Kugelsicher in Serie

DS7 Vauban: SUV ist tatsächlich ein Straßenpanzer

Motor
04.06.2024 06:05

Von wegen „SUVs sind Straßenpanzer“. Dieses ist jedoch tatsächlich einer. Für Politiker, Wirtschaftsbosse oder Militärs bedeutet Sicherheit im Auto oft viel mehr als nur Airbags, ESP, Gurtstraffer oder eine erhöhte Sitzposition. Gefährdete Menschen brauchen gepanzerte Fahrzeuge. Eine Spezialfirma rüstet dazu jetzt das größte SUV von DS in Serie auf.

(Bild: kmm)

„Kick” und „hops”: Diese beiden etwas albernen Worte passen eigentlich so gar nicht zu einem derart seriösen Gefährt. Aber dennoch kommen sie dem Mann am Steuer unweigerlich in den Sinn an diesem verregneten Tag auf der Teststrecke Mortefontaine bei Paris. Denn dieser mehr als zwei Tonnen schwere DS7 legt tatsächlich einen kleinen Hopser hin, als der Fahrer herzhaft das Gaspedal durchtritt.

Gut so. Der Sprung nach vorn könnte schließlich Leben retten. Gilles Demaret schaut dem Fahrversuch im größten SUV der französischen Edel-Marke aus dem Stellantis-Konzern denn auch sichtlich zufrieden zu. „Der schnelle Antritt ist genau das, was unserem Fahrzeug noch einmal die Extra-Portion Sicherheit bringt”, sagt der Ingenieur der Firma WELP, der das Fahrzeug umgebaut hat. Denn genau diese Sicherheit wird im Sondermodell Vauban übergroß geschrieben.

(Bild: DS)
(Bild: Peter Weißenberg)

Schwer aufgerüstet
Sein Gewicht, das etwas höher ist als bei den anderen Serienbrüdern, kommt nicht von ungefähr: Das SUV soll seine Passagiere nicht nur vor desorientierten Lkw-Fahrern auf der Kreuzung oder Auffahrunfällen bei Autobahntempo schützen - auch einen Angriff mit Hammer, Pistole oder Maschinengewehr sollen die Menschen im Inneren unversehrt überstehen – und möglichst flott in die nächste Schutzzone entkommen.

Anders als das historische Vorbild – die mehr als 100 Befestigungsanlagen des Marquis Sébastien Le Prestre de Vauban aus dem 17.Jahrhundert sind ja unbeweglich – ist der DS7 schließlich hochmobil. Die rollende Festung kann sich mit mehr als 200 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit vom Anschlagsort entfernen und in nur 6,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen.

(Bild: DS)
(Bild: DS)

Wenn’s schnell gehen muss
„Schnelle Entfernung vom Gefahrenort ist ein wichtiges Kriterium für den erfolgreichen Schutz der Passagiere”, sagt Baptiste Brebion von DS. Darum fiel die Wahl der Franzosen zum neuesten gepanzerten Fahrzeug denn auch auf den DS7 mit dem Antrieb aus zwei Herzen. Neben dem 1,6-Liter-Benzinmotor mit seinen 200 PS arbeitet ein 113-PS-Elektromotor an der Hinterachse des Fahrzeugs. Und der ermöglicht dank seiner sofort zur Verfügung stehenden maximal 320 Newtonmeter Drehmoment aus dem E-Antrieb den oben erwähnten Hops aus der Gefahrenzone. So schnell kann sich kein anderes gepanzertes Fahrzeug befreien. Und das auch noch so behände, wie ein viel leichteres Fahrzeug das erwarten ließe. Selbst in den engen Kurven der Teststrecke manövriert sich das 4,59 Meter lange Fahrzeug fast wie ein braver Kompaktwagen.

Präsident muss es eher aussitzen
Nicht einmal der französische Präsident hat übrigens so einen schnellen Antritt zur Verfügung: Der DS7 Elysée von Emmanuel Macron ist schließlich wegen erheblich stärkerer (und streng geheimer) Panzerung sowie 20 Zentimeter mehr Länge deutlich schwerer, wohl über eine Tonne. Dem Staatspräsidenten können wegen Rundumbeplankung aus schwerem Panzerstahl weder Minen, Panzerfäuste noch Raketenwerfer etwas anhaben. Der volle elektrische Extra-Kick dürfte darum allerdings etwas zurückhaltender ausfallen. So schnell muss der rollende Elysée-Palast ja auch nicht vom Fleck.

