Nach Gletscher-Lawine

Bergspitze wegen „grausamem Tourismus“ gesperrt

Ausland
07.07.2022 09:59

Nach dem Gletscherbruch in den Dolomiten, der mindestens zehn Personen in den Tod gerissen hat, bleibt der Zugang zur Bergspitze der Marmolada geschlossen. Der Berg wird laut Experten mehrere Wochen lang nicht mehr zugänglich sein. Der Tourismus im Trient bangt deswegen um die Sommersaison, die nach zweieinhalb Jahren Corona-Pandemie wieder in Schwung gekommen war. Indes wird die Suchaktion nach einem Vermissten fortgesetzt.

Rettungseinheiten suchen seit Donnerstagfrüh im Eis und Geröll weiter nach den Leichen der beiden letzten Vermissten. Die niedrigeren Temperaturen ermöglichten es, dass die Suchaktion, die bisher mit Drohnen und Hubschraubern geführt wurde, mit Rettungsmannschaften fortgesetzt werden konnte. Dabei fanden sie die Leiche eines der beiden letzten Vermissten, dazu auch Eispickel und Rucksäcke. Gesucht wird jetzt noch eine weitere Person, dabei handelt es sich um einen Italiener.

Von den zehn Todesopfern wurden bisher vier Italiener und zwei Tschechen identifiziert. Sieben der acht Verletzten liegen noch im Krankenhaus.

Trauerzeremonie geplant
Am Samstag ist in der Trentiner Ortschaft Canazei, dem Hauptquartier der Rettungskräfte, eine Trauerzeremonie für die Opfer des Unglücks geplant. In der gesamten Region wurde der Samstag zum Trauertag erklärt. Wegen der Lawinentragödie ist die Urlaubsstimmung im Trentino getrübt. Die Bürgermeister der Gegend befürchten eine Touristenflucht. Der Ortschef der Berggemeinde Rocca Pietore, Severino Andrea De Bernardin, versucht hingegen zu beruhigen.

„Die Berge im Trentino sind nach wie vor zugänglich, ebenso wie die Berghütten und der Fahrzeugverkehr. Geschlossen ist nur der Marmolada-Gletscher. Es wird eine falsche Botschaft vermittelt: Es scheint, dass man hier nirgendwo mehr hingehen könne, das stimmt aber nicht“, betonte der Bürgermeister.

„Schaulustige vermeiden“
Lediglich der Seilbahnabschnitt zur Punta Rocca, dem Unglücksort im Herzen des Marmolada-Massivs, sei geschlossen. „Dies wurde aus Respekt vor der schrecklichen Tragödie beschlossen, aber vor allem, um den grausamen Tourismus Schaulustiger zu vermeiden“, meinte De Bernardin.

Für die Zukunft müssten die norditalienischen Bergregionen gemeinsam eine Strategie entwickeln, wie sie mit den Touristenströmen umgehen, so der Fremdenverkehrspräsident im Trentiner Fassa-Tal, Paolo Grigolli. „In den Bergen bestehen Gefahren. Vorsicht ist angesichts des Klimawandels eine Notwendigkeit. Es gibt Aspekte im Tourismus, für die wir in allen Regionen des Alpenbogens eine gemeinsame Linie finden müssen“, meinte Grigolli.

Alarmsysteme für Alpinisten angedacht
Die Provinz Trient denkt aktuell daran, Alarmsysteme für Bergsteiger einzuführen. „Rote Fahnen auf den einsturzgefährdeten Gletschern könnten Alpinisten helfen, bewusstere Entscheidungen zu treffen“, sagte der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti. „Die Situation in den Alpen hat sich zutiefst geändert“, daher müsse man zugleich den Stand der Gletscher ständig mit moderner Technologie beobachten.

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