Galgen Birkachwald

Projekt will Hingerichtete endlich identifizieren

Steiermark
26.05.2024 19:00

An der Richtstätte Unterzeiring im steirischen Murtal wurden 200 Jahre lang Verbrecher geköpft, gehängt und gerädert. Ein Forschungsprojekt will nun ihre Geschichten erforschen und endlich erzählen.

Es ist wie ein riesengroßes Puzzle: Einerseits sind da die weithin sichtbaren Säulen, die noch an der Richtstätte Birkachwald in Unterzeiring stehen. Ab Ende des 16. Jahrhunderts wurden hier Todesurteile vollzogen. Andererseits sind da die Hunderten Seiten an Gerichtsakten und Vernehmungsprotokollen, die die Schicksale der Verurteilten beschreiben. „Wir versuchen jetzt, auf Basis der Verletzungsmuster die Namenlosen den Gerichtsakten zuzuordnen“, sagt Peter Koch von der Arbeitsgemeinschaft Geschichte und Archäologie, die das Projekt koordiniert.

Am Montag, 27.5. um 14 Uhr findet eine Untersuchung der GeoSphere statt
Am Montag, 27.5. um 14 Uhr findet eine Untersuchung der GeoSphere statt(Bild: Peter Koch/AGGA)

2013 haben die Forschungen begonnen, irgendwann ist man aber angestanden. Jetzt haben Koch und Gerfried Kaser ein interdisziplinäres Team zusammengestellt, das die vielen Rätsel lösen soll: Den Beginn macht am Montag um 14 Uhr eine bodenmagnetische Untersuchung der GeoSphere Austria – Zuschauer sind herzlich eingeladen. „Da sehen wir alle baulichen Veränderungen bis zu drei Meter unter der Erde.“

Hochkomplexe Forschungsarbeit
Dadurch könnte etwa ein Steinkreis gefunden werden, der auf Hexenverbrennungen hindeuten könnte. Die Antwort auf die Frage, wie viele Menschen hier zu Tode kamen, zeigt, wie komplex die Forschung ist: „Bis jetzt haben wir zehn Skelette gefunden. Viele davon sind aber nicht komplett, wegen Wildfraß und weil sich die Leute damals Knochen als Abwehr gegen böse Geister gegen die Tür genagelt haben. Akten gibt es zu etwa 50 Fällen, es könnten aber auch hundert sein“, sagt Koch.

Die gefundenen menschlichen Überreste werden von Gerichtsmedizinern der Med Uni Graz untersucht, außerdem arbeiten Historiker der Uni Graz am Projekt mit. Es wird dauern, bis all die Namenlosen ihre Identität zurückbekommen.

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