Aus dem Traumdebüt ist nichts geworden, wacker geschlagen hat sie sich aber allemal: Lilli Tagger schied am Sonntag in der ersten Runde der French Open in Roland Garros gegen die Chinesin Xinyu Wang aus. Am Ende hieß es 3:6, 6:3 und 4:6.
Höchst kurios bgeann Lilli Taggers Grand-Slam-Karriere. Pünktlich um 11 Uhr betrat sie Court 9. Doch von ihrer Gegnerin fehlte jede Spur. Etwas verdutzt blickte sich die Osttirolerin um, auch die erfahrene Schiedsrichterin Allison Hughes wirkte überrascht. Es war ein im Tennis rares Szenario. Erst um 11.06 Uhr betrat Wang Xinyu mit einer Entschuldigung auf den Lippen den Court. Die Verspätung könnte ihr eine Geldstrafe von bis zu 20.000 Dollar einbringen, eine Disqualifikation stünde aber frühestens nach 15 Minuten Verspätung zu Debatte.
Hier die Stats zum Spiel:
Auch im Match legte Tagger im Vergleich zur Gegnerin einen Frühstart hin. Sie breakte die Chinesin gleich, hielt dann mit starken Aufschlägen ihr eigenes Service zum 2:0.
Zweiter Aufschlag war zu schwach
Dann riss der Spielfluss bei der Osttirolerin jedoch. Zum einen, weil ihr zweiter Aufschlag Wang zu einfachen Punktgewinnen einlud, zum anderen, weil die Weltranglisten-32. auch defensiv gut verteidigte, Tagger in längere Ballwechsel und oft zu Fehlern zwang. Zudem attackierte Wang die einhändige Rückhand der Österreicherin zunehmend mit hohen Bällen. So holte sie sich den ersten Satz mit 6:3.
Doch die 18-Jährige zeigte wieder einmal, dass eine der größten Stärken, die sie mitbringt, ein gutes Nervenkostüm und die Fähigkeit, kühlen Kopf zu bewahren, ist. Sie schraubte ihre Fehlerquote zurück, servierte vor allem stärker, ließ keine einfachen Returnwinner mehr zu – und holte sich ihrerseits den zweiten Satz mit 6:3.
Lillis Vorhand wackelte
Im entscheidenden Durchgang war die favorisierte Chinesin allerdings mehrheitlich in den Rallyes am Drücker. Taggers Vorhand, an der sie in den letzten Wochen viel gearbeitet hatte, flog oft ins Out oder Netz. In der Endphase brachte Wang Lilli zudem mit Stopps aus der Balance. Tagger gab nicht auf, kämpfte sich beherzt von 1:5 auf 3:5 und sogar mit einem zweiten Rebreak auf 4:5 heran. Doch dann ließ sie erneut die Vorhand im Stich, servierte Lilli bei 15:30 einen Doppelfehler. Schließlich endete Taggers Grand-Slam-Premiere mit 3:6, 6:3, 4:6.
Doch sie hatte schon vor dem Spiel erklärt, dass das Ergebnis im Vergleich zur spielerischen Entwicklung sekundär sei. Ins gleiche Horn blies Vater Stefan: „Es ist super, dass sie hier mit 18 Jahren schon im Turnier ist. Lilli steht noch immer früh in der Entwicklung.“
„Kann trotzdem glücklich sein“
Das war auch Lillis eigenes Empfinden nach dem Match, wenngleich etwas Wehmut mitschwang. „Es war eine enge Partie“, meinte sie. „Am Anfang war ich etwas zu lange auf der Bremse, habe mein Spiel nicht gehen lassen. Im dritten Satz habe ich meine Chancen nicht genutzt. Aber ich habe noch viel zu lernen, kann glücklich sein.“
Ein Faktor war vielleicht auch die Änderung an der Vorhand, die sie in den letzten Wochen eingeleitet hatte und die doch zu einigen Fehlern führte. Tagger hatte ihren Griff dahingehend geändert, den Schläger etwas mehr zuzumachen, mit leicht weniger Spin zu agieren. „Ich habe einfach gesehen, dass ich etwas ändern muss, um mit den besten Spielerinnen mithalten zu können. Bisher habe ich für die Vorhand zu viel Energie gebraucht“, begründete die 18-Jährige. Aktuell fühlt sich der neue Griff für sie noch nicht ganz gewohnt an. Langfristig sollte die Änderung Tagger aber helfen.
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