Die Lage ist ernst. Die derzeit in Schwechat bei Wien ansässige Kinderärztin mit Kassenvertrag geht Ende März dieses Jahres in Pension. Dann bleibt aus heutiger Sicht 40.000 Kinder und ihren Familien monatelang nur mehr der Weg in die Privatmedizin – oder überfüllte Ambulanzen.
Gemeldet hat die Kinderärztin Frau Dr. Sonja Shukry-Schulz die Schließung ihrer Kassenordination bereits im September des Vorjahres. Es gibt nur eine Bewerbung für die Nachfolge. Darüber wird bei der ÖGK nach Angaben der Gemeinde am 25. März entschieden.Tatsächlich wurde laut Bürgermeisterin Karin Baier schon vor drei Jahren seitens der Gesundheitskasse festgestellt, dass ein Anspruch auf einen zweiten Kinderarzt für die Stadtgemeinde bestehe. Zu einer Umsetzung kam es nicht.
Ordinationsräume für den Ausbau stehen zur Verfügung
Schwechat würde sich eine Kinder-Primärversorgungseinheit wünschen, wofür es sogar schon Räumlichkeiten gibt, deren Nutzung die Gemeinde zum Teil unterstützen würde, etwa für die Einrichtung oder Betriebskosten. 510 m2 stehen zur Verfügung, die Schritt für Schritt ausgebaut werden könnten. Etwa zusätzlich für Kindertherapeuten im Bereich Physio-, Ergo-, Logotherapie, damit eine umfassende Betreuung angeboten werden kann.
Das Primärversorgungszentrum in der Stadtgemeinde in Niederösterreich dürfte zwar Kinder mitversorgen, hat aber den Platz dafür nicht.
„Wir brauchen hier zwei bis drei Monate, um für die neue Kassenstelle alles zu adaptieren. Dann könnte man eröffnen. Es macht ja vorab keinen Sinn, dass wir die Räume so herrichten, wie wir glauben, das muss ja der neue Kinderarzt nach seinen Bedürfnissen machen.
Es heißt: Bitte warten!
Es wäre sich sogar rechtzeitig ausgegangen, wenn im Dezember eine Entscheidung getroffen worden wäre. Wenn es tatsächlich so sein sollte, dass wir am 25.3. Bescheid wissen und wir mit Vollgas arbeiten, dann hätten wir im Sommer wieder eine kinderärztliche Kassen-Versorgung. Aber wir bräuchten sie natürlich vorher schon dringen!“, berichtet Bürgermeisterin Baier.
Betroffen sind etwa 40.000 Kinder und ihre Familien in der Region. Der Weg zum Wahlarzt in Fischamend ist möglich, nicht alle sind aber mobil genug, um rasch dahin zu gelangen. Ganz zu schweigen von den Kosten, die viele Eltern natürlich trotzdem irgendwie aufbringen. Kinderordinationen in Wien, die für das Einzugsgebiet infrage kommen, sind überlastet. Da heißt es dann: „Wir können leider niemanden mehr nehmen.“
Gesunde Kinder sind die Zukunft, hier muss man investieren!
Mag. pharm. Angela Simunek, Stadtapotheke Schwechat, NÖ
Dann gibt es noch die Möglichkeit, nach Mödling ins Spital zu fahren, dort sitzt man dann aber mit all den andren, die keine Versorgung finden im Wartesaal . . .
Besonders engagiert in der Sache ist Mag. pharm. Angela Simunek von der Stadtapotheke Schwechat. Ihr liegt das Wohl der Kinder und jungen Eltern am Herzen, sieht sie den enormen Bedarf an medizinischer Hilfe doch Tag und Nacht an der Tara. „Viele Patienten sitzen viele Stunden mit ihren Kindern in Ambulanzen herum und holen dann sich spät am Abend die Medikamente ab. Es sollten doch eigentlich die Spitäler entlastet und der niedergelassene Bereich ausgebaut werden.“
Fachärzte fehlen
Die Apothekerin berichtet: „Mein Gespräch mit der Krankenkasse zeigte: wahrscheinlich wird es der 1. Juli sein, bis wir wieder einen Kinderarzt in Schwechat haben.“ Auf Eigeninitiative wurde nun ein Wahlarzt gefunden, der Monate aushelfen würde. „Aber wir wünschen uns langfristig eine Kassenstelle. Die Lage ist übrigens auch bei anderen Fächern trist. Unser einziger Hautarzt befindet sich ebenfalls schon in Pension, die ausgeschriebene Kassenstelle immer noch unbesetzt.“ Lamentieren will hier keiner, es soll eine praktikable und hilfreiche Situation für die Bevölkerung gefunden werden. Jetzt hofft Schwechat auf eine schnelle Lösung.
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