Trenčín

Europas Kulturhauptstadt in allen Farben

Reisen & Urlaub
19.02.2026 11:00

Neben Oulu in Finnland ist die westslowakische Stadt Trenčín die zweite Europäische Kulturhauptstadt 2026. Mit buntem, niederschwelligem Programm möchte man viele Gäste in die Stadt mit charmanten Gegensätzen unter der alles beherrschenden Burg locken.

Im elften Jahrhundert wurde mit dem Bau der Burg von Trenčín begonnen. In der Zeit der osmanischen Expansion im 16. und 17. Jahrhundert war sie wichtiger Verteidigungsposten im Habsburgerreich. Am Fuße der die beschauliche Stadt beherrschenden Burganlage sorgt das erste Haus am Platz, das Hotel Elisabeth, mit seinem Café Sissi heute noch für einen Hauch altösterreichischen Charme.

Seit dem 14. Februar blickt die stolze, mächtige Anlage offiziell auf Trenčín als Europäische Kulturhauptstadt.

Malerisch erhebt sich die Burganlage über der Stadt. Die Renovierung zum Kulturhauptstadt-Jahr ...
Malerisch erhebt sich die Burganlage über der Stadt. Die Renovierung zum Kulturhauptstadt-Jahr ist noch nicht abgeschlossen.(Bild: Archiv Trencín 2026)

Auf einer Freiluftbühne im Burghof, mit Blick in die „Weißen Karpaten“, das Grenzgebiet zu Tschechien, und hinunter ins Tal, wo die Waag, der längste Fluss der Slowakei, fließt, fand am Valentinstag die Eröffnungszeremonie statt.

Die ganze Stadt feiert mit
Mit einem glühenden Bekenntnis zu Europa, für Demokratie, Offenheit und die Freiheit der Kunst schickte der Bürgermeister Richard Rybníček seine Stadt an den Start. Um dann selbst am Abend das Schlagzeug seiner Undergroundband auf einer der Open-Air-Bühnen zu bedienen.

Denn ein Eröffnungswochenende lang wurde Trenčín mit seinen rund 54.000 Einwohnern zur großen Bühne. Mit Umzügen, einem Eröffnungskonzert am Hauptplatz, Musik-Acts slowakischer und internationaler Bands in Clubs und im Freien. Dazu ließ man Burg und Stadt in bunten Farben leuchten, schossen Laserstrahlen in den Nachthimmel. Ein Vorgeschmack auf das Lichtkunst-Festival im April (10. & 11.).

Die Burg mit Licht in Szene gesetzt.
Die Burg mit Licht in Szene gesetzt.(Bild: Archiv Trencín 2026)
Auch im Park „wurde es Licht“.
Auch im Park „wurde es Licht“.(Bild: Archiv Trencín 2026)

In der barocken Piaristenkirche setzte man den Altar mit Licht und Sound dramatisch in Szene. Der Sakralbau am zentralen Mierové-Platz wurde einst von den Jesuiten errichtet, was die üppige barocke Innenausstattung erklärt. Ihr gegenüber schaut das nächste religiöse Bauwerk, auf halbem Weg zur Burg, hinab in die Altstadt.

In dieser gotischen Kirche „Zur Geburt der Jungfrau Maria“ wurde zur Eröffnung – ohne Gottesdienst geht es in der hochkatholischen Slowakei natürlich nicht – eine Jugendmesse mit DJ und Rapper zelebriert, während wenig weiter, in der Synagoge, dem dritten Gotteshaus im Zentrum, Klezmer begeisterte.

Trenčíns stolze Synagoge im Art-Déco-Stil bekam ihre alte Bemalung wieder zurück.
Trenčíns stolze Synagoge im Art-Déco-Stil bekam ihre alte Bemalung wieder zurück.(Bild: Tomas Mego)

Die Synagoge von 1912/13 zählt zu den größten der Slowakei. Entworfen hat sie der im nahen Pieštàny geborene, in Berlin ausgebildete Richard Scheibner als wahren Prachtbau in byzantinischem Art Déco. 1619 Juden lebten bis 1940 in Trenčín, heute sind es gerade noch rund 60. Die haben sich um die Wiederinstandsetzung der als Pferdestall und Textillager missbrauchten Synagoge bemüht.

Heute erstrahlt sie innen wieder in alter Schönheit. Selbst wenn das Geld dafür nicht aus dem Kulturhauptstadt-Topf, kam, spielt das Baudenkmal 2026 dennoch mit Konzerten, einer Ausstellung zur jüdischen Geschichte oder einer Biennale jüdischer Kunst als Veranstaltungsort mit.

Auch die Kunst leuchtet
Ums Eck markiert gebauter Brutalismus von 1985 abrupt das Ende der Altstadt: das Haus der Armee, Kulturzentrum und Klub, das Thema im Architektur-Schwerpunkt „Sensitive about Brutalism“ im Oktober sein wird.

INFOS

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

  • Das Programm der Europäischen Kulturhauptstadt, alles Wissenswerte und alle Neuigkeiten findet man unter www.trencin2026.eu 
  • Die Website der Touristeninformation listet die Sehenswürdigkeiten der Stadt, Events, Kulturveranstaltungen, aber auch Ausflugsziele in der Umgebung auf. (www.visit.trencin.sk)
    Das Büro ist in der Altstadt am Mierové námestie 9 zu finden oder unter +421 (0) 32/ 16 186 telefonisch zu erreichen.

WELLNESS-TIPP: Nur ein paar Kilometer entfernt befindet sich die Kurstadt Trenčianske Teplice mit einem historischen Hammam von 1888

Infos: www.kupele-teplice.sk – Reservierung empfohlen!

Weit eleganter und nur wenige Schritte entfernt, besticht das Kulturzentrum Trenčín im feinsten Bauhaus-Stil. Auf den trifft man immer wieder in der Stadt – auch am Rande, im Merina-Komplex, wo man in der einstigen Textilmetropole Merino-Wolle aus Neuseeland verarbeitete. Unverständlich: Trotz heftiger Kritik musste letztes Jahr die historische Turbinenhalle des Areals für ein geplantes Einkaufszentrum weichen. In einem der verbliebenen Gebäude ist die Galerie Nová Vlna untergebracht. Sie zeigte zuletzt passend subtile Foto-Porträts von Boris Németh mit Menschen in historischen Trachten der Gegend.

Boris Némeths Fotos zeigen Menschen von heute in alten Trachten.
Boris Némeths Fotos zeigen Menschen von heute in alten Trachten.(Bild: Stefan Musil)

Kunst gibt es auch am Weg dorthin, ein kleines Leuchtobjekt am Bahnhof von der Schweizerin Pipilotti Rist oder Neonfiguren, die es sich im Park gemütlich machen.

Das Hauptprojekt „Fiesta-Brücke“ wurde nicht fertig. Die Grafik zeigt, wie es ab September ...
Das Hauptprojekt „Fiesta-Brücke“ wurde nicht fertig. Die Grafik zeigt, wie es ab September aussehen soll.(Bild: Archiv Trenčín 2026)

Auch in der Unterführung der großen Umfahrungstraße hängen Fotos des Österreichers Oliver Ressler, die den Autoverkehr kritisch beleuchten. Der Weg daran vorbei führt zum Leuchtturmprojekt von Trenčín: Die alte Eisenbahnbrücke soll begrünte Flanier- und Veranstaltungsmeile werden. Doch man ist verspätet. Die Eröffnung der „Fiesta-Brücke“ wurde auf September verschoben. Ein weiterer Anlass, Trenčín zu besuchen.

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