnen ihrem Angreifer völlig arglos, weil sie denken, dass er sich vorzeitig zu Halloween verkleidet hat. Sie posieren mit ihm, schießen sogar ein Foto. Dabei hatte er die Tat geplant, wie die Ermittler aus einem Abschiedsbrief wissen. Das Drama ist erst vorbei, als die Polizei den Mann erschießt.

"Er marschierte über den Flur wie ein Soldat"
Auf seiner Facebook-Seite unterstützt er laut der antirassistischen Zeitschrift "Expo" die Kampagne der schwedischen Rechtspopulisten für eine Volksabstimmung über Einwanderung. In seinem YouTube-Kanal teilt er Videos, die Hitler und Nazi-Deutschland verherrlichen. Seine Sympathie für die Nationalsozialisten drückt sich auch durch die Art aus, wie er den blutigen Angriff ausführt. "Er marschierte über den Flur wie ein Soldat", sagt Haraldsson.

Parallelen zu Massenmörder Breivik
Schwedische Medien ziehen am Freitag Parallelen zu den Terrortaten des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik, der vor vier Jahren 77 Menschen tötete. Bei einem der beiden Angriffe des Rechtsextremisten starben Dutzende Jugendliche in einem sozialdemokratischen Sommerlager. "Ja, wir müssen das Attentat in Trollhättan als Terrortat beschreiben. Ein Hassverbrechen mit rassistischem Unterton. Wir müssen diese widerwärtige Tat beim richtigen Namen nennen", kommentiert der Journalist Oisin Cantwell in der Zeitung "Aftonbladet". Viele denken mit Angst daran, was Schlimmeres hätte passieren können, hätte der Schwede ein Waffenarsenal dabei gehabt wie damals Breivik.

Das andere Gesicht Schwedens abseits der Toleranz
Der Schock sitzt auch so tief, weil es seit Jahrzehnten das erste Attentat dieser Art in Schweden ist. Das Land, das gemessen an der Einwohnerzahl so viele Flüchtlinge aufnimmt wie kein anderes in Europa, ist stolz auf seine Vielfalt, Offenheit und Toleranz. Doch es gibt auch andere Seiten. 2013 setzen Randalierer in Stockholmer Vororten mit hohem Migrantenanteil Autos und auch Schulen in Brand. Auslöser ist der Tod eines Einwanderers, den die Polizei nach eigener Darstellung in Notwehr erschossen hat. Anrainer vermuteten einen rassistischen Hintergrund.

"Rassistischer Zorn verpestet Schweden"
Die Folge ist auch ein wachsendes Unbehagen der Bevölkerung. Durch die massive Zuwanderung fühlen sich manche Bürger zunehmend wirtschaftlich und kulturell bedroht. Einwanderungskritische Stimmen werden lauter, vor allem die der starken Rechtspopulisten. 2014 hatte eine Serie von Anschlägen auf Moscheen das Land erschüttert. Seit Wochen brennen alle paar Tage geplante Flüchtlingsunterkünfte. "Ein rassistischer Zorn verpestet Schweden", schrieb der Journalist Lars Lindström vor ein paar Tagen im "Expressen" darüber.

Viele Halloween-Feiern abgesagt
Das Attentat an der Schule macht die Fremdenfeindlichkeit in dem Land sichtbar. Das macht vielen Schweden Angst und das Land weniger offen. Damit sich die Kinder und Jugendlichen sicher fühlen können, verschließen manche Schulen am Freitag ihre Eingänge. Weil die Schüler verkleidete Menschen als bedrohlich empfinden, werden Halloween-Feiern abgesagt. Doch der Spuk ist damit nicht vorbei.

Schweden verschärft seine Asylgesetze
Angesichts des Flüchtlingsandrangs verschärft Schweden nun seine Regeln für die Aufnahme von Asylwerbern. So wird beispielsweise eine befristete Aufenthaltserlaubnis eingeführt. Einige Flüchtlinge, etwa Familien mit Kindern, sollen davon ausgenommen werden. Außerdem sollen Asylanträge schneller bearbeitet und abgewiesene Asylwerber schneller zurückgeschickt werden, damit Unterkünfte für Neuankömmlinge frei werden. Nach einer neuen Prognose rechnet Schweden in diesem Jahr mit bis zu 190.000 Asylbewerbern - und somit viel mehr als erwartet.

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