Radikalisierung schon mit elf Jahren? Wie gefährlich soziale Medien sind, weiß Geheimdienst-Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) – er drängt auf eine österreichische Lösung im Social-Media-Verbot und hofft auf Innovationen des freien Marktes.
„Krone“: Vergangene Woche hatten wir in der Redaktion der „Kärntner Krone“ Besuch von 12- bis 14-jährigen Schülerinnen und Schülern – ich habe mit ihnen auch über das Social-Media-Verbot gesprochen. Was glauben Sie: Sind sie für oder gegen ein Verbot sozialer Medien?
Jörg Leichtfried: Ja, wenn die Umfragen stimmen, sind sie eher dafür.
Tatsächlich, die meisten waren dafür. Was macht soziale Medien so gefährlich?
In Österreich ist der Verfassungsschutz mit mehreren Problemen konfrontiert, die eigentlich ständig da sind und stärker werden. Eines dieser Probleme ist die massiv ansteigende Radikalisierung in Richtung Rechtsextremismus und islamistischer Extremismus, die beide auch eine starke Tendenz zu terroristischen Akten haben. Und wenn man das genauer analysiert, stellt man fest, dass die Menschen, die radikalisiert werden, immer jünger werden. Und wenn man das weiter analysiert, stellt man fest, dass die Radikalisierung zu einem riesigen Prozentsatz aus dem Internet entsteht. Und wenn man es noch genauer analysiert, sind Social-Media-Plattformen die Plattformen, wo das vermehrt stattfindet. Und das passiert nicht zufällig. Es gibt da in mehreren Ländern außerhalb Europas Camps von Terrororganisationen, wo ganz bewusst junge Europäerinnen und Europäer radikalisiert werden. Das beginnt teilweise bereits mit elf, zwölf Jahren. Und das wird unterstützt von extrem aggressiven Algorithmen, die eben gerade in speziellen Social-Media-Plattformen so installiert sind, dass sie möglichst ein einheitliches, sehr einseitiges Lebensbild zeigen. Die Radikalisierung in diesen beiden Bereichen findet verstärkt über Social-Media-Plattformen statt.
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