Fr, 17. August 2018

Erreger-Schleudern

25.04.2012 07:00

60 neue Virenarten in Fledermäusen entdeckt

Fledermäuse sind einer neuen Studie zufolge der Ursprung gleich mehrerer gefährlicher Viren. Die Erreger von Masern, Mumps und weiteren Krankheiten haben sich demnach von diesen Tieren aus auf den Menschen verbreitet. Dieses Ergebnis von Arbeiten in der Natur und im Genlabor präsentierte ein internationales Forscherteam unter Leitung des Bonner Virenexperten Christian Drosten am Dienstag.

Diese Viren können auch Lungenentzündungen und Erkältungskrankheiten verursachen. Damit könnte die Ausrottung vieler gefährlicher Krankheiten schwieriger werden als bisher angenommen, sagte Drosten, der das Institut für Virologie an der Bonner Uniklinik leitet. Die Fledermäuse böten ein Reservoir, aus dem Viren nach Impfkampagnen zurückkommen könnten.

Über 60 neue Virenarten entdeckt
Insgesamt wurden bei dem internationalen Projekt 9.278 Tiere - darunter 86 Fledermaus- und 33 Nager-Arten - aus Europa, Südamerika sowie Asien untersucht und dabei mehr als 60 neue sogenannte Paramyxoviren entdeckt, so die Forscher, die ihre Ergebnisse im Fachjournal "Nature Communications" veröffentlicht haben.

Das ist eine potenziell gefährliche Artenvielfalt, die selbst die Forscher überraschte. "Wir wollten wissen, woher wichtige Viren kommen“, sagt Drosten. Auf der Suche nach einer Stichprobe entschieden sich die Wissenschaftler zum einen für die Familie der Paramyxoviren. Sie können unter anderem mit Mumps, Masern und Lungenentzündungen den Menschen und mit Rinderpest und Hundestaupe auch Zuchttieren gefährlich werden.

Enger Kontakt begünstigt Ansteckung
Zum anderen wollten sie Säugetiere untersuchen, bei denen sich Viren besonders wohlfühlen und sich gut vermehren. "Fledermäuse und Nagetiere bilden riesige Kolonien, bei den Fledermäusen können es Sozialverbände mit bis zu einer Million Tiere sein", sagt Drosten. "Das entspricht unseren Großstädten. Der enge Kontakt begünstigt die Ansteckung."

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