Was macht die FH Vorarlberg, um Frauen Fairness zu garantieren? Forschungsleiter Markus Preißinger berichtet.
Alexandra Stockmeyer: Herr Preißinger, wie hoch ist der Anteil der Studentinnen und Wissenschaftlerinnen an der Fachhochschule Vorarlberg?
Markus Preißinger: Insgesamt sind derzeit 48 Prozent aller Studierenden an der FHV Frauen, 52 Prozent Männer. Unser Forschungspersonal ist zu 67 Prozent männlich, 33 Prozent sind Frauen.
Stockmeyer: Welche Maßnahmen setzt die FHV, um Frauen in der Forschung zu stärken und zu fördern?
Preißinger: Schon während des Studiums versuchen wir, Frauen durch Bachelor- und Masterarbeiten oder Projekte in Forschungsaktivitäten einzubinden. Geeignete Kandidatinnen sprechen wir aktiv an, ob sie sich auch eine Karriere in der Forschung und eine damit verbundene Promotion vorstellen können. Wichtig ist hier: Aktiv ansprechen statt passiv auf Interesse warten. Bei ausgeschriebenen Leitungspositionen gehen wir ebenfalls direkt auf Frauen in der Wissenschaftscommunity zu und versuchen so, Role Models für unsere Fachhochschule zu gewinnen.
Stockmeyer: Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit mehr Frauen in der Forschung Fuß fassen?
Preißinger: Ein Beispiel ist, die Weiterentwicklung der Forscherinnen aktiv zu unterstützen. Gerade erst haben wir Ireshika Muhandiram, eine unserer Doktorandinnen am Forschungszentrum Energie, ein Angebot für die Zeit nach ihrer Promotion gemacht. In den nächsten Jahren wird sie als Postdoc ihre Karriere vorantreiben und gleichzeitig in Projekten mit der Vorarlberger Industrie wichtige Impulse für den Wirtschaftsstandort setzen - eine Win-win-Situation für die Förderung von Frauen, unsere Fachhochschule und den Wirtschaftsstandort.
Laut dem UNESCO-Institut für Statistik liegt der Frauenanteil in der Forschung und Entwicklung weltweit unter 30 Prozent. In Österreich waren laut FEMtech, einer Initiative des Klimaschutzministeriums zur Förderung von Frauen in Forschung und Technologie, 2019 gerade einmal 24 Prozent der im gesamten F&E-Bereich Beschäftigten weiblich. Im Hochschulsektor lag der Anteil bei 38 Prozent, wobei die Quote der Professorinnen mit 28 Prozent 2020 noch einmal niedriger war. Und das, obwohl an den öffentlichen Universitäten 53 Prozent der Studierenden weiblich sind. Allerdings sind die MINT-Fächer nach wie vor männlich dominiert. An der FHV liegt das Verhältnis in den technischen Fächern etwa bei 80 Prozent Männern zu 20 Prozent Frauen.
Stockmeyer: In den vergangenen Jahrzehnten war immer wieder die Rede davon, dass Wissenschaftlerinnen um die Anerkennung ihrer Arbeit gebracht wurden. Können Sie das bestätigen?
Preißinger: Gerade im 20. Jahrhundert gab es immer wieder Fälle der systematischen Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft. Häufig wurden dabei Ergebnisse und Ideen von Frauen nicht selbst, sondern durch die männlichen Vorgesetzten veröffentlicht. Diese Zeiten sind zum Glück weltweit nahezu vorbei.
Stockmeyer: Gibt es an der FHV Regeln, um die Fairness zu garantieren?
Preißinger: An der FHV achten wir sehr genau darauf, dass die Personen, die an der Forschung beteiligt waren, anschließend auch die Lorbeeren, zum Beispiel in Form von Veröffentlichungen oder Patenten, ernten. Das Wichtigste ist dabei, dass die Forschungsergebnisse klar und transparent dokumentiert und diskutiert werden. Sollte es zu Unstimmigkeiten im Forschungsteam kommen, haben wir eine Stabsstelle für Diversität und auch eine Forschungsethikkommission. An beide kann man sich auch anonym wenden, sodass die Unstimmigkeiten neutral bewertet werden können. Mein Anspruch als Forschungsleiter ist es aber natürlich, dass dieses Angebot nicht nötig ist.









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