In Deutschland verschärft sich nach einer zwischenzeitlichen Entspannung in der Coronapandemie und trotz bereits deutlich gestiegener Gehälter der Engpass bei IT-Fachkräften wieder. Aktuell fehlen quer durch alle Branchen in Unternehmen 137.000 IT-Experten - so viele wie noch nie, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Digitalverbands Bitkom hervorgeht, der dafür 854 Betriebe befragt hat.
„Der Mangel an IT-Fachkräften macht den Unternehmen zunehmend zu schaffen und wird sich in den kommenden Jahren dramatisch verschärfen“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. Im Schnitt bleiben offene Stellen derzeit mehr als sieben Monate unbesetzt. In der Befragung sprachen 74 Prozent der Betriebe von einem Engpass, nachdem dies 2021 nur 65 Prozent waren. 70 Prozent rechnen mit einer sich weiter verschärfenden Lage.
Der Bitkom erneuerte aus diesem Anlass seine Forderung nach einer beschleunigten Aufnahme russischer und belarussischer IT-Kräfte. Der Verband schätzt das Potenzial, das in Deutschland mit Experten aus den beiden Ländern besetzt werden könnte, auf 59.000 Stellen.
37 Prozent der Firmen mit einem Bedarf im IT-Bereich würden dies nach eigenen Angaben nutzen, sofern die Personen vorher eine behördliche Sicherheitsprüfung durchlaufen hätten. Nur eine von 100 Firmen hat diesen Weg aber bereits genutzt. Elf Prozent gaben an, konkrete Pläne gehabt zu haben, nach dem russischen Angriff auf die Ukraine aber an bürokratischen Hürden gescheitert zu sein.
Zahl der Informatik-Studenten gesunken
Berg sagte, es sollte nicht das Ziel sein, ukrainische IT-Experten abzuwerben. Das würde das Land sonst schwächen, was nicht gewollt werden könne. „Das ist in Russland anders.“ Deutschland sollte IT-Experten aus Russland und Belarus nach einem Sicherheitscheck dauerhaft anwerben und integrieren. Grundsätzlich sollte die Zuwanderung in diesem Bereich erleichtert werden. Denn 2021 hätten nur noch gut 72.000 Menschen in Deutschland ein Informatik-Studium aufgenommen, um 3000 weniger als 2020. Weniger als die Hälfte schließe zudem ihr Studium auch ab.
88 Prozent der Unternehmen forderten von der Politik eine stärkere Einwanderung von Fachkräften. Berg sagte, Berufserfahrung müsse im IT-Bereich genauso berücksichtigt werden wie formale Abschlüsse. Deutsch-Kenntnisse seien auch nicht entscheidend.









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