17.10.2013 21:20 |

Film über Fan-Film

So drehten Teenies in den 80ern Indiana Jones nach

Ihre Leidenschaft für Indiana Jones kannte keine Grenzen: Sieben Jahre lang haben zwei US-Teenager in den 1980er-Jahren daran gearbeitet, "Jäger des verlorenen Schatzes" nachzustellen - Szene für Szene und oftmals unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Jetzt soll die wahnwitzige Entstehungsgeschichte des auch nach Steven Spielbergs Meinung "besten Fan-Films aller Zeiten" verfilmt werden.

1982 hatten Chris Strompolos und Eric Zala, zwei damals gerade einmal elf Jahre alte Burschen aus Ocean Springs im US-Bundesstaat Mississippi, eine verrückte Idee: Sie wollten Steven Spielbergs "Jäger des verlorenen Schatzes" nachdrehen: Jede Szene, jede Einstellung und jeden Stunt des 115 Minuten langen ersten Abenteuers von Indiana Jones wollten sie mithilfe von Freunden eins zu eins nachstellen und auf Film bannen (Bilder unten).

Große Leidenschaft, wenig Geld
Das Duo hatte für seine Vision wenig Geld und Ausrüstung zur Verfügung, konnte ausschließlich in den Sommerferien drehen und erlebte zahlreiche Rückschläge, etwa, als es versehentlich Erics Zimmer - und seinen Rücken - in Brand setzte. In Lebensgefahr geriet der Bub zudem, als die beiden einen Abguss von seinem Gesicht machen wollten. Die Hobbyfilmer verwendeten mangels speziellen Kunststoffs, der für solche Spezialeffekte vorgesehen ist, billiges Material, wie es auf Baustellen zum Einsatz kommt. Dieses härtete beim Trocknen völlig aus und Eric konnte darunter weder sehen noch hören. Der Abguss musste im Krankenhaus mit einer chirurgischen Verbandssäge entfernt werden.

Mehr Glück hatte dagegen Chris, der vor laufender Kamera den allerersten Kuss seines Lebens bekam - von einem 15-jährigen Mädchen, das die Rolle von Indys großer Liebe Marion Ravenwood übernommen hatte. In bester Hollywood-Manier hatte die weibliche Hauptrolle zudem neu besetzt und zahlreiche Szenen neu gedreht werden müssen - die eigentlich gecastete Darstellerin war mit ihren Eltern nach Alaska gezogen.

1989, Chris und Eric waren mittlerweile 18 Jahre alt, feierte "Raiders of the Lost Ark: The Adaptation" dann in Mississippi "Weltpremiere" vor Freunden und Verwandten. Danach passierte lange nichts, die beiden Hobbyfilmer lebten ihr normales Leben weiter, ihr Fan-Film drohte in Vergessenheit zu geraten. Bei all den Höhen und Tiefen hinterließ das wahnwitzige Filmprojekt aber auch tiefe Spuren an der Freundschaft der beiden Burschen, jahrelang wollten die beiden als Erwachsene nichts mehr miteinander zu tun haben.

Begeisterter Spielberg lud Hobbyfilmer zu Treffen ein
Dies sollte sich allerdings ändern, als Horror-Regisseur und Tarantino-Freund Eli Roth (er spielte den "Bärenjuden" Donny Donowitz in "Inglourious Basterds") eine Kopie des Videos in die Finger bekam und das Remake 2002 einem begeisterten Publikum vorführte. Auch die Autoren der bei Nerds beliebten Hollywood-Website aintitcoolnews outeten sich als große Fans der Adaption, und wenig später schaffte der Fan-Film den Weg bis in die Büroräume von keinem Geringerem als Indy-Regisseur Steven Spielberg selbst. Der Filmemacher zeigte sich tief beeindruckt von der Leidenschaft und dem Durchhaltevermögen der beiden Teenager - und lud Chris und Eric in einem persönlichen Brief sogar zu einem Treffen ein.

Jetzt schickt sich Hollywood-Produzent Jeremy Coon ("Napoleon Dynamite") an, die aberwitzige Geschichte der beiden jungen Hobby-Filmemacher unter dem Titel "Raiders!" selbst auf die große Leinwand zu bringen. "Es war der inspirierendste Film, den ich je gesehen habe. Diese Kinder haben etwas Absurdes und scheinbar Unmögliches gemacht", so Coon, der dank des 2012 erschienenen Buches "Raiders!: The Story of the Greatest Fan Film Ever Made" auf die Geschichte der Hobbyfilmer aufmerksam geworden war. In dem Buch zeichnet Autor Alan Eisenstock liebevoll die Entstehungsgeschichte des aufwendigen Remakes nach.

Geben Indy-Masterminds Erlaubnis für Verfilmung?
Während Coon Chris und Eric, die mittlerweile Anfang 40 und beide in der Unterhaltungsindustrie tätig sind, bereits als Koproduzenten für sein ambitioniertes Projekt gewinnen konnte, fehlt dem Produzenten derzeit noch eine entscheidende Sache: die Erlaubnis der Indy-Masterminds Steven Spielberg und George Lucas.

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