Nach Vorstoß aus NÖ

Faktencheck: „Strom-Sperrstunde“ gegen die Krise

„Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen? Haben Sie das schon erlebt?“ - Mit diesem Song machte Austro-Popper Rainhard Fendrich in den 1980ern Werbung für Wien. Aufwendig wurden jahrzehntelang Prachtbauten und Wahrzeichen in der Donaumetropole und in vielen anderen Gemeinden nach Sonnenuntergang ins Rampenlicht gerückt. Doch damit soll wegen Putins Krieg nun Schluss sein. 

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Niederösterreichs Energielandesrat Stephan Pernkopf macht einen Energiespar-Vorstoß in der Krise. Er spricht sich für eine „Sperrstunde“ für unnötigen Strom- und Gasverbrauch aus. So wird geprüft, ob es notwendig ist, öffentliche Gebäude oder Parkplätze eine ganze Nacht lang zu beleuchten.

„Am wenigsten sehe ich ein, dass zum Beispiel Einkaufszentren und ihre Parkplätze und Schaufenster hell erleuchtet werden müssen. Hier wird oft unnötig Energie vergeudet, die wir an anderer Stelle noch brauchen. Auch hier wäre eine Licht-Sperrstunde in Krisenzeiten zu überlegen", erklärt Landeshauptfrau-Vize Pernkopf.

Umstellung auf LED besonders energiesparend
Ebenso wird bei Kirchen und bei der Straßenbeleuchtung zurückgedreht. NÖ-Gemeindebundpräsident Johannes Pressl dazu: „Mit der Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED kann man viel erreichen: In Niederösterreich leuchtet jede zweite Laterne energiesparend.“

In Wien konnten seit der Umstellung von Straßenlaternen und Verkehrslichtanlagen auf LED vor fünf Jahren 60 Prozent eingespart werden. Aufgrund der Unsicherheit zukünftiger Gaslieferungen werden weitere Maßnahmen überlegt.

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Die billigste Kilowattstunde ist jene, die gar nicht verbraucht wird. Energiesparen ist das Gebot der Stunde, dabei braucht es Hausverstand.

Niederösterreichs Landesrat Stephan Pernkopf macht mit der „Licht-Sperrstunde“ den Vorstoß.

Fragen nach Sinnhaftigkeit werden nun geprüft
Beim Gemeindebund kann man dem Vorschlag aus Niederösterreich einiges abgewinnen. Dazu gehöre unter anderem, die Temperatur in Gebäuden abzusenken. Es tauchen dabei Fragen über Fragen auf, wie: Brauche ich jetzt Warmwasser in öffentlichen Bauten? Müssen Schwimmbäder in Zeiten wie diesen beheizt werden? Was ist mit den Flutlichtanlagen? Das alles werde nun geprüft. Indes tüftelt die Bundesimmobiliengesellschaft an Möglichkeiten für einen ressourcenschonenderen Betrieb ihrer Gebäude.

Daten & Fakten

  • Einsparungspotenzial gibt es etwa bei öffentlichen Gebäuden oder ungenutzten Parkplätzen, die nicht die gesamten Nachtstunden beleuchtet werden müssten.
  • Mit der Umstellung auf LED-Lampen kann man viel erreichen: In Niederösterreich sind bereits 200.000 Straßenlaternen „umgerüstet“. Das spart ca. 80% der Stromkosten.
  • Bei Umstellung aller Leuchten auf LED und Teilabsenkung bzw. Dimmen (nur die Hälfte der Lichtstärke statt abschalten, was rechtlich möglich ist) entspricht das einem Einsparungspotenzial in ganz Österreich von rund 400 Hektar einer PV-Fläche, also Photovoltaik-Anlagen. Das sind umgerechnet mehr als 550 Fußballfelder.
  • 6 Prozent Energieeinsparung kann laut Experten bereits erreicht werden, wenn in der Heizsaison die Raumtemperatur um ein Grad reduziert wird - für kommenden Krisen-Winter wirklich überlegenswert.

Licht aus bei der weltweit größten Klimaaktion
Wie es aussieht, wenn bei Prachtbauten wie etwa Schloss Schönbrunn das Licht ausgeht, zeigt alljährlich die Earth Hour. Im Zuge der weltweit größten Klimaaktion wird für eine Stunde in den eigenen vier Wänden oder an Denkmälern und offiziellen Gebäuden das Licht ausgemacht.

Nicht nur fürs Energiesparen gut, ein dunkler Nachthimmel lässt uns besser schlafen und schont die Tierwelt. So kämpfen auch die Naturschützer Paten der Nacht gegen die „Lichtverschmutzung" in Städten.

Martina Münzer-Greier
Martina Münzer-Greier
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