Alarmierende Bilanz

Telefonseelsorge: Mehr Anrufe als im Pandemiejahr

Vorarlberg
17.03.2023 18:25

Dass die Zeiten spürbar härter geworden sind, merken auch die Mitarbeiter bei der Vorarlberg Telefonseelsorge. Im vergangenen Jahr führten diese 17.800 Beratungen durch - eine Steigerung um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Durchaus bemerkenswerte Zahlen eingedenk der Tatsache, dass 2021 noch ein „echtes“ Pandemiejahr war.

Auch die Details der Jahreserhebung sind spannend: 55 Prozent der Hilfesuchenden waren weiblich, jedoch ist eine Angleichung zu beobachten. Männer seien mutiger geworden, ihre Sorgen anzusprechen, erklärt dazu Leiter Sepp Gröfler, der sich in seiner Analyse auch auf die Pandemie bezieht: „In der Pandemie sind wir alle oft zu Pausen verdonnert gewesen, davon ist nicht mehr viel zu spüren. Wir haben wieder Fahrt aufgenommen - mehr als uns wahrscheinlich guttut“, sagt er. Anruf oder Online:

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Wir alle, aber ganz besonders Menschen in Krisen brauchen die Auszeiten, die Pausen, damit wir nicht in eine Abwärts- spirale gelangen.

Sepp Gröfler, Telefonseelsorge

Beratung als erster Schritt
Viele Anrufer hätten Schwierigkeiten, einen Unterbruch zu setzen. „Wir alle, aber besonders Menschen in Krisen brauchen die Auszeiten, die Pausen, damit wir nicht in eine Abwärtsspirale gelangen.“ Ein Telefongespräch oder eine Onlineberatung könne oft der erste Schritt aus einer destruktiven Tretmühle sein, meint der Experte, der in einem Team von insgesamt 92 ehrenamtlichen Beratern und Beraterinnen arbeitet.

Weniger Suizide bei Jugendlichen
Als erfreulich erachtet Gröfler den Rückgang von Suiziden bei Jugendlichen. Die Beratungen zu dem Thema sind allerdings angestiegen - und zwar deutlich: 15 bis 20 Mal im Monat riefen Menschen aus Sorge um Suizidgefährdete oder aus eigener Betroffenheit an, 20 Prozent dieser Kontakte kamen von Jugendlichen.

Fünf bis zehn Mal monatlich suchten diese folglich 2022 in Suizidfragen Rat, davor sei das höchstens zwei- bis fünfmal pro Monat vorgekommen, erklärt Gröfler. Der Anstieg könnte zu einem gewissen Teil aber auch in Zusammenhang mit entsprechenden Kampagnen zur Suizidprävention stehen.

Vernetzung mit anderen Stellen
Sind Kids und junge Menschen außerhalb der Geschäftszeiten der Kinder- und Jugendhilfe von Krisen betroffen, kann über die Telefonseelsorge oder die Polizei der Familienkrisendienst aktiviert werden. Insgesamt 23 Mal wurden diese Sozialarbeiter im vergangenen Jahr zu Hilfe gerufen.

Übrigens: Wer selbst als Berater oder Beraterin tätig werden will, kann sich für den nächsten Ausbildungslehrgang im Herbst anmelden: www.142online.at.

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Vorarlberg-Krone
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