Schon bei diesem ersten gepanzerten DS kooperierte die Marke mit der WELP-Gruppe – und die Zusammenarbeit inspirierte beide Seiten nun zu der Serien-Premiere von geschützten Fahrzeugen. Der deutsche Hersteller für Sonderschutzfahrzeuge panzert auch Autos wie den Cadillac Escalade, Toyotas Land-Cruiser, den Audi A8 oder den Mercedes Sprinter – allerdings immer als individuelle Lösung auf höchstem Schutzniveau. Kürzlich hat WELP in Hérimoncourt nahe der deutschen Grenze Teile eines ehemaligen Stellantis-Werkes übernommen. Im 80 Kilometer entfernten Mulhouse baut DS die Fahrzeuge in Normalausstattung fertig und liefert sie dann dorthin zur Aufrüstung.

Die Panzerung des DS7
Denn vor dem Sprint aus der Gefahrenzone muss der DS7 natürlich den ersten Angriff fahrtüchtig überstehen. Und dazu panzern die Spezialisten den Wagen nach der internationalen Schutz-Klasse VPAM 4: mit Kevlar, einem 22 statt der üblichen 4 Millimeter dicken Glas, Polyethylenplatten und schwedischem Panzerstahl an neuralgischen Stellen. Wer mit Feuerwaffen bis zur .357-Magnum auf das SUV schießt, wird darum im Inneren niemand verletzen können. Und auf Wunsch geben Sirenen, Lautsprecher und Blaulicht das Signal, die Straße zu räumen.

„Wir haben auch eine Sauerstoffflasche im Angebot, die sich hinter der Rückbank montieren lässt. Bei einem Tränengas-Angriff kann so im Inneren die Frischluftzufuhr gesichert bleiben”, sagt Demaret. Und natürlich: Wer auch einen gegen Minen gepanzerten Boden möchte oder noch dickere Panzerglasscheiben, „dem können wir fast jede Art des Zusatzschutzes anbieten”. Bis zur höchsten Schutzklasse 7 ist alles drin. Dann bleiben Geschosse aus AK-47-Gewehren mit der Nato-Standardmunition 7.62 Millimeter ebenso draußen wie panzerbrechende Projektile solchen Kalibers. Im eigenen ballistischen Testgelände malträtieren Demarets Kollegen die Fahrzeuge regelmäßig mit derartigen Waffen.

Mit solchen Sicherheits-Extras allerdings dürfte der Preis eines DS7 um ein Vielfaches über den 165.000 Euro (ohne Mehrwertsteuer) sein, den die Franzosen für das „Basismodell” des Modells Vauban verlangen. „Denn da müssen wir auch den Rahmen verstärken und an Achsen, Stoßdämpfern, Bremsen und der Abstimmung erhebliche Änderungen vornehmen”, so Demaret. Und der Mensch am Steuer braucht zudem einen Lkw-Führerschein.

Wer braucht denn so was?
Der Vauban von der Stange hingegen ist gerade einmal 164 Kilo schwerer als ein ganz normaler DS7 – und darum auch für die ganz gewöhnliche Kundschaft zu fahren. Genau die ist neben Sicherheitsbehörden oder Diplomaten in weniger gefährlichen Ländern eine Klientel, die mit dem Fahrzeug angesprochen werden soll. „Nicht jeder schutzbedürftige Mensch braucht ja die höchste Sicherheitsklasse”, erklärt Manager Brebion – und denkt dabei etwa an die Gattinnen und Kinder prominenter Fußballspieler oder TV- und Pop-Stars, die sich gegen Kidnapping oder Raub wappnen wollen.

Darum auch ist der Vauban im Inneren beachtlich wohnlicher als sein Namensgeber. Die fahrende Festung lässt sich mit allen Leder-, Hifi- oder Holz-Ausstattungen ordern, die es auch in den ungepanzerten Schwestermodellen gibt. Und sogar individuelle Sonderfarben oder bestickte Kopfstützen sind kein Problem – könnte ja sein, dass sich ein Spieler von Paris St. Germain die Vereinsfarben und das Logo wünscht … „Wir sind offen für viele Sonderwünsche”, verspricht Demaret. Schließlich sei WELP aus der Arbeit für Bugatti exotische Ausstattungsideen gewohnt.

Nur eine Option ist im DS7 nicht zu ordern: Statt Panorama-Glasdach gibt es immer nur Stahlblech. Denn darunter liegt der Panzer aus Kevlar über den Köpfen der Passagiere. Man weiß ja nie, was so von oben auf den Vauban prallt. „Krach!“

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(Bild: kmm)



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