Harte Töne im TV

Polens Ex-Präsident Walesa: Schwule sollen hinter Mauer

Ausland
01.03.2013 21:53
Längere Zeit hat man nichts mehr gehört von Polens Ex-Präsident Lech Walesa. Nun meldete er sich mit eigenwilligen Ansichten zum Umgang mit Homosexuellen zu Wort. Schwule und lesbische Abgeordnete sollten laut Meinung des Friedensnobelpreisträgers im Parlament in der letzten Reihe sitzen - "sogar hinter einer Mauer", so Walesa im polnischen Fernsehen. Damit dürfte die Polit-Ikone in der aktuellen Debatte um homosexuelle Partnerschaften in Polen weiter Öl ins Feuer gegossen haben.

Der einstige polnische Arbeiterführer und spätere Präsident scheint generell keine sehr hohe Meinung von Homosexuellen zu haben. "Sie müssen wissen, dass sie eine Minderheit sind und sich mit kleinen Dingen abfinden müssen, aber nicht nach Gipfeln streben sollen", sagte der bald 70-Jährige am Freitagabend im polnischen Fernsehsender TVN 24.

Neben der Verbannung in die letzte Parlamentsreihe will Walesa Schwulen und Lesben auch vorschreiben, wo sie demonstrieren dürfen. Kundgebungen sollten laut dem früheren Staatsmann nicht in Stadtzentren, sondern in Außenbezirken stattfinden. Das hat für Walesa einen einfachen Grund: "Ich will nicht, dass diese Minderheit, mit der ich nicht einverstanden bin, auf die Straßen geht und meine Kinder und Enkel verwirrt."

Eingetragene Partnerschaften entzweien Polen
Polens Politik streitet derzeit um eingetragene Partnerschaften für homosexuelle Paare. Die rechtsliberale Regierung und die Linksopposition bereiten Gesetzesinitiativen vor, die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften legitimieren sollen. Nationalkonservative Politiker im tiefkatholischen Polen lehnen rechtliche Verbesserungen für schwule und lesbische Paare dagegen ab.

Gewerkschaftsführer, Friedensnobelpreisträger, Präsident
Walesa gilt durch seine Vergangenheit als Vorsitzender der Gewerkschaft Solidarnosc und späterer Präsident als wichtigster Wegbereiter des modernen Polen. Bereits 1983 wurde ihm für seinen Kampf gegen das kommunistische Regime und für die Werte der Demokratie der Friedensnobelpreis verliehen.

Nach seiner Niederlage bei der Präsidentenwahl 1995 gegen Aleksander Kwasniewski scheiterten mehrere politische Comebackversuche. Bei seinem Antreten im Jahr 2000 erreichte er gegen Kwasniewski gerade einmal ein Prozent der Wählerstimmen. Daraufhin zog er sich aus dem politischen Geschäft zurück. Umso überraschender kam nun Walesas ruppige Einmischung in die Tagespolitik.

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