Auch das passiert in unserem sozialen Land. Weil bei ihrem Sohn (zweieinhalb Jahre) eine Entwicklungsverzögerung vermutet wird, hat man einer Wienerin kurzerhand mitgeteilt, dass er nicht weiter den Kindergarten besuchen dürfe. Einen freien Platz für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf gibt es in der ganzen Stadt nicht!
Der kleine Sohn von Petra L. (Name geändert) spricht noch nicht. Von der Leiterin eines privaten Kindergartens wurde deshalb eine Entwicklungsdiagnostik empfohlen. Diese habe eine Autismus-Spektrum-Störung ergeben. An diese Diagnose will die Mutter noch nicht recht glauben. „Auch mein älteres Kind hat erst mit vier Jahren zu sprechen begonnen und wurde im selben Zentrum falsch diagnostiziert“, erklärt sie.
Kind auf allen Wartelisten
Aufgrund der Diagnose kann der Zweieinhalbjährige jedenfalls nicht weiter seinen Kindergarten besuchen. Man führe keine Inklusionsgruppe für Kinder, die erhöhten Förderbedarf haben. Dafür habe man auch nicht das nötige Fachpersonal. Diese Situation hat sich einen Monat, bevor die Mutter wieder zu arbeiten beginnen hätte sollen, ergeben. „Ich habe mich bei allen städtischen und privaten Kindergarteneinrichtungen erkundigt und bin auf Wartelisten. Aber es ist unmöglich, so kurzfristig einen Platz für meinen Sohn zu bekommen. Ich bin alleinerziehend und gezwungen, meinen 30-Stunden-Job zu kündigen“, so Frau L.
Politische Verantwortung
Das hat der für die Kindergärten zuständige Stadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) bestätigt. Die Verbesserung der Situation rund um die Betreuungsplätze von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf sei der Stadt zwar ein dringendes Anliegen, derzeit könne der Ausbau aber leider nicht im gewünschten Ausmaß vorangetrieben werden. Es stehe das Fachpersonal nicht ausreichend zur Verfügung. Der Bund würde notwendige Mittel für inklusive Bildungsplätze nicht freigegeben.
Beim privaten Kindergarten, den das Kind ehemals besucht hat, hat man Verständnis für die schwierige Lage der Mutter. Die Situation, in der sich die Familie befinde, sei dem mangelhaften Inklusionssystem und den fehlenden Ressourcen geschuldet. Diese Problematik sei von allen privaten Kindergartenträgerorganisationen mehrfach thematisiert worden. Bis jetzt leider ohne Ergebnis. Dabei steige die Zahl der Kinder mit der Diagnose Autismus-Spektrum-Störung stetig. Die notwendigen Betreuungsplätze würden aber weiterhin fehlen.
Fazit
Gut, dass es zumindest ein Problembewusstsein gibt. Das allein hilft betroffenen Eltern wie Frau L. nur leider gar nichts. Offenbar haben die zuständigen Stellen geschlafen. Ein Armutszeugnis.









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