18.04.2013 15:33 |

"Ziemlich brutal"

Mann geohrfeigt: Grazer Polizist zu Geldstrafe verurteilt

Ein Grazer Polizist ist am Donnerstag am Straflandesgericht wegen Körperverletzung für schuldig befunden und zu 5.400 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte einem betrunkenen Autofahrer nach dessen Festnahme im Streifenwagen eine Ohrfeige gegeben. Im Prozess bestritt der Beamte die Tat. Laut dessen Vorgesetzten gab es gegen den Polizisten aber bereits mehrmals Misshandlungsvorwürfe. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Vorfall hatte sich zu Silvester vergangenen Jahres ereignet. Der Polizist hatte Probleme mit einem Betrunkenen, der unerlaubterweise mit einem fremden Auto gefahren war und dann provokant meinte: "Ich hab' eh keinen Führerschein." Außerdem soll er den Beamten so lang beschimpft haben, bis dieser ihn schließlich festnahm und in den Streifenwagen bugsierte.

Auf dem Weg zur Wachstube ist dem Polizisten dann die Hand ausgerutscht - das Opfer erlitt dabei nach eigenen Angaben einen Nasenbeinbruch. Später soll der Polizist dem Mann noch den Daumen verdreht haben, als er ihm das Handy wegnahm.

Opfer: "Er hat mich am Kragen genommen"
Das Opfer beschrieb den Polizisten als ziemlich ungehalten. "Ich war gut aufgelegt", meinte der Kärntner. Der Polizist sei "ziemlich brutal" auf ihn zugekommen. "Er hat mich auf einmal beim Kragen genommen und ins Auto hineingeschmissen", so der Mann. Im Wagen kam es dann zu dem Schlag ins Gesicht, bei dem das Nasenbein brach.

"Es gibt keine Zeugen, das ist frei erfunden", meinte der Verteidiger. Der Angeklagte wies jede Schuldzuweisung von sich. Dass er dem Mann das Handy weggenommen hatte und ihn dabei möglicherweise am Daumen verletzt haben könnte, gab er allerdings zu. Einen Schlag ins Gesicht habe es aber nie gegeben, so der Polizist.

Zahlreiche Misshandlungsvorwürfe gegen Polizisten
Einer der Vorgesetzten des Angeklagten sagte aus, sein Mitarbeiter sei ein "sehr engagierter Beamter", gegen den es allerdings schon zahlreiche Misshandlungsvorwürfe gegeben habe: "Er ist Spitzenreiter", musste der Zeuge eingestehen. Bisher seien aber alle Fälle von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden, räumte der Polizeioberst ein.

"Der Schlag wurde sicher ausgeführt, es war eine Stresssituation, ihm sind die Nerven durchgegangen", meinte Staatsanwalt Johannes Winklhofer. Wegen der angeblichen Verletzung des Daumens gab es einen Freispruch, für die Ohrfeige wurde der Polizist aber verurteilt. Er muss 5.400 Euro Geldstrafe bezahlen und erbat sich Bedenkzeit. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

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