Heikler TV-Auftritt

Altes Zitat über Waffen-SS holt FPÖ-Chef Kickl ein

Politik
24.05.2024 15:32

Waren alle SS-Mitglieder Kriminelle? Nein, meinte der EU-Spitzenkandidat der deutschen AfD, Maximilian Krah. Seine Aussagen führten zum Rausschmiss seiner Partei aus der Nationalisten-Fraktion in Brüssel. Mit seiner Meinung ist er offenbar nicht allein: Ein Blick ins Archiv fördert verblüffende Parallelen zwischen FPÖ-Chef Herbert Kickl und Krah zutage.

Stein des Anstoßes war ein Interview Krahs mit der italienischen Zeitung „La Repubblica“. Krah hatte gesagt, nicht alle Mitglieder der SS seien kriminell gewesen. „Ich werde nie sagen, dass jeder, der eine SS-Uniform trug, automatisch ein Verbrecher war.“ Auf die Frage, ob die SS-Leute Kriegsverbrecher seien, antwortete er: „Es gab sicherlich einen hohen Prozentsatz an Kriminellen, aber nicht alle waren kriminell.“

Die Konsequenzen folgten prompt. Die Rechtsparteien Europas gingen auf Abstand zur AfD. In Brüssel sind die Deutschen gar aus der Rechtsfraktion ID geflogen. Nur aus Wien bekam die AfD Unterstützung. Die FPÖ stimmte zwar für den Ausschluss von Krah, jedoch für den Verbleib der AfD. Die Begründung: „Es gibt keine Kollektivhaftung.“

Kickl und Krah auf gleicher Linie
Worte, die bekannt vorkommen. Denn was Krah einer italienischen Zeitung erzählte, verbreitete FPÖ-Chef Kickl schon vor 14 Jahren in einer Talkshow. In einer ATV-Diskussion hatte er gegenüber dem damaligen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant, eine kollektive Verurteilung der Mitglieder der Waffen-SS als „Unsinn“ abgelehnt.

Die SS

  • Die nationalsozialistische SS bewachte und verwaltete unter anderem die Konzentrationslager und war maßgeblich für weitere grausame Kriegsverbrechen verantwortlich.
  • Bei den Nürnberger Prozessen nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie zu einer verbrecherischen Organisation erklärt. 

„Da werden wir uns nicht darauf verständigen können, dass ein Verein als solcher oder eine Einheit wie die Waffen-SS kollektiv schuldig zu sprechen ist“, sagte Kickl bei der Debatte vor 14 Jahren, erinnerte nun das „profil“.

Schuld sei etwas Individuelles, genauso wie Unschuld etwas Individuelles sei, argumentierte Kickl. Zum Einwand Muzicants, dass die Waffen-SS in den Nürnberger Prozessen als verbrecherische Organisation eingestuft wurde, entgegnete Kickl, es sei „genauso Unsinn“, wenn für die Wehrmacht eine „kollektive Unschuldsvermutung“ gelte.

Kritik von heimischen Parteien
Die verbreiteten Aussagen sorgten am Freitag für Kritik bei der politischen Konkurrenz. Es sei nicht überraschend, dass die FPÖ gegen den Ausschluss der AfD aus der gemeinsamen Rechtsfraktion ID im EU-Parlament gestimmt habe: „Nein, Kickl selbst hat ja die Waffen-SS verharmlost“, erklärte die SPÖ auf X.

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Dem Treiben Kickls ein Ende bereiten

(Bild: APA/HANS KLAUS TECHT)

fordert ÖVP-Generalsekretär Christian Stocker

„Diese Aussagen von Herbert Kickl sind eine Verharmlosung der Gräuel des Nationalsozialismus und offenbaren das Weltbild Kickls“, kritisierte auch ÖVP-Generalsekretär Christian Stocker. „Wer mit einer solchen Geisteshaltung Politik macht, hat in einem demokratischen Parteienspektrum nichts verloren“, so Stocker. Es sei zu hoffen, „dass die gemäßigten Kräfte innerhalb der Freiheitlichen Partei zur Vernunft kommen und dem Treiben Kickls ein Ende bereiten“.

Klarstellung gefordert
Die NEOS forderten eine sofortige Klarstellung von FPÖ-EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky und warfen ihm Scheinheiligkeit vor, weil er Krahs Aussage als inakzeptabel bezeichnet, aber keine Kritik an der Aussage Kickls geübt habe. Dabei gebe es keinen inhaltlichen Unterschied, beide Sager würden das kaltblütige Morden der SS in unerträglicher Weise verharmlosen, beide seien inakzeptabel, so Generalsekretär Douglas Hoyos.

„Ob AfD-Krah oder FPÖ-Kickl, SS-Verharmlosungen sind untragbar“, kritisierte auch Grünen-Generalsekretärin Olga Voglauer. Ein solcher Geschichts-Revisionismus zeige, „wessen Geistes Kind Herbert Kickl und seine rechtsextreme FPÖ sind“.

Kein Kommentar von der FPÖ
Die FPÖ wollte sich am Freitag nicht dazu äußern. Nach Veröffentlichung von Krahs Aussagen kam vor allem vom französischen Rassemblement National von Marine Le Pen deutliche Kritik. Es seien „Rote Linien“ überschritten worden. Ob diese auch rückwirkend gezogen werden, bleibt abzuwarten.

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