Hoch gehen die Wogen im Streit um die neu ausgerufene „Leitkultur“. Vielleicht sollten wir den Blick ein wenig weiten – und zwar zeitlich wie auch räumlich. Das empfiehlt Naturwissenschafter und Autor Christian Mähr.
Für die Hitzigkeit des aktuellen Streits bringt das nichts. Denn ein bisschen Nachdenken bringt nur eines: deutliche Abkühlung. „Leitkultur“ erinnert nämlich an „Leithorizont“, ein Begriff, der in der Paläontologie und der Archäologie verwendet wird: eine Schicht im Boden, wo sich charakteristische Überbleibsel einer bestimmten Epoche finden. Mikroskopisch kleine Kalkschalen im einen, besonders geformte Gewandspangen im anderen Fall. Die Kalkschalen sind Millionen Jahre alt, die Gewandspangen 2000 oder so.
Was wird man in 2000 Jahren von unserer Zeit finden? Was enthält der Leithorizont „frühes 21. Jahrhundert“, was könnte von den Archäologen dieser fernen Zukunft ausgegraben werden (wohl eher von den selbständig agierenden Archäologierobotern, genannt Archi-Bots)?
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