Ex-Daviscup-Kapitän Stefan Koubek ärgerte den jungen Roger Federer im Training, bekam vom Superstar ein Zugticket bezahlt. Als Freund des Schweizers sieht er in der Rolle der Eltern einen Schlüssel zum Erfolg. „Roger, die ganze Sportwelt wird dich vermissen“, so Koubek. Hier lesen Sie seine „Krone“-Kolumne.
Glauben mir vielleicht nicht viele, aber ich habe Roger Federer auf dem Platz richtig alt aussehen lassen! Als er auf die Tour kam, waren unsere damaligen Coaches eng befreundet, so haben wir oft gemeinsam trainiert, gegessen und auch einigen Blödsinn gemacht.
Ich bin vier Jahre älter, die Zeit meiner internen Siege war relativ schnell vorbei, er war zu gut. Schon in meiner Zeit als Profi war Roger für mich Freund und Idol in einem. Ich habe ihm sehr gerne zugesehen, weil er alles so einfach aussehen lässt. Dann versuchst du dasselbe im nächsten Training - und es geht einfach nicht! Sein gutes Auge und das Gefühl für den Ball waren beeindruckend, der Schlüssel zu den Erfolgen war aber seine Beinarbeit, nachdem der Ball den Schläger verlassen hatte - daran hat er von Beginn an akribisch gearbeitet.
Mit Ferrari zum Bahnhof
Ein wichtiges Puzzleteil seiner Karriere waren auch die Eltern. Von Beginn an haben sie ihn begleitet, sich aber nie eingemischt - sie haben ihren Sohn einfach machen lassen, das schaffen nicht viele Eltern im Sport. Dazu haben sie ihn sehr gut erzogen. Einmal hat er mich nach einer Spritztour mit seinem Ferrari zu einem Bahnhof in der Schweiz gebracht, von dem ich zu meinem Hotel wollte. Vor Ort ist Roger schnell ausgestiegen, hat mir für ein paar Euro das Ticket gekauft und sich verabschiedet. Auch eine Pressekonferenz in Paris ist mir in Erinnerung. Alle Journalisten sollten dort Englisch können - doch er hat über eine halbe Stunde lang alle Antworten geduldig in vier Sprachen gegeben: Französisch, Englisch, Deutsch, Schweizerdeutsch.
Das Vakuum ist logisch
Meinen größten Auftritt auf der Tour hatte ich gegen Roger in Wimbledon auf dem Center Court 2003, bei 5:3 im ersten Satz habe ich sogar auf den Satzgewinn serviert. Das war’s dann aber auch schon - 5:7, 1:6, 1:6.
Wenn jemand wie er, eine Legende, die einen Weltsport 20 Jahre geprägt hat, aufhört, muss ein Vakuum entstehen. Aber es geht im Sport immer weiter: Als Agassi-Fan dachte ich früher, dass so einer nicht mehr kommt. Dann folgte Roger. Und bei den US Open hat man gesehen, dass die nächste Generation in den Startlöchern steht. Dieses Turnier hat mir wieder richtig Appetit gemacht, bei manchen Ballwechseln habe ich mich gefragt: ,Burschen, was ist mit euch eigentlich los?‘ Das war sensationell! Spätestens wenn Roger in Pension ist, möchte ich ihn treffen, vielleicht klappt es auch bei seinem Abschied beim Laver Cup am nächsten Wochenende. Aus vielen Gesprächen seit dem verkündeten Karriereende weiß ich: Roger, die ganze Sportwelt wird dich vermissen!
Stefan Koubek








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