Weil die Rettungsdienste permanent ihre Leistungen am Land verringern, werden jetzt immer Ideen für einen Ersatz laut. Wie eine aus Ärztekreisen, dass Feuerwehren künftig auch bei der Gesundheitsversorgung mitmachen sollen. Dazu gibt es ein ganz klares Nein der Florianis. Was die Ärztekammer dazu sagt ...
Eine heiße Debatte im NÖ Gesundheitswesen, weniger hitzig hingegen für die Feuerwehr: Nachdem ein Landarzt mit Funktion in der Ärztekammer bei Landesfeuerwehrchef Dietmar Fahrafellner anregte, dass die Feuerwehr Teile der medizinischen Versorgung übernehmen könnte, machte das Fahrafellner kurz auch intern zum Thema.
Grund für die Idee des Mediziners: Die Rettungsdienste würden permanent ihre Leistungen speziell im ländlichen Raum verringern und die Feuerwehr könnte sich mit ihren 105.000 Mitgliedern in NÖ beim Gesundheitswesen einbringen – zum Beispiel auch als First-Responder.
Wir garantieren Einsatzbereitschaft rund um die Uhr und stemmen viele Aufgaben. Wir können nicht noch weitere übernehmen.

NÖ Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner
Bild: APA/HELMUT FOHRINGER
Nicht Mankos anderer kompensieren
„Wir wollen sicher nicht auch noch Rettung spielen, das könnten wir auch nicht“, erteilt Fahrafellner auf „Krone“-Anfrage der Idee eine klare Absage. Die Feuerwehr habe gesetzlich geregelte Einsatzgebiete und man sei nicht dazu bereit, Mankos aus anderen Bereichen zu kompensieren.
Ärztekammer: Berechtigte Sorgen über Ausdünnung
First-Responder-Dienste seien nicht Teil eines Rettungsregeldienstes, hält die niederösterreichische Ärztekammer fest. „Unbestritten ist, dass die Ausdünnung des Rettungsdienstes und insbesondere des Notarztwesens – vor allem im ländlichen Raum – zu berechtigter Sorge führt und neue Überlegungen notwendig macht“, sagt Dr. Florian Hoffer, Notfallreferent der Kammer.
Internationale Beispiele, wie etwa „Helfer vor Ort“-Systeme in Deutschland, würden zeigen, dass auch Feuerwehren im Einzelfall in solche Konzepte eingebunden sein können. „Diese Modelle müssen aber sorgfältig geprüft und an die regionalen Gegebenheiten angepasst werden“, so Hoffer.
First-Responder-Systeme können unterstützen, sind aber kein Ersatz für einen flächendeckenden Rettungs- und Notarztdienst.

NÖ Ärztekammerpräsident Harald Schlögel
Bild: Phillip Monihart
Starkes Rettungs- und Notarztwesen benötigt
Das findet auch Ärztekammerpräsident Harald Schlögel, der vor vorschnellen Lösungen warnt: „Gedankenspiele sind legitim, Schnellschüsse jedoch nicht!“ Freiwillige First-Responder-Systeme dürften nicht als Ersatz für den flächendeckenden, qualitätsgesicherten und ausreichend finanzierten Rettungs- und Notarztdienst missverstanden werden. „Aus ärztlicher Sicht benötigt Niederösterreich – sowohl in der Stadt als auch am Land – einen starken Regelrettungsdienst, ein nachhaltig abgesichertes Notarztwesen und ergänzende freiwillige Systeme, die sinnvoll ineinandergreifen“, erläutert Schlögel.
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