Ein souveräner Sieg von Oscar Piastri beim Formel-1-GP von Aserbaidschan, eine wahnsinnige Aufholjagd durch Lando Norris von Platz 15 auf 4, von Red Bull Racing die Führung in der Konstrukteurs-WM erobert. Bei McLaren läuft derzeit alles am Schnürchen. Alles? Nicht ganz. Denn nach Piastris Sieg in Baku steckt McLaren wieder einmal in einem Dilemma – wie schon mit Senna und Prost im Jahr 1989.
Der eine ein Naturtalent, der andere der „Professor“. Ayrton Senna und Alain Prost verabscheuten sich. Ausgerechnet die beiden versuchte Ron Dennis einst als Teamkollegen bei McLaren zu zähmen. Mit dem „Höhepunkt“ in Japan 1989: Senna und Prost krachten im Kampf um die Führung und den WM-Titel zusammen, Senna konnte weiterfahren, wurde aber disqualifiziert – und Prost wurde doch noch Weltmeister!
Im Jahr 2007 erlebte McLaren neuerlich einen Rosenkrieg, als der junge Lewis Hamilton dem Doppelweltmeister Fernando Alonso die Stirn bot. So weit ist es 2024 noch nicht ganz. Aber Teamchef Andrea Stella steht ausgerechnet nach seinem größten Erfolg – der ersten Eroberung der Führung in der Konstrukteurs-WM seit 2014 – vor einem Dilemma. Eigentlich hatte der britische Stall letzte Woche Lando Norris zur Nummer 1 gekürt.
Vier Tage später musste er zugeben: „Das Überholmanöver von Oscar gegen Charles Leclerc war brillant.“ Nicht nur das: Seit dem Sieg in Spielberg hat Piastri 135 Punkte gesammelt, im selben Zeitraum holte Norris 104 - und WM-Leader Max Verstappen überhaupt „nur“ 94.
Und mit Baku zog der 23-jährige Australier auch in der Siegbilanz gleich – beide McLaren-Piloten halten bei zwei. Allerdings hat Piastri letztes Jahr auch noch den Sprint in Katar gewonnen, Norris noch keinen. Und das nach eineinhalb Jahren in der Formel 1 – sein Stallkollege fährt schon seit 2019 in der Königsklasse.
„Lando hatte Anteil“
Kein Wunder, dass sich Stella zur Ehrenrettung aufmacht: „Lando hat 50 Prozent Anteil am Sieg von Oscar! Ohne seine Hilfe wäre Perez nach dem Boxenstopp vor Oscar gelandet. Dann hätte sich das Rennen ganz anders entwickelt.“
Völlig anders entwickeln wird sich auch das Verhältnis zwischen den beiden Piloten: In Ungarn hat sich Norris erst in der letzten Runde überreden lassen, die Stallorder einzuhalten und Piastri den Sieg zurückzugeben. Bei der nächsten Stallorder wird es spannend: Denn mittlerweile liegt auch Piastri in Schlagdistanz von Verstappen – 91 Punkte Rückstand sind es acht Rennen vor Schluss, Norris hält bei 59.
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