Content-Moderatoren:

„Ohne uns würden soziale Medien kollabieren“

Web
15.06.2023 08:05

Hunderte Content-Moderatoren für soziale Netzwerke wie Facebook oder TikTok fordern bessere Arbeitsbedingungen. In einer Petition an den Deutschen Bundestag kritisierten sie am Mittwoch vor allem fehlende psychologische Unterstützung für ihre mental stark belastenden Aufgaben. „Ohne uns würden die Social-Media-Unternehmen über Nacht kollabieren“, heißt es darin.

„Wir fordern sofortige, branchenweite Veränderungen. Soziale Medien können niemals sicher werden, bevor nicht unsere Arbeitsbedingungen sicher und fair sind“, hieß es in dem Antrag, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte.

Content-Moderatoren sind dafür zuständig, gefährliche Inhalte von Internetnutzern fernzuhalten. Hierzu gehören Kinderpornografie oder Darstellungen extremer Gewalt, die gesichtet und gelöscht werden müssen. Weltweit sind für Konzerne wie den Facebook-Betreiber Meta oder die TikTok-Mutter Bytedance Tausende dieser „menschlichen Filter“ im Einsatz, die meist bei externen Dienstleistern beschäftigt sind.

„Dieser Job hat mich verändert“
„Ich wurde in dem Glauben gelassen, dass das Unternehmen angemessene psychologische Unterstützung anbietet“, sagte der Social-Media-Wächter Cengiz Haksöz in einem exklusiven Reuters-Interview. „Aber das ist nicht der Fall. Es ist eher eine Art Coaching.“

Der Content-Moderator arbeitet für den Dienstleister Telus, der unter anderem Metas Internet-Plattformen von toxischen Inhalten freihalten soll. Er kenne mehrere Kollegen, die aufgrund ihrer Arbeit massive psychische Probleme bekommen hätten. „Das ist eine sehr ernsthafte Aufgabe und hat ernsthafte Konsequenzen für die Arbeitnehmer. Dieser Job hat mich verändert.“

Vorderste Verteidigungslinie gegen schädliche Inhalte
Die 300 Unterzeichner der Petition fordern unter anderem psychologische Unterstützung rund um die Uhr, ein Verbot von Geheimhaltungsklauseln und eine bessere Bezahlung. „Content-Moderatoren sind die vorderste Verteidigungslinie gegen schädliche Inhalte im Internet“, schreiben die Verfasser. „Sie entfernen jeden Tag schreckliche Videos und Fotos, damit sie den Rest von uns nicht erreichen.“

Vor allem Meta ist wegen des Umgangs mit Content Moderatoren wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Im Jahr 2020 zahlte der Konzern 52 Millionen Dollar (rund 48 Millionen Euro) an langjährige Beschäftigte, die wegen ihrer Arbeit unter langwierigen psychischen Problemen litten. Vor einigen Monaten verklagten Mitarbeiter des kenianischen Meta-Subunternehmens Sama ihren Arbeitgeber wegen angeblich illegaler Kündigungen.

Meta und Telus wollten sich zu diesem Thema nicht äußern.

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