Mi, 22. August 2018

Medizin-Skandal

21.12.2011 08:05

Gefährliches Billig-Silikon: Betroffene auch in Österreich

Ein französischer Billig-Silikon-Skandal beschäftigt auch Österreich: Nachdem aufgedeckt worden war, dass rund 30.000 Frauen in Frankreich krebserregende Brustimplantate der französischen Firma Poly Implant Prothese (PIP) eingesetzt bekommen haben, wird nun auch in Österreich nach Patientinnen gesucht, denen das fehlerhafte Produkt implantiert wurde. Zumindest neun Betroffene sind bisher bekannt.

Sechs von ihnen tragen die Implantate noch im Körper, bei drei weiteren wurden sie bereits entfernt. Fünf Ärzte in Österreich standen auf der Kundenliste der Herstellerfirma PIP. "Es hat sich aber herrausgestellt, dass vier davon die Implantate nie verwendet haben", sagte Marcus Müllner von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Die sechs Frauen, denen das Billig-Silikon implantiert wurde, stehen unter Beobachtung. Möglichen weiteren Betroffenen wird auf der AGES-Website geraten, mit dem behandelnden Arzt das weitere Vorgehen zu besprechen.

Zwei Frauen in Frankreich gestorben
Der französischen Justiz in Marseille liegen indes bereits mehr als 2.000 Beschwerden von Frauen mit den Brustimplantaten vor. Zwei Frauen sollen daran bereits gestorben sein. Untersucht wird der Vorwurf der Körperverletzung sowie der fahrlässigen Tötung. Die südfranzösische Firma, die die fehlerhaften Implantate herstellte, existiert seit dem Jahr 2010 nicht mehr.

PIP hatte mehr als 80 Prozent ihrer Prothesen ins Ausland exportiert, vor allem nach Großbritannien und Spanien. Im vergangenen Jahr wurde bereits von dem Produkt gewarnt, bereits damals hatten die französischen Behörden den Vertrieb und die weitere Verwendung der Silikongel-gefüllten Brustimplantate untersagt.

Millionen-Ersparnis dank "hausgemachtem Gel"
Die französischen Behörden hatten festgestellt, dass die meisten Brustimplantate der Firma, die seit 2001 hergestellt wurden, nicht mit dem ursprünglich vorgesehenen Silikongel gefüllt waren. Staatsanwalt Jacques Dallest hatte in Marseille erklärt, die Firma habe stattdessen ein "hausgemachtes Gel" verwendet, wodurch das Risiko von Rissen bei den Implantaten und in der Folge auch von Entzündungen erhöht sei. Das verwendete Gel sei zehn Mal billiger als ein ordnungsgemäßes Gel gewesen. Dadurch habe PIP rund eine Million Euro jährlich gespart.

Regierung zahlt für Entfernung
Frankreichs Regierung will nun für die Entfernung der fehlerhaften Implantate aufkommen. Alle betroffenen Frauen sollen demnach die Möglichkeit haben, sich die nicht konformen Implantate kostenlos entfernen zu lassen, hieß es im Ö1-"Morgenjournal". Ein in der Schönheitschirurgie bisher einzigartiger Fall. Die Gesundheitsbehörden wollen bis Ende der Woche einen entsprechenden Aufruf starten, berichtete die Zeitung "Liberation" am Dienstag.

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