Lärm, Staub – dazu auch noch kein Starkstrom, kein Warmwasser sowie keine Heizung mehr. Das Haus in der Paulusgasse 5 in der Wiener Landstraße wurde für die Mieter zum Albtraum. Die Grünen machen Immobilieninvestoren dafür verantwortlich. Die Stadt will jetzt Zwangsmaßnahmen setzen.
Kein Gas, kein Starkstrom, keine Heizung: Was sich in der Paulusgasse 5 in der Landstraße abspielt, klingt wie ein Albtraum. Die Mieter sitzen dort im Kalten, haben kein Warmwasser und können nicht einmal mehr richtig kochen. Jetzt geht es um die nackten Grundbedürfnisse – und immer mehr Mieter werfen das Handtuch. Vor einem Jahr waren noch acht Wohnungen langfristig bewohnt. Jetzt halten nur noch fünf Mieter durch. Die Grünen Wien deckten am Donnerstagvormittag dieses besonders krasse Beispiel von, wie die Partei sagt, „Wohnspekulation“ auf.
Immer mehr Mieter werden von Immo-Haien drangsaliert. Die Stadt muss viel mehr tun, um Mieter zu schützen und Spekulanten zu stoppen. Lösungen müssen her.

Judith Pühringer, Parteivorsitzende der Grünen Wien
Bild: APA/HANS KLAUS TECHT
Die katastrophalen Zustände sollen der Stadt schon seit mehr als einem Jahr bekannt sein. Kurzfristige Kontrollen hätten laut den Ökos aber zu keiner Verbesserung geführt. Die Baustelle ist völlig unzureichend abgesichert, die Haustüre häufig offen, wie sich auch bei einem „Krone“-Lokalaugenschein Mittwochabend zeigte. Maßnahmen wie eine Zwangsverwaltung wurden bisher aber nicht gesetzt. Bis jetzt.
Das Leid der Mieter sei unverändert groß – sie fühlen sich vom Bezirk, von der Stadt und von den Behörden im Stich gelassen, kritisieren die Grünen. Seit Monaten machen zudem Lärm und Staub den letzten, verbliebenen Bewohnern das Leben schwer.
Stadt weist Vorwürfe jetzt entschieden zurück
Das Büro der zuständigen Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) weist die Vorwürfe energisch zurück. „Vier Mieter des Hauses haben keine Heiz- bzw. Warmwasseraufbereitungsmöglichkeit, weil sämtliche Gasleitungen mittlerweile durch den Vermieter entfernt wurden. Es wurden keine zureichenden Ersatzgeräte vom Vermieter zur Verfügung gestellt“, heißt es zur „Krone“. Deswegen habe die MieterHilfe der Stadt die zuständigen Abteilungen (MA 25 und MA 37) gebeten, Maßnahmen auf Basis des § 123 Abs 3 Wiener Bauordnung zu treffen. Das heißt: Die Beheizbarkeit sowie die Warmwasserversorgung sollen wieder hergestellt werden.
Voraussichtlich noch am Donnerstag soll ein Termin mit einem Elektriker und einem Installationsunternehmen stattfinden, um abzuklären, welche Art der Heizung und Warmwasserbereitung dauerhaft umgesetzt werden kann. Die MA 25 (Technische Stadterneuerung) sei dabei bemüht, eine geeignete und adäquate Lösung für eine Ersatzeinrichtung zu finden.
Wohnungen auf Website inseriert
Besonders bitter in der Paulusgasse: Während die Mieter mit den Zuständen kämpfen, werden ihre eigenen Wohnungen auf der Website des Projektbetreibers bereits als Eigentumswohnungen zum Kauf angeboten. Der Plan sieht offenbar eine massive Umwandlung vor: Aus leistbaren Altbau-Mietwohnungen sollen hier 19 Appartements für Kurzzeitvermietung und 26 hochpreisige Eigentumswohnungen werden. Für die verbliebenen Bewohner ein weiterer Schlag ins Gesicht.
Landstraße Bezirksvorsteher Erich Hohenberger (SPÖ), die Baupolizei (MA 37) und der Investor wurden von der „Krone“ um eine Stellungnahme gebeten. Die Antworten stehen noch aus.
Lange Liste an Wohnraum-Krimis
Überhaupt scheint der dritte Bezirk ein beliebtes Pflaster für Immobilienspekulanten geworden zu sein. Immer wieder sorgen in der Landstraße jahrelange Fälle und Abriss-Krimis rund um Wohnungen und Häuser für Diskussionen: Hetzgasse, Radetzkygasse, Landstraßer Hauptstraße und zuletzt in der Ungargasse – die Liste ist lang. Während die Wohnkosten für viele Wiener längst zur finanziellen Belastung geworden sind, wittern andere offenbar das große Geschäft mit dem knappen Wohnraum.
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