26.12.2021 06:00 |

Verstörende Videos

Moderatorin verklagt TikTok wegen Traumatisierung

Sie gelten als die „Müllabfuhr“ des Internets: Sogenannte Content-Moderatoren beseitigen bzw. filtern tagtäglich all den Dreck und die Abartigkeiten heraus, die in Hunderttausenden Beiträgen auf Social-Media-Plattformen veröffentlicht werden. Bei vielen von ihnen hinterlässt das tiefe Spuren, darunter auch die TikTok-Moderatorin Candie Frazier. Wegen „psychischer Verletzungen“ hat die US-Amerikanerin nun Klage gegen die Kurzvideo-App und den chinesischen Mutterkonzern ByteDance eingereicht.

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Die 10.000 Moderatoren von TikTok würden regelmäßig mit Kinderpornografie, Vergewaltigungen, Enthauptungen und Tierverstümmelungen konfrontiert, so Frazier in der beim Bundesgericht in Los Angeles eingereichten Klage, aus der „Bloomberg“ zitierte. Sie selbst musste demnach „Videos mit abartigem Kannibalismus, zertrümmerten Köpfen, Schulschießereien, Selbstmorden und sogar einem tödlichen Sturz von einem Gebäude“ mit ansehen - „komplett mit Ton“, wie es heißt.

Entrinnen könnten die Moderatoren den Abscheulichkeiten nicht: TikTok verlange von ihnen, dass sie in einem rasanten Tempo arbeiteten und in einer Zwölf-Stunden-Schicht Hunderte von Videos sichteten, so Frazier. Dabei würden ihnen nur zwei 15-minütige Pausen und eine einstündige Mittagspause gewährt.

Aufgrund der schieren Menge an Inhalten dürften sich die Moderatoren nicht länger als 25 Sekunden an einem Video aufhalten und müssten gleichzeitig drei bis zehn Videos anschauen, so Frasiers Anwälte in der Klage. Sie werfen TikTok vor, gemeinsam unter anderem mit Facebook und YouTube entwickelte Richtlinien für Content-Moderatoren, die psychologische Unterstützung und eine Begrenzung der Schichten auf vier Stunden vorsehen, nicht umzusetzen.

„Schreckliche Albträume“
Frazier, die in Las Vegas lebt, sagte, sie leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung als Folge all der verstörenden Videos, die sie ansehen musste. „Die Klägerin hat Schlafprobleme und wenn sie schläft, hat sie schreckliche Albträume“, heißt es in der Klage. Die Content-Moderatorin fordert daher eine Entschädigung für psychische Verletzungen sowie eine gerichtliche Verfügung, die TikTok verpflichtet, einen medizinischen Fonds für Moderatoren einzurichten.

TikTok selbst hat laut „Bloomberg“ bislang nicht auf die Vorwürfe reagiert.

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