Nach einem „Knick“ wegen der Pandemie mussten die Kärntner Bergretter 2023 wieder öfter ausrücken. Grund ist die Rückkehr des Skitourismus. Negativrekord bei Toten.
Von 18 Ortsstellen aus kümmert sich die Bergrettung in Kärnten um Verunfallte in unseren Bergen und Wäldern. Von den 1096 Mitgliedern – unter ihnen rund zehn Prozent Frauen – sind derzeit 913 aktive Bergretter. Zu ihnen zählen auch die verschiedenen Spezialisten von der Flugrettung oder den 32 Suchhundeteams.
300 Einsätze auf Pisten
Im vergangenen Jahr rückten die Bergretter insgesamt 604-mal aus. „Nach einem ,Post-Covid-Knick’ 2021 steigen die Unfallzahlen kontinuierlich an“, heißt es in der Landesstelle. „Der Grund dafür ist die erneute Zunahme des Skitourismus.“ 300 aller Einsätze fanden auf den Kärntner Skipisten statt, 2018 waren es sogar 418. Mehr als die Hälfte entfallen auf Unfälle beim Skifahren oder Snowboarden.
618 Geborgene aus 25 Nationen
„Wenn wir ausrücken, sind im Schnitt sechs Bergretter rund zwei Stunden im Einsatz, 24-mal waren Hundeteams beteiligt“, erklärt die Bergrettung weiter. „Bei jedem dritten Einsatz ist die Polizei dabei, bei jedem sechsten auch die Rettung.“ 618 Gerettete und Geborgene aus 25 Nationen verzeichneten die Bergretter 2023; mehr als die Hälfte von ihnen waren entgegen gängiger Klischees Österreicher – rund ein Fünftel kommen aus Deutschland. 463 Unfallopfer waren verletzt, 26 konnten 2023 nur noch tot geborgen werden – ein trauriger Rekord wie schon 2018.
Verletzt mitten in einer Felswand, keine Kraft für einen Auf- oder Abstieg in die Sicherheit – ein Albtraumszenario für Bergsteiger. Damit sich Bergretter bei solchen Einsätzen nicht bis zur Unfallstelle abseilen müssen, kommen Hubschrauber zum Einsatz. Doch auch das birgt Gefahren. Denn in dem Moment, bevor das Seil des Bergsteigers, der schon an der Rettungswinde hängt, durchtrennt wird, ist der Hubschrauber an die Felswand „gefesselt“.
Daher wird diese spezielle „Kapprettung“ auch intensiv trainiert. „Dieses ausgefeilte Verfahren trainieren wir mindestens zwei Mal pro Jahr“, erzählt Bertram Bacher, der leitende Flugretter des ARA-3. Doch statt einer Simulation mit Feuerwehrkränen probt die Crew des „ARA-3“ das unter einsatznahen Bedingungen auf dem Nassfeld.
Bis zu zehn Alpinsportler müssen die Flugretter, die zugleich ausgebildete Bergretter sind, jedes Jahr aus der Felswand holen. „Das ist sicher das mit Abstand anspruchsvollste Bergeverfahren mit der Rettungswinde“, erklärt ARA-Flugbetriebsleiter Herbert Graf.
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