Die britische Journalistin Catherine Belton denkt, dass ein Waffenstillstand in der Ukraine den Konflikt mit Russland gar nicht beenden könnte. Warum und welche Rolle die USA im Krieg spielen, erklärte sie im Gespräch mit dem „Spiegel“.
Catherine Belton gilt seit ihrem Buch „Putins Netz“ (2020) als Expertin für den russischen Präsidenten und seine Vertrauten. Dennoch habe sie den Angriff auf die Ukraine nicht kommen sehen, sagte sie im Interview mit dem „Spiegel“. Einer der Hintergründe sei ein Rat des Chefs des Sicherheitsrats, Nikolaj Patruschew. Dieser habe gesagt, dass die US-Regierung die Ukraine als Plattform nutze, um Russland zu schwächen. Daher müsse das Nachbarland angegriffen werden. Der russische Präsident denke, dass die USA seine Herrschaft mit allen Mitteln untergraben wolle. Ein Sieg würde seinen Status auf der Weltbühne wiederherstellen.
Putins Leute wollten Uneinigkeit im Westen säen
Der Kreml mischt sich laut Belton etwa seit 2004 in die Ukraine ein. Putin war nicht einverstanden damit, dass der kremlfreundliche Politiker Wiktor Janukowytsch die Wahlen gegen einen prowestlichen Kandidaten verlor. Daraufhin hätte er die Gaslieferungen durch die ukrainischen Pipelines gedrosselt, bis ein Deal akzeptiert wurde. Durch diesen war Präsident Juschtschenko beschädigt und verlor die Unterstützung der Bevölkerung. Das Einmischen nahm zu. Putins Leute haben laut Belton zudem versucht, Uneinigkeit in westlichen Demokratien zu säen. So seien Politikerinnen und Politiker bestochen und gleichzeitig extremistische Bewegungen unterstützt worden.
Dass Putin aufgestiegen sei, habe unter anderem damit zu tun, dass er sich in der Vergangenheit bescheiden gab und Menschen genau das vorspielen haben könne, was sie sehen wollten. Seine Präsidentschaft bezeichnet Belton als Verflechtung von Oligarchie, Geheimdienst und organisierter Kriminalität. Seine Leute machten sowohl Medien als auch Gerichte und Strafverfolgungsbehörden mit Geld gefügig. Dass sich die meisten Menschen in Russland nicht gegen das System stellen würden, habe damit zu tun, dass sie zu verängstigt seien, um etwas zu unternehmen. Wer von einem Krieg in der Ukraine spricht, kann mit 15 Jahren Gefängnis bestraft werden.
Putsch nach Putin?
Der russische Präsident soll laut der britischen Journalistin, die für die „Washington Post“ arbeitet, aber auch in der Moskauer Elite an Rückhalt verlieren. Diese würde bereits über eine mögliche Ablöse sprechen, wie Dmitrij Patruschew, den Sohn des Sicherheitsratschefs. Zu beachten ist jedoch, dass Beltons Kreise von einem Land der Putsche sprechen, und Geschäftsinteressen eine Rolle spielen.
An einen Waffenstillstand als Lösung des Konflikts glaubt Belton nicht. Putin sei bereit, Errungenschaften der vergangenen 20 Jahre für Gebietsgewinne in der Ukraine aufzugeben. Bei einem Waffenstillstand würde der Konflikt weitergehen. Der Machthaber würde sich vielleicht ein halbes Jahr oder Jahr bis zum nächsten Angriff Zeit lassen. Russland habe 143 Millionen Menschen, die Ukraine nur etwa 40.









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