Der Entschluss von Leon Grgic, künftig für Kroatien zu spielen, war ein herber Rückschlag für den ÖFB. „Das ist schon eine der ganz großen Enttäuschungen. Wenn man über Monate und Jahre auch in offenen Gesprächen das Signal bekommt, es passt“, schildert Aufsichtsratschef Josef Pröll.
Die Anfeindungen, denen der Sturm-Graz-Angreifer nach der vom ÖFB kommunizierten Entscheidung ausgesetzt war, verurteilt der Verbandschef als „falsch“.
Es sei auch nicht die Intention der Kommunikation gewesen. Dass man sage, man sei enttäuscht, sei kein Urteil über den Spieler. „Aber als ÖFB in Deckung zu gehen und nichts dazu zu sagen, ist fatal auf Dauer.“
Das sieht auch der zuständige Sportdirektor Peter Schöttel so. „Wir wollten nicht immer nur reagieren, sondern von uns aus kommunizieren. Dass er dann beschimpft wird, ist etwas, das wir nicht wollen. Umgekehrt werden wir permanent beschimpft, dass wir nichts tun. Wir wollten nur aufzeigen, dass wir uns intensivst um den Spieler bemüht haben und sehr, sehr viel investiert haben.“
Braucht es neue Regeln für Doppelstaatsbürger?
In der Vergangenheit hätten sich auch viele wichtige Spieler für Österreich entschieden. „Es ist keine Einbahnstraße“, betont Pröll und erwähnte Marko Arnautovic oder Raul Florucz. Das Thema müsse aber auch in der neuen Gesamtstrategie für den österreichischen Fußball, die der Verband bis nächstes Jahr ausarbeiten will, ihren Niederschlag finden. „Das wird eine Debatte sein, die wir zu führen haben.“
In manchen Nachwuchsauswahlen habe man bereits zu zwei Dritteln Spieler mit Doppelstaatsbürgerschaften. „Wir haben keine Möglichkeiten, steuernd einzugreifen, außer mit Soft-Faktoren“, schildert Pröll. Der frühere ÖVP-Politiker stellt „angesichts dieser Entwicklung in Europa“ die Frage in den Raum, ob man beim Weltverband FIFA oder anderen zuständigen Organisationen intervenieren müsse, „um neue Regeln aufzustellen“.
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