Mega-Unterschiede

14 Stromer im Reichweitentest: Einer unter 300 km!

Motor
23.01.2026 06:10
Porträt von krone.at
Von krone.at

Längere Strecken im E-Auto haben ihren prinzipiellen Schrecken längst verloren, doch die kalte Jahreszeit bleibt eine Herausforderung. Skiurlaub mit der Familie? Kommt darauf an. Der ADAC hat die Langstreckentauglichkeit von 14 familienfreundlichen Stromern getestet. Die Unterschiede sind gravierend.

Die Ergebnisse zeigen, dass viele Modelle auch längere Autobahnfahrten bei Kälte inzwischen gut meistern, allerdings mit teils deutlichen Unterschieden bei Reichweite, Verbrauch und Ladegeschwindigkeit.

Klarer Testsieger ist der Audi A6 Avant e-tron performance (Note 1,9). Im Test kommt er nach 3 Stunden und 49 min Fahrzeit 441 Kilometer weit und erreicht einen relativ niedrigen Verbrauch: 23,2 kWh auf 100 Kilometer. „Für die komplette Strecke von München nach Berlin (582 km) ist also ein Ladestopp erforderlich“, resümmiert der deutsche Mobilitätsklub. Durch das 800-Volt-System lädt der Audi 300 Kilometer in 20 Minuten nach und erreicht damit Bestwerte in erzielter und nachgeladener Reichweite.

Audi A6 e-tron: Der Testsieger am Prüfstand
Audi A6 e-tron: Der Testsieger am Prüfstand(Bild: ADAC)

Tesla ist der Verbrauchsprimus
Nur Teslas Model Y (Note 2,5) kann den Audi in Sachen Verbrauch schlagen, es konsumiert trotz Allradantrieb und SUV-Form nur 22,2 kWh/100 km und belegt damit den zweiten Platz. Dicht dahinter folgen der Volkswagen ID 7 Tourer Pro (Note 2,7) und der Smart #5 Premium (Note 2,9).

Für die simulierte Strecke München – Berlin sind mit den meisten der Familien-Elektroautos im Test zwei Ladestopps nötig. Nur zwei Modelle – der Audi A6 Avant e-tron und der Smart #5 – schaffen es mit einem einzigen 20-minütigen Ladestopp ans Ziel. Bei vielen Modellen reicht jedoch ein kürzerer zweiter Stopp aus, um die Reststrecke zu bewältigen. 

Die Ergebnise des ADAC-Winterreichweitentests (Preise gelten für Deutschland, Österreichpreise ...
Die Ergebnise des ADAC-Winterreichweitentests (Preise gelten für Deutschland, Österreichpreise leicht abweichend) - zum Vergrößern bitte klicken!(Bild: ADAC)

800 Volt macht vieles leichter
Insgesamt zeigt der ADAC-Test, dass moderne Elektroautos zunehmend winter- und langstreckentauglich sind, aber es bleiben deutliche Unterschiede zu erkennen. Während immer mehr Fahrzeuge mit 800-Volt-Technik ausgerüstet sind und damit sehr hohe Ladeleistungen von über 200 kW abrufen können, liegen andere Modelle teils deutlich darunter. Fahrzeuge mit guter Effizienz können Lade-Nachteile teilweise kompensieren. Im Test zeigen Tesla und Volkswagen, was auch mit einer 400-Volt-Architektur noch möglich ist.

Im Gegensatz zum vergangenen Reichweitentest sind im diesjährigen Vergleich die teuersten Fahrzeuge nicht unbedingt die reichweitenstärksten. Der Audi liegt zwar mit 76.250 Euro im oberen Preisbereich, die darauffolgenden drei Modelle von Tesla, Volkswagen und Smart kosten in Österreich zwischen 52.990 Euro, 59.290 Euro oder 58.500 Euro und können somit im Vergleich mit ihrer Preis-Leistung punkten.

Die Messwerte im ADAC-Reichweitentest – zum Vergrößern bitte klicken!
Die Messwerte im ADAC-Reichweitentest – zum Vergrößern bitte klicken!(Bild: ADAC)

Einer schafft nicht einmal 300 km
Der teuerste Testwagen, der Volvo EX90 Twin Motor AWD, kostet 94.700 Euro und belegt nur den vorletzten Platz in der Gesamtwertung. Er fällt durch einen hohen Verbrauch von 31,6 kWh/100 km auf, kommt aber dank seiner 107-kWh-Batterie immerhin noch 360 Kilometer weit. Am schlechtesten schneidet der BYD Sealion 7 Excellence AWD ab. Trotz 91,3 kWh großer Batterie bleibt er mit 293 Kilometern Reichweite als einziges Fahrzeug unter der 300-Kilometer-Marke. Der sehr hohe Verbrauch von über 35 kWh/100 km zeigt deutlichen Optimierungsbedarf bei winterlichen Bedingungen.

Die Kluft zwischen WLTP und Realität
Wie erwartet zeigt sich generell, dass insbesondere im Winter die Werte der WLTP-Reichweitenangaben fernab der realen Reichweite liegen. Während die WLTP-Werte bei 23° C und einem moderaten Fahrprofil gemessen werden, lag der Mehrverbrauch im Winter-Langstreckentest bei 0° C und Autobahntempo durchschnittlich 57 Prozent über der WLTP-Angabe. Am stärksten weicht der Hyundai Ioniq 5 ab (69 Prozent), die geringste Abweichung wurde mit 40% beim Tesla Model Y festgestellt. 

So wurde getestet
Getestet wurden die reichweitenstärksten Elektroautos von 14 verschiedenen Marken mit einer WLTP-Reichweite von mindestens 500 Kilometern und einem Neupreis unter 100.000 (in Deutschland). Voraussetzung war zudem, dass die Fahrzeuge in der Kategorie „Familie“ des ADAC Autotests mindestens die Note 3,0 erreicht haben. Um alle E-Autos objektiv miteinander vergleichen zu können, fand der Reichweitentest im „ADAC Testlabor Elektromobilität“ bei winterlicher Außentemperatur von durchschnittlich 0 °C statt. 

Simuliert wurde eine Strecke von München nach Berlin: Der ADAC hat die Strecke über die Autobahn A9 bei einer Realfahrt aufgezeichnet und in den Prüfstand importiert – inklusive Steigungen, Gefälle und realistischem Verkehrsgeschehen. So mussten sich alle Fahrzeuge den exakt gleichen Geschwindigkeiten und äußeren Einflüssen wie Verkehr, Wind, Wetter oder Stau stellen. Im Anschluss an die Reichweitenmessung wurden die Fahrzeuge an einem 300-kW-Schnelllader vollgeladen und die Ladeleistung aufgezeichnet. Aus der nachgeladenen Energiemenge wurde der Stromverbrauch (inkl. Ladeverluste beim DC-Laden) ermittelt und die in 20 min Schnellladung (ab 10 % SoC) nachgeladene Reichweite berechnet. Untersucht wurden die Fahrzeuge nach drei Kriterien: erzielte Reichweite (25 Prozent), nachgeladene Reichweite in 20 Minuten (25 Prozent) und der Verbrauch (50 Prozent).

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