Carlos Alcaraz lächelte verschmitzt zu Jannik Sinner herüber und schickte seinen Kumpel mit einer nett verpackten Revanche-Warnung in den Urlaub. „Ich hoffe, du bist bereit für das nächste Jahr - denn ich werde bereit sein“, sagte Spaniens Tennis-Star bei der Sieger-Zeremonie nach dem von ihm verlorenen Endspiel der ATP-Finals gegen seinen italienischen Dauerrivalen. Dieses Duell wird auch 2026 das Männer-Tennis prägen, Sinner und Alcaraz dominieren die Konkurrenz.
Die vergangenen acht Grand-Slam-Titel gehen allesamt auf das Konto von Sinner und Alcaraz, die in Turin wie erwartet auch das Prestigeturnier der acht besten Spieler des Jahres unter sich ausmachten. Die deutliche Überlegenheit von „Sincaraz“ ist Chance und Risiko zugleich für das Tennis. Für die fast schon bemitleidenswerte Konkurrenz um Alexander Zverev ist sie ohne Zweifel erdrückend, denn mit gerade mal 24 und 22 Jahren haben Sinner und Alcaraz ihre beste Zeit vermutlich erst noch vor sich.
„Big Two“ statt „Big Three“
Was vor nicht allzu langer Zeit die „Big Three“ mit Roger Federer, Rafael Nadal und dem noch aktiven Novak Djokovic waren, seien heute die „Big Two“, wie US-Profi Taylor Fritz in Turin leicht resignierend feststellte. Sinner und Alcaraz seien „Lichtjahre“ entfernt vom Rest, hatte Zverev schon vor Wochen geäußert. In der am Montag von der ATP aktualisierten Weltrangliste liegt Zverev als Dritter sagenhafte 6340 Punkte hinter dem Duo zurück. „Zwei Jahre pure Dominanz“ attestierte Tennis-Ikone Boris Becker den beiden Superstars. Manche Experten befürchten bei einer ewig gleichen Final-Paarung Langeweile. Becker sieht das anders. „Wir erleben einen wirklichen Tennis-Boom“, sagte er bei Sky, „und das aufgrund von Alcaraz und Sinner“.
Spanischer Spielwitz gegen italienische KI
Der Reiz des Duells wird durch die deutlichen Unterschiede im Spiel und Charakter verstärkt. Hier der extrovertierte Lebemann Alcaraz, der mit viel Spielwitz die Fan-Herzen erobert und auch von den Tifosi in Turin gefeiert wurde. Dort der kühle Perfektionist Sinner, der für Ex-Spielerin Andrea Petkovic vor allem in der Halle „zu einer Art künstlichen Intelligenz“ wird. Das Problem der „Verfolger“: Die sportliche Rivalität untereinander motiviert Sinner und Alcaraz zusätzlich, lässt sie im Training härter arbeiten und macht sie letztlich immer besser. Gegen Alcaraz müsse man „über sich hinauswachsen“, erklärte Sinner, und natürlich sei die Match-Bilanz mit seinem großen Widersacher „bedeutsam“. Durch das 7:6(4),7:5 und den zweiten Triumph in Serie bei den ATP-Finals konnte er in der offiziellen Bilanz auf 6:10 verkürzen.
Was ebenfalls beeindruckt: Trotz des riesigen Ehrgeizes auf beiden Seiten hat sich zwischen den Spielern eine Freundschaft entwickelt, die nicht aufgesetzt erscheint. „Wir sind auch abseits des Platzes gute Freunde“, sagte Sinner. Auch unter den Teams herrsche „eine gute Harmonie“. Müsste er einen anderen Spieler als ATP-Champion wählen, „würde ich mich immer für dich entscheiden“, sagte Sinner an Alcaraz gerichtet: „Du bist definitiv ein Spieler, zu dem ich aufsehe. Du bist eine große Motivation.“ Dann wünschte der Italiener dem Spanier noch „viel Glück“ für die Endrunde im Davis Cup in dieser Woche in Bologna.
Dort will Alcaraz trotz seiner leichten Oberschenkelprobleme im Finale gegen Sinner Spanien zum Sieg führen. Ein erneutes Duell mit Sinner wird es dort nicht geben, der ATP-Champion verzichtet aus Belastungsgründen auf einen Start mit Titelverteidiger Italien. Er weiß: Auch im nächsten Jahr wird ihm Alcaraz alles abverlangen. Angekündigt hat er es ja schon ...
